Früher als geplant

Gasspeicher Rehden vermiest Schnitt: Füllstände liegen bei 75 Prozent

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Die Gasspeicher in Deutschland erreichen inzwischen einen erfreulichen Füllstand von 75 Prozent – doch Rehden zieht den Schnitt runter.
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Infolge der Gaskrise in Deutschland rücken Füllstände der Gasspeicher in den Fokus. Diese haben ihr erstes Ziel mit über 75 Prozent erreicht.

Rehden – Die Gaskrise in Deutschland hält das ganze Land in Atem. Deswegen fordert Wirtschaftsminister Robert Habeck Unternehmen und Verbraucher immer wieder vehement zum Sparen auf – mit neuen Verordnungen macht er das jetzt sogar zum Gesetz. Doch scheint das Einsparen von Gas derzeit unerwartet gut zu klappen: Aktuellen Daten zufolge haben die Gasspeicher in Deutschland einen Füllstand von über 75 Prozent erreicht. Ausgerechnet der größte Gasspeicher in Deutschland, der Gasspeicher Rehden in Niedersachsen, zieