Von wegen „Klima-Kleber“

5 Protestformen der Letzten Generation, die so friedlich sind wie Katzenbabys

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Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass die Klimaschutzgruppe nur den Verkehr verhindert oder Dinge beschmiert. Wir zeigen, dass es nicht stimmt.

Wenn es in der Öffentlichkeit um die Letzte Generation geht, dann meistens, weil sich Menschen aufregen, dass sie durch die Straßenblockaden etwas später nach Hause kommen. Oder, weil ein Autofahrer mal wieder ein:e Klima-Aktivist:in anspuckt oder gewaltsam wegzerrt. So auch an diesem Montag (5. Juni), als ein Mann in Berlin einen Aktivisten mehrmals bis fast an den Rand der Straße schleifte, der daraufhin jedes Mal zurückkrabbelte, wie in einem Tweet zu sehen ist. Ein weiterer Aktivist wurde ebenfalls von ihm angegriffen.

Die Letzte Generation wird gerne dafür kritisiert, dass sie solche Auseinandersetzungen laut Kritikern provoziere. Immerhin stören die Mitglieder bewusst den Straßenverkehr. Außerdem wird ihnen vorgeworfen, dass sie Leben gefährden, weil sie Rettungswagen blockieren würden (der Vorwurf ist nach Aussagen eines Notfallsanitäters bei BuzzFeed Deutschland jedoch „komplett an den Haaren herbeigezogen“.)

Trotzdem stellt sich die Frage? Warum muss die Letzte Generation immer so drastisch vorgehen? Doch hier liegt der Irrtum. Denn in Wahrheit geht die Protestgruppe nicht immer so radikal vor.

Auf diese 5 Arten demonstriert die Letzte Generation friedlich:

1. Protestmärsche

Nach der Razzia gegen Mitglieder der Gruppe gehen Teilnehmer:innen der Letzten Generation bei einem Protestmarsch durch München.

Im vergangenen Monat verzeichnete die Klimaschutzgruppe deutlich mehr Mitglieder als zuvor. Das könnte an den Protestmärschen liegen, die seitdem zugenommen haben, vermutete der Sprecher Theodor Schnarr bei FR.de von IPPEN.MEDIA. „Diese Protestform ist weniger konfrontativ und bietet noch mehr Menschen die Möglichkeit, Teil der Proteste zu werden“, sagte er

Sie hat nämlich wenig damit zu tun, sich an Straßen festzukleben oder Kunstwerke zu beschmieren: Die Protestmärsche werden auch Schleich- oder Bummel-Märsche genannt, weil die Protestierenden dabei sehr langsam laufen. „Komm mit uns auf die Straße – wir müssen die Dringlichkeit der Krise kommunizieren“, wirbt die Letzte Generation für die Teilnahme an den Märschen auf ihrer Seite.

2. Hungerstreik

Die Klima-Aktivist:innen Lea Bonasera und Henning Jeschke beim Hungerstreik.

Vor der vergangenen Bundestagswahl wollten sieben Mitglieder der Letzten Generation ein öffentliches Gespräch mit den drei Kanzlerkandidat:innen Annalena Baerbock, Robert Habeck und Olaf Scholz führen. Um ihre Forderung zu erzwingen, gingen sie in den Hungerstreik. Nach 27 Tagen ohne Essen und einem siebentägigem Durststreik erreichten zwei der Mitglieder (Lea Bonasera und Hennig Jeschke) tatsächlich ihr Ziel und redeten mit dem heutigen Bundeskanzler.

3. Fahren ohne Ticket

Um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, fahren Mitglieder der Letzten Generation im öffentlichen Nahverkehr ohne Ticket, wie sie auf ihrer Website mitteilen. Während der Fahrt tragen sie demnach die orange Warnweste, die man von ihren Straßen-Blockaden und Protestmärschen kennt. Zudem haben sie nach eigenen Angaben Flyer und Schilder dabei, die den Protest erklären. Sie wollen so darauf aufmerksam machen, „dass kostenfreie Busse, Straßenbahnen und Nahverkehrszüge Deutschlands CO₂-Emissionen mindern können“.

Diese fünf Fälle entlarven, warum Fahren ohne Ticket keine Straftat sein sollte.

4. Containern gegen Lebensmittelverschwendung

Letzte-Generation-Aktivist:innen verteilen containertes Essen.

Bevor sich die Letzte Generation sich für das Klima einsetzte, war ihr Hauptanliegen die Lebensmittelverschwendung. Um dagegen anzukämpfen, holten Aktivist:innen Essen aus dem Müll von Supermärkten und verschenkten es vor dem Eingang an Passant:innen. Die Polizei habe das die Lebensmittel laut Angaben der Website teilweise zurück in den Müll gelegt. Die Aktion war Teil der Kampagne „Essen retten, Leben retten“ und habe insgesamt 50 Mal stattgefunden.

Die Ausbeute der Letzten Generation.

Cem Özdemir (Grüne) und Marco Buschmann (FDP) forderten kürzlich, dass Containern von Lebensmitteln nur in bestimmten Fällen bestraft werden sollte.

5. Vorträge, Podcasts und Aufklärungsarbeit

Es ist wohl die harmloseste Form des Widerstands, den man sich vorstellen kann: gegenseitiger Austausch. Online bietet die Letzte Generation jede Woche zwei öffentliche Vorträge an. Hinzu kommen Vorträge, die deutschlandweit vor Ort stattfinden. Die Aktivist:innen klären darin über die Klimakrise auf, machen aber natürlich auch Werbung für ihre Aktionen. Auch einen eigenen Podcast, in dem sie unter anderem auf die öffentliche Berichterstattung reagieren, gibt es.

Für Mütter gibt es ein besonderes Format, das ebenfalls zweimal die Woche stattfindet. „Aktuelle Zukunftsperspektive unserer Kinder? Klimakollaps! Was wirst du als Mutter tun?“, heißt es im Teaser. Auch wenn sich die Vorträge speziell an Mütter richteten, könnten sich auch Väter dort über die Zukunft ihrer Kinder informieren.

Wir haben uns noch ein paar weitere harmlose Maßnahmen überlegt, mit denen die Letzte Generation niemanden mehr auf den Sack gehen würde.

Rubriklistenbild: © Daniel Löb/ dpa/ Letzte Generation/ Collage/ BuzzFeed News Deutschland

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