Die Islamische Republik Iran – die Geschichte des Mullah-Regimes
VonDaniel Dillmann
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Seit der Islamischen Revolution ist Israel der Erzfeind des Mullah-Regimes im Iran. Das sah vor der Ausrufung der Islamischen Republik in Teheran noch anders aus.
Der Nahe und Mittlere Osten sind seit Jahrzehnten von komplexen Spannungen geprägt. Konflikte wie der Krieg in Israel und dem Gazastreifen verdeutlichen die weitreichenden regionalen Verflechtungen, in denen auch der Iran eine zentrale Rolle spielt. Das Mullah-Regime, das seit 1979 die Macht über den Iran von Teheran ausübt, hat die geopolitische Landschaft der Region nachhaltig verändert.
Name
Islamische Republik Iran
Hauptstadt
Teheran
Fläche
1,6 Mio. km²
Einwohnerzahl
87,8 Millionen (Stand: 2024)
Amtssprache
Persisch
Staatsform
Theokratische Präsidialrepublik
Oberster Geistiger Führer
Ayatollah Ali Khameini
Präsident
Massud Peseschkian (seit 2024)
Hauptreligion
Schiitischer Islam
Währung
Iranischer Rial
Quelle: Statistisches Bundesamt
Doch wie ist die Islamische Republik Iran entstanden? Was waren die Gründe, dass das Mullah-Regime die Macht übernehmen konnte? Wie haben sie die Beziehungen zwischen dem Iran und Israel entwickelt? Und wie ist die aktuelle Lage im fast 90 Millionen Einwohner zählenden Iran heute?
Entstehung der Islamischen Republik Iran – die Vorgeschichte
Vor 1979 war der Iran als Kaiserreich Persien bekannt. Regiert wurde dieses seit 1925 von einem Schah. Die Geschichte des Landes reicht Jahrtausende zurück, mit einer reichen kulturellen Tradition und einer strategisch wichtigen geopolitischen Lage, wie unter anderem die Encyclopedia Britannica in ihrem Bericht über den Iran schreibt.
Unter der Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi, der 1941 den Thron bestieg, wurden weitreichende soziale und wirtschaftliche Reformen im Iran durchgeführt. Diese als „Weiße Revolution“ bekannten Maßnahmen umfassten Landreformen, Industrialisierung und die Ausweitung von Frauenrechten. Trotz wirtschaftlicher Fortschritte wuchs die Unzufriedenheit in der Bevölkerung aufgrund der autoritären Herrschaft des Schahs, der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und der Kritik an der angeblichen kulturellen Verwestlichung des Iran.
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Die zunehmenden Proteste gegen das Schah-Regime im Iran führten schließlich zur Islamischen Revolution von 1979. Massenproteste, an denen verschiedene Gruppen der Gesellschaft beteiligt waren, brachten die Monarchie zu Fall. Ayatollah Ruhollah Khomeini, ein schiitischer Geistlicher, der zuvor von der Schah-Herrschaft ins Exil gezwungen worden war, kehrte in den Iran zurück und wurde zur Führungsfigur der Islamischen Revolution.
Die Gründung der Islamischen Republik Iran – eine neue Ära für das Land
Am 1. April 1979 wurde die Islamische Republik Iran offiziell ausgerufen. Dies markierte den Beginn einer neuen Ära in der iranischen Geschichte. Ayatollah Khomeini übernahm die Führung des neuen Staates und etablierte ein theokratisches System, das unter dem Namen Mullah-Regime bekannt werden sollte.
Die neue Verfassung, die im Dezember 1979 per Referendum angenommen wurde, führte das Konzept der „Velayat-e faqih“ (Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten) ein. Dieses System sieht einen Obersten geistlichen Führer als höchste religiöse und politische Autorität vor, der im schiitischen Glauben als „Mullah“ bezeichnet wird. Die höchste Instanz im Iran trägt den Titel „Großajatollah“ und steht über den gewählten Institutionen wie dem Präsidenten und dem Parlament.
Ajatollah Ali Khamenei (M), Oberster Führer vom Iran, und Hassan Ruhani (l), Präsident des Iran, bei einem Gebet anlässlich der Beerdigung des ehemaligen iranischen Justizchefs Schahrudi in Teheran (Archivbild).
In den ersten Jahren nach der Islamischen Revolution kam es zu erheblichen Umwälzungen in der Gesellschaft des Iran. Viele Anhänger des alten Regimes wurden verfolgt, und es wurden strenge islamische Gesetze eingeführt, die das öffentliche und private Leben der Bürger regelten. Der Iran-Irak-Krieg (1980–1988) festigte die Macht des neuen Mullah-Regimes weiter und prägte die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den folgenden Jahrzehnten.
