Trump könnte intervenieren

Proteste im Iran: Das Mullah-Regime steckt in der Sackgasse

  • schließen

Hohe Inflation, Wirtschaftskrise, Wut auf die Mullahs: Im Iran gehen in diesen Tagen so viele Menschen auf die Straßen wie seit 2022 nicht mehr.

Teheran – Ende der Woche taten die Mullahs, was sie immer tun, wenn der Druck zu hoch wird: Sie zogen den Stecker. Donnerstag und Freitag waren die Menschen im Iran vom Internet abgeschnitten, ausgenommen waren nur die politische und militärische Elite. Die Welt sollte nicht erfahren, was im Land vor sich geht. Und die Demonstrierenden sollten möglichst wenig Gelegenheit haben, sich zu organisieren.

Aufgeheizte Stimmung: Dieses Videostandbild zeigt Menschen, die eine Kreuzung während eines Protests im Iran blockieren.

Beides gelingt nur mäßig. Die Proteste, die sich Ende Dezember an der hohen Inflation und der wirtschaftlichen Misere im Land entzündeten, breiten sich rasant aus. Landesweit gehen tausende Iraner auf die Straßen. Die „New York Times“ zitiert Augenzeugen, die aus der Hauptstadt Teheran und anderen Städten berichten. Protest-Teilnehmer hätten „Freiheit, Freiheit“ skandiert oder „Tod für Chamenei“, den obersten Führer des Landes. Videos in Sozialen Netzwerken zeigen Protestzüge, brennende Gebäude, blutende Demonstranten. Amnesty International berichtet von Festnahmen, Folter und brutalem Vorgehen der Sicherheitskräfte. Bis Freitag töteten sie demnach 28 Menschen, darunter auch Kinder.

Die größten Proteste im Iran seit 2022 – Druck auf das Regime wächst massiv

Es sind, so viel kann man sagen, die größten Unruhen seit 2022, als der gewaltsame Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini zum Aufstand führte. Schon damals geriet das Mullah-Regime unter Druck, schlug die Proteste aber schließlich gewaltsam nieder. Jetzt kehrt die Wut mit Wucht zurück. Noch sei vieles unklar, sagte der israelische Iran-Experte Raz Zimmt unserer Zeitung. „Aber diese Proteste stellen eine größere Bedrohung für die Stabilität des Regimes dar als frühere Demonstrationswellen.“

Energiewende, Schengen-Erweiterung und Frieden im Nahen Osten: Die guten Nachrichten aus 2025

Bulgaria And Romania Join Schengen Free-travel Area On January 1st 2025
Der Traum von einem geeinigten Europa der offenen Grenzen nahm auch 2025 weiter Form an. Zum 1. Januar traten Rumänien und Bulgarien als neue Mitglieder vollständig dem Schengen-Raum bei. © Denislav Stoychev/imago
Bulgaria And Romania Join Schengen Free-travel Area On January 1st 2025
Damit gehören mittlerweile 29 Staaten dem Schengen-Raum an. Personengrenzkontrollen finden innerhalb des Schengengebiets in der Regel nicht statt.  © Denislav Stoychev/imago
Bulgaria full acceptance in EU's Schengen
Die Aufnahme von neuen Mitgliedern erfolgt durch einstimmige Zustimmung aller anderen Mitglieder. Österreich hatte als letztes Mitglied ein Veto gegen die Aufnahme von Bulgarien und Rumänien zurückgezogen. Beide Länder hatten seit 2011 auf den Beschluss gewartet. © Borislav Troshev/imago
Kraftwerk - Wetter
Auch für die Energiewende war 2025 als Jahr ein Meilenstein. Im ersten Halbjahr wurde weltweit erstmals mehr Strom aus Erneuerbaren Energien produziert als aus Kohle. Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien stiegt im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent. © Henning Kaiser/dpa
Morgenstimmung in Brandenburg - Wetter
Das Wissenschaftsmagazin „Science“ hat die weltweiten Zugewinne bei Erneuerbaren Energien gar zum „Durchbruch des Jahres 2025“ gekürt. In der aktuellen Situation könnte man schon in wenigen Jahren einen Meilenstein erreichen, ab dem die weltweiten Emissionen aus fossilen Brennstoffen nur noch sinken werden. © Patrick Pleul/dpa
Eröffnung des größten deutschen "Agri-PV-Parks"
Großer Treiber dieses Booms bei den Erneuerbaren ist vor allem China. Viele der Technologien, die zu dem bemerkenswerten Aufstieg der Erneuerbaren geführt hätten, seien in den USA entwickelt worden, „doch die Weiterentwicklung, Perfektionierung und industrielle Fertigung dieser Technologien haben in China stattgefunden.“ China ziehe daraus erhebliche wirtschaftliche Vorteile und liefere 80 Prozent der weltweiten Solarzellen, 70 Prozent der Windturbinen und 70 Prozent der Lithiumbatterien.  © Jens Büttner/dpa
LGBTQ Artists Woody And Ote Get Married In Thailand
Ebenso gab es im Jahr 2025 weitere Fortschritte für die LGBTQ-Community zu vermelden. Thailand führte am 22. Januar als 39. Land weltweit, die gleichgeschlechtliche Ehe ein. © Matt Hunt/imago
THAILAND SAME SEX MARRIAGE
Das Königreich ist damit das erste Land in Südostasien, dass die „Ehe für alle“ eingeführt hat. Bereits am ersten Tag gaben sich hunderte Paare in der Hauptstadt Bangkok das Jawort. © Wissarut Weerasopon/imago
Staatsfeiertag in Liechtenstein
Drei Wochen zuvor – am 1. Januar 2025 – haben auch gleichgeschlechtliche Paare im Fürstentum Liechtenstein die Möglichkeit zu heiraten oder eine eingetragene Partnerschaft umwandeln zu lassen.  © Gian Ehrenzeller/dpa
Second day of the conclave: Waiting in St
Weißer Rauch über der sixtinischen Kapelle. Nach dem Tod von Papst Franziskus im April wählte das Konklave im Mai ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche. Nur wenige Monate nach der Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident war die Sorge groß, dass sich der in den USA vollzogene „Vibe-Shift“ auch auf den Vatikan ausweiten könnte. © imago
Kardinäle stehen auf einem Balkon des Petersdoms während der neu gewählte Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, nach dem Konklave auf der Loggia des Petersdoms im Vatikan spricht.
Sollte auf den für die katholische Kirche liberalen Franziskus ein religiöser Hardliner folgen? Zu den Favoriten auf die Wahl zum Papst zählte unter anderem der erzkonservative ungarische Kardinal Peter Erdő, der sich öffentlich zur restriktiven Migrationspolitik von Viktor Orbán bekannt hatte. Mit Raymond Leo Burke gehörte sogar ein erklärter Trump-Unterstützer dem Konklave an. Doch am Ende sollte es anders kommen. © Oliver Weiken/dpa
Generalaudienz des Papstes im Vatikan
Für zahlreiche Beobachter überraschend fiel die Wahl auf den US-Kardinal Robert Francis Prevost. Papst Leo XIV. gilt als Kosmopolit und Brückenbauer. Seine Wahl wird als Kompromiss zwischen dem konservativen und liberalen Lager der katholischen Kirche bewertet. © Alessandra Tarantino/dpa
Sharm El-Sheikh Peace Summit in Egypt
Im Oktober 2025 einigten sich Vertreter Israels und der Hamas als Reaktion auf eine US-Initiative auf einen Friedensdeal für den seit 2023 andauernden Krieg im Gazastreifen. Auch wenn die humanitäre Lage im Küstengebiet weiter katastrophal und eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt weit entfernt ist, wurde der Deal als Durchbruch gewertet. © Mustafa Kamaci/imago
Nahostkonflikt - Rückkehr der Geiseln
Vor allem ermöglichte das Abkommen die Freilassung der im Rahmen des Terrorangriffs der Hamas entführten israelischen Geiseln. Demonstrierende hatten seit dem Beginn des Kriegs immer wieder Druck auf Premierminister Netanjahu ausgeübt, auf die Freilassung der Geiseln hinzuwirken. © Ilia Yefimovich/dpa
Nahostkonflikt - Rückkehr der Geiseln
Bar Kupershtein (Bild) und 19 weitere Geiseln wurden daraufhin nach knapp zwei Jahren in den Händen der Hamas freigelassen und konnten nach Israel zurückkehren. Für 28 verstorbene Geiseln kam das Abkommen zu spät. Israel hatte im Gegenzug etwa 250 palästinensische Häftlinge freigelassen, die zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurden. © Ilia Yefimovich/dpa
Ukraine-Krieg - Donezk
Einen Friedensdeal für die Ukraine gab es auch im dritten Kriegsjahr nicht. Trotzdem erwehrt sich Kiew auf dem Schlachtfeld in der Ostukraine weiterhin erfolgreich gegen einen schier übermächtigen Gegner. In wenigen Tagen wollte Russlands Präsident Wladimir Putin nach dem Überfall im Februar 2022 die ukrainische Hauptstadt erobern. Jetzt dürfte der Krieg wohl in sein viertes Jahr gehen. © Iryna Rybakova/dpa
Ukraine-Beratungen in Berlin
Ungebrochen ist dabei auch der Zusammenhalt der europäischen Verbündeten. Selenskyj bekam zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit Rückhalt aus Berlin, Paris, London und Co. Die europäischen Staats- und Regierungschefs arbeiten gemeinsam mit Kiew an einem würdigen Friedensabkommen für den Ukraine-Krieg. © Lisi Niesner/dpa
Ukraine-Krieg - Witkoff in Moskau
Putin hingegen lief auch 2025 seinen Kriegszielen hinterher. Auch wenn die russischen Streitkräfte an der Front vorrücken konnten, hält die Ukraine weiterhin Teile des Donbass. Jeder Tag, an dem Putin seine Kriegsziele auf dem Schlachtfeld nicht erreicht, könnte den Druck auf den Kreml erhöhen, einer Verhandlungslösung zuzustimmen. © Alexander Kazakov/dpa
Nach Angriff am Bondi Beach
Dass auch die dunkelsten Momente des Jahres eine Möglichkeit für Hoffnung geben, zeigte sich im Rahmen des Terroranschlags am Bondi Beach im Dezember. Zwei bewaffnete Angreifer hatten wohl gezielt auf Juden geschossen, die an einer Feier zum Auftakt des achttägigen jüdischen Festes Chanukka teilgenommen hatten. 15 Menschen wurden getötet. © Flavio Brancaleone/dpa
Sydney citizen hero disarms attacker during Bondi Beach shooting
Nach dem Anschlag ging ein Video viral, dass das selbstlose Eingreifen eines Passanten gegen einen der Täter zeigte. Die Aufnahmen zeigten den 43-jährige Ahmed al-Ahmed, wie er sich zwischen zwei Autos an einen der Schützen heranschlich und diesen nach Handgreiflichkeiten entwaffnen konnte. © Agenzia Fotogramma/imago
Governor-General of Australia visits Syrian 'hero' who tackled attacker during beach shooting
Der in Syrien geborene al-Ahmed wurde im Nachgang als „Held vom Bondi Beach“ gefeiert und bekam im Krankenhaus auch Besuch von Australiens Premierminister Anthony Albanese und weiteren Staatsträgern. Eine für den Obstverkäufer eingerichtete Petition sammelt innerhalb weniger Tage über eine Million Euro. © IMAGO/Governor-General of Australia / Handout
Former Belarusian Political Prisoners Arrive In Warsaw, Poland - 18 Dec 2025
Gute Nachrichten kamen im Dezember 2025 auch aus Belarus. Dort wurden 123 Häftlinge aus verschiedenen Ländern begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen – darunter auch zahlreiche belarussische Oppositionelle. Allen voran die prominente belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa und der Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki. © Volha Shukaila/imago
Sentencing hearing for Belarus opposition activists Kolesnikova and Znak
Die 43-jährige Kolesnikowa gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Opposition in Belarus. Sie hatte an der Seite der im Exil lebenden belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja die Massenproteste gegen Lukaschenko im Jahr 2020 mit angeführt. Als eine der wenigen führenden belarussischen Oppositionellen entschied sie sich gegen die Flucht ins Exil und wurde 2021 zu elf Jahren Haft wegen „Verschwörung zur Machtergreifung“ verurteilt. © IMAGO/Stringer
Belarusian opposition figures released from captivity
Die Freilassung der Gefangenen erfolgte auf US-Vermittlung. Vor den Freilassungen hatte der US-Gesandte John Coale bei einem Besuch in Belarus gesagt, dass die US-Sanktionen gegen belarussische Kalium-Exporte aufgehoben würden. Kalium, ein wichtiger Rohstoff bei der Düngemittel-Herstellung, ist ein wichtiges Exportgut des Landes. Nach der Freilassung wollen die 20 Oppositionellen von Litauen aus ihre Oppositionsarbeit fortsetzen..  © Maksym Kishka/imago
Bundestag - Vereidigung Bundesminister
Zum Ende des Jahres hat die sonst so zerstrittene Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz den Beitritt Deutschlands zum UN-Hochseeschutzabkommen beschlossen. Mit dem 2023 vereinbarten Abkommen wird erstmals weltweit die Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf hoher See möglich. Es sieht gemeinsame Standards zum Meeresschutz vor und soll Umweltprüfungen von menschlichen Aktivitäten im Ozean ermöglichen. © Michael Kappeler/dpa
UN-Hochseeschutzabkommen
„Die Ozeane sind überlebenswichtig für uns Menschen“, erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). „Sie erzeugen Sauerstoff, versorgen uns mit Nahrung und sind das größte Ökosystem des Planeten. Zugleich sind die Ozeane stark belastet durch Plastikmüll, Überfischung, Chemikalien und Klimawandel. Umso wichtiger sind Gebiete, in denen die Meeresnatur sich wieder erholen kann.“ © Annika Hammerschlag/dpa
Bilder des Jahres 2025, News 06 Juni News Bilder des Tages UNO in New York, Sitzung der Generalversammlung NEW YORK, NY
Das UN-Hochseeschutzabkommen sei „der größte internationale umweltpolitische Erfolg der letzten Jahre“, betonte Schneider. Es schaffe „erstmals weltweite gemeinsame Regeln für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf hoher See“. Deutschland arbeite schon jetzt mit Partnern aus Afrika, Südamerika und Asien daran, „bald erste Schutzgebiete in den Ozeanen ausweisen zu können“. © Liao Pan/imago

Gerade kommt tatsächlich viel zusammen. US- und EU-Sanktionen belasten die Wirtschaft schwer, die Währung Rial hat 2025 stark abgewertet, die Inflation gerät außer Kontrolle – bei Lebensmitteln lag sie zuletzt bei 70 Prozent. Der Zwölf-Tage-Krieg gegen Israel im Juni verschlang einen nicht unerheblichen Teil der wenigen finanziellen Ressourcen. Am 28. Dezember gingen erste Menschen auf die Straßen, Basar-Händler machten ihre Stände dicht, Studenten schlossen sich an. Präsident Massud Peseschkian, kein Hardliner, versprach Erleichterungen, doch die Dynamik ließ sich nicht mehr bremsen. Am Donnerstagabend erreichte der Protest dann dutzende Städte. Schah-Sohn Reza Pahlavi hatte aus dem US-Exil dazu aufgerufen, tausende Iraner folgten.

Nach Venezuela: Könnte US-Präsident Donald Trump im Iran intervenieren?

„Das Regime hat im Moment keine guten Optionen“, sagt Iran-Kenner Zimmt. Ein radikaler Politikwechsel wäre nötig, ist aber ausgeschlossen. Die ökonomische Situation lässt sich angesichts der internationalen Isolation kaum verbessern. Das Regime könnte also einmal mehr darauf setzen, die Proteste gewaltsam zu ersticken. Das aber würde die Lage „weiter verschärfen oder Donald Trumps Interventionsdrohung Realität werden lassen“.

Der US-Präsident hatte gedroht, einzuschreiten, sollten die Mullahs friedliche Demonstranten töten. Seit den US-Angriffen auf Irans Atomanlagen und jüngst auf Teherans Verbündeten Venezuela weiß das Regime, dass Trump im Zweifel ernst macht. Entsprechend zahm reagierte es anfangs auf die Proteste. Doch damit scheint Schluss zu sein. Ayatollah Chamenei ließ am Freitag eine Rede verbreiten, in der er den Demonstranten vorwarf, Trump gefallen zu wollen. Man werde dem „zerstörerischen Handeln“ nicht nachgeben.

Bröckelt die Regierung im Iran? „Machtverhältnisse“ könnten sich verändern

Das klingt nach Härte. Die Frage ist, ob das Regime sich wieder wird durchsetzen können. Zimmt und andere Experten sind sich einig: Der lange Atem der Demonstranten ist wichtig, entscheidend ist aber etwas anderes: Man müsse abwarten, ob sich „vielleicht zum ersten Mal Risse im Inneren des Regimes zeigen, die die Machtverhältnisse im Sinne der Demonstranten verändern könnten“, sagt Zimmt. Ernsthafte Anzeichen dafür gibt es bisher nicht.

Der deutsch-iranische Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad sieht aber Parallelen zum Sturz des Assad-Regimes in Syrien. Im Schweizer SRF sagte er, Assad sei auch deshalb gescheitert, weil er seine Streitkräfte nicht mehr habe bezahlen können. Im klammen Iran gebe es ähnliche Indizien. Und selbst wenn es dem Regime gelänge, den Aufstand noch einmal niederzuschlagen, hält Zimmt den Weg für vorgezeichnet. „Die Islamische Republik steckt in der Sackgasse und in einem fortschreitenden Zerfallsprozess.“

Rubriklistenbild: © Uncredited/dpa

Kommentare