VonMarkus Hofstetterschließen
Die Prostete im Iran nehmen kein Ende. Die Schwäche des Mullah-Regimes könnten die Pasdaran nach Einschätzung der Islamexpertin Katajun Amirpur für einen Putsch nutzen.
Teheran - Seit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini am 16. September 2022 nehmen die Proteste im Iran kein Ende. Die Diktatur reagiert mit zunehmender Härte darauf, die Zahl der Toten unter den Demonstranten steigt. Um den Widerstandswillen der Frauen, einer tragenden Säule der Bewegung, zu brechen, sollen sie in iranischen Gefängnissen systematisch vergewaltigt werden.
Proteste im Iran: Regime ist nicht zu Zugeständnissen bereit
Katajun Amirpur, Professorin für Islamwissenschaft an der Universität zu Köln, glaubt laut der Deutschen Presseagentur nicht, dass die Staatselite im Iran auf die Demonstranten zugehen wird. Die Leute an der Macht hätten eine historische Lektion gelernt - sie selbst seien an die Macht gekommen, weil der Schah irgendwann zu Zugeständnissen bereit gewesen sei.
„Diese Zugeständnisse waren es dann, die das System zum Einsturz gebracht haben. Weil die Revolutionäre sahen: Wir können ja tatsächlich etwas erreichen.“ Die große Sorge sei nun mit Blick auf die Protestierenden: „Sobald sie auch nur den kleinen Finger kriegen, wollen sie die ganze Hand.“
Gefahr einer Militärdiktatur im Iran: Pasdaran könnten Theokratie ein Ende bereiten
Dennoch scheinen dem autoritären Regime in Teheran angesichts der anhaltenden Proteste die Zügel immer mehr zu entgleiten. Das sich auftuende Machtvakuum könnten die Revolutionsgarden für sich nutzen. „Die Pasdaran, die Revolutionsgarden, könnten dieser Theokratie ein Ende bereiten“, so Amirpur.
Die Pasdaran, deren Einfluss, auch in der iranischen Wirtschaft seit Jahren wachse, könnten demnach ihre Chance wittern, die Unzufriedenheit gegen die klerikale Elite zu nutzen. Doch das wird nach Ansicht Amirpurs nichts Gutes verheißen: „Aber diese sind natürlich nicht gewillt, eine Demokratie aufzubauen. Das wäre dann eine Militärdiktatur. Auf diesem Weg ist der Iran ohnehin schon seit einigen Jahren.“
Proteste im Iran: Wunsch der Bevölkerung nach Freiheit lässt sich nicht unterdrücken
Auch wenn der Einfluss der Revolutionsgarden zunehmen sollte, glaubt die Islamwissenschaftlerin jedoch nicht an ein Ende der Proteste. Zu groß sei das Wissen im Land darüber, was Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bedeuteten. „Dieser Wunsch nach Freiheit und vor allem auch das Wissen darüber, wie ein besserer Iran aussehen könnte, ist vorhanden“, so Amirpur.
Es sei sehr inkonsequent gewesen, dass der Staat Frauen zu Bürgern zweiter Klasse mache, sie aber gleichzeitig zu Professorinnen, Ärztinnen und Anwältinnen ausbilde und studieren lasse. „Dass es dann irgendwann knallt, ist völlig klar.“
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