Das politische System der Islamischen Republik Iran – Aufbau des Mullah-Regimes
Die Islamische Republik Iran ist eine theokratische Präsidialrepublik. An der Spitze des Staates steht der Oberste Führer, derzeit Ayatollah Ali Khamenei. Der schiitische Islam ist die vorherrschende Glaubensrichtung im Iran und bildet die Grundlage des politischen Systems des Mullah-Regimes.
In der Islamischen Republik Iran finden regelmäßig Wahlen statt, jedoch unter strengen Auflagen. Der Wächterrat, ein von religiösen Autoritäten dominiertes Gremium, prüft alle Kandidaten auf ihre Eignung und kann Bewerber ausschließen. Trotz dieser Einschränkungen spielen Wahlen eine wichtige Rolle in der iranischen Politik, da sie eine begrenzte Form der politischen Partizipation ermöglichen.
Die Situation von Frauen in der Islamischen Republik Iran
Die Lage der Frauen in Islamischen Republik Iran ist komplex. Einerseits haben Frauen Zugang zu Bildung und sind in vielen Berufen vertreten. Das Schah-Königreich sprach in den 1960er Jahren den Frauen das Wahlrecht zu. Abtreibungen wurden erlaubt und das Scheidungsrecht säkularisiert.
Mit der Islamischen Revolution verschlechtere sich die Lage im Iran für Frauen aber deutlich. Das Mullah-Regime beschränkte den Zugang zu Bildung und erließt strenge Kleidervorschriften. Dabei beriefen sich die geistigen Führer des Iran auf die in der Islamischen Republik angewandte Scharia. Vor Gericht zählt die Aussage einer Frau im Iran beispielsweise nur halb so viel wie die eines Mannes.
Gegen die religiös begründete Diskriminierung von Frauen im Iran gab es vor allem im 21. Jahrhundert immer wieder Proteste. Vor allem in Teheran sammelten sich seit 2022 hunderttausende Menschen, um gegen die Scharia und die Unterdrückung von Frauen zu demonstrieren. Das Mullah-Regime reagiert mit harten Maßnahmen auf die Proteste. Mehrere hundert Menschen sollen im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei gestorben sein. Mehr als 15.000 Menschen wurden festgenommen.
Ende Dezember 2025 begannen neue Proteste gegen das Mullah-Regime. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Danach weiteten sich die Proteste auf das gesamte Land aus. Die Proteste sind die größten seit denjenigen 2022/2023, die gewaltsam niedergeschlagen worden waren.
Die Medien und das Mullah-Regime: Pressefreiheit in der Islamischen Republik Iran
Die Medienlandschaft in der Islamischen Republik Iran unterliegt starken Einschränkungen. Die Pressefreiheit im Mullah-Regime ist begrenzt, und viele internationale Medien sind zensiert oder blockiert.
Soziale Medien spielen eine zunehmend wichtige Rolle, werden aber ebenfalls vom Staat kontrolliert. Vor allem der Kurznachrichtendienst Twitter (heute X) stieg im Zuge der Proteste gegen das Mullah-Regime zur Kommunikationsplattform des Widerstands auf.
Die Islamische Republik Iran und ihre Beziehungen zu Israel
Die Beziehungen zwischen dem Iran und Israel haben sich seit der Islamischen Revolution drastisch verschlechtert. Unter der Herrschaft des Schahs galt der Iran noch als einer der wenigen Verbündeten des 1948 gegründeten Staates Israel. Das Kaiserreich Persien war eines der wenigen arabischen Länder, das das Existenzrecht Israels anerkannte und wirtschaftliche Beziehungen mit ihm unterhielt.
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All das änderte sich aber im Zuge der Islamischen Revolution im Iran. Die Islamische Republik unter Herrschaft des Ajatollahs erkennt Israel nicht an. Der Kampf gegen den jüdischen Staat wurde zur Staatsdoktrin des Iran unter dem Mullah-Regime. Ex-Präsident Mahmud Ahmadineschad, der sich als Holocaust-Leugner gerierte, sagte laut einst laut mehreren Medien: „Israel muss von der Landkarte getilgt werden.“
Das Mullah-Regime und der Terrorismus: Irans Unterstützung von Terrorgruppen in der Region
Dass die Islamische Republik Iran es nicht nur bei Drohungen gegen Israel beließ, zeigt das Verhältnis des Mullah-Regimes zu mehreren israelfeindlichen Terrorgruppen in der Region. Der Iran unterstützt aktiv mehrere Terrorgruppen in der Region und bezeichnet den Zusammenschluss als „Achse des Widerstands“ gegen Israel.
Hisbollah-Miliz: Der engste Verbündete der Islamischen Republik Iran
Der engste Verbündete der Islamischen Republik Iran in der Region ist die Terrormiliz Hisbollah, die im Libanon beheimatet ist. Sie wurde in den 1980er Jahren mit iranischer Unterstützung gegründet und erhält seitdem umfangreiche finanzielle und militärische Hilfe. Die Hisbollah spielt eine wichtige Rolle in der libanesischen Politik und verfügt über ein beträchtliches Waffenarsenal.
Laut Angaben der US-Regierung, die sich auf Geheimdienstberichte stützen, erhält die Hisbollah jährlich bis zu einer Milliarde US-Dollar aus dem Iran. Daneben liefert das Mullah-Regime auch Waffen an die Terrormiliz im Libanon und unterstützt sie bei der Ausbildung ihrer Kämpfer.
Vereint im Kampf gegen Israel: Das Mullah-Regime des Iran und die Hamas
Die Hamas wird seit den 1990er Jahren vom Iran unterstützt. Laut Angaben der US-Politik aus dem Jahr 2020 erhält die radikalislamische Gruppe rund 100 Millionen US-Dollar pro Jahr aus Teheran. Ein Geheimdienst-Bericht aus Israel aus dem Jahr 2023 geht sogar von jährlich 350 Millionen Euro aus. Nach dem Wahlsieg der eigentlich sunnitisch geprägten Hamas 2006 im Gazastreifen war es vor allem des schiitisch dominierte Mullah-Regime im Iran, das die Herrschaft der Terrorgruppe über Gaza dank seiner Unterstützung manifestierte.
Die Huthi-Rebellen erhalten vor allem seit den frühen 2000er Jahren finanzielle und logistische Hilfe aus dem Iran. Die Islamische Republik unterstützte ihre Glaubensbrüder im Bürgerkrieg im Jemen und trug damit ihren Teil zum Sturz der jemenitischen Regierung im Jahr 2011 bei. Für die Islamische Republik Iran spielen die Huthis auf zwei Ebenen eine strategisch wichtige Rolle: zum einen im Kampf gegen Israel, zum anderen aber auch im Kampf um die Vormachtstellung in der Region mit Saudi-Arabien.
Doch der Iran nimmt nicht nur in Sachen Israel Einfluss in der Region. Auch im Bürgerkrieg in Syrien mischte das Mullah-Regime kräftig mit. Dort finanzierte der Iran die Terrorgruppe „Islamische Widerstandsfront“.
Diese Terrorgruppen unterstützt die Islamische Republik Iran
Hisbollah-Miliz (Libanon)
Hamas (Gaza/Palästina)
Huthis (Jemen)
Islamische Widerstandsfront (Syrien)
Für Israel ist besonders das iranische Raketenprogramm ein konfliktträchtiger Punkt. Die Islamische Republik Iran hat in den vergangenen Jahren sein Programm für ballistische Raketen erheblich ausgebaut. Israel sieht dies als direkte Bedrohung seiner Sicherheit – vor allem in Verbindung zum iranischen Atomprogramm. Laut Angaben aus Israel und den USA bemüht sich das Mullah-Regime seit den 1990er darum, eine eigene Nuklearwaffe zu entwickeln. Die jüngsten Angriffe auf den Iran im Krieg in Israel konzentrierten sich deshalb auch auf iranische Anlagen zur Urananreicherung.
Die Verbindungen zu Terrorgruppen in der Region ermöglichen es der Islamischen Republik Iran, seinen Einfluss auszuweiten und Druck auf Israel und andere Gegner auszuüben. Im Kontext des aktuellen Israel-Krieges haben diese Beziehungen zu Befürchtungen geführt, dass der Konflikt sich zu einem regionalen Flächenbrand ausweiten könnte.
Krisen und Probleme dominieren den Alltag in der Islamischen Republik Iran
Die aktuelle Situation in der Islamischen Republik Iran ist von vielfältigen Herausforderungen geprägt. Wirtschaftlich leidet das Land unter internationalen Sanktionen, die aufgrund des umstrittenen Atomprogramms und der regionalen Politik des Iran verhängt wurden. Dies hat zu hoher Inflation, Arbeitslosigkeit und einer Verschlechterung des Lebensstandards für viele Iranerinnen und Iraner geführt.
Auch politisch steht das Mullah-Regime zunehmend unter Druck. Interne Proteste, wie die Demonstrationen nach dem Tod von Mahsa Amini im September 2022, zeigen eine wachsende Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung mit den strengen islamischen Gesetzen und der politischen Führung. Die Regierung reagiert auf diese Herausforderungen oft mit Repressionen, was zu weiteren Spannungen führt.
Im internationalen Kontext versucht der Iran, seinen Einfluss in der Region auszubauen, was zu Konflikten mit anderen Regionalmächten und westlichen Staaten führt. Das umstrittene Atomprogramm des Iran bleibt ein zentraler Streitpunkt in den Beziehungen zu westlichen Ländern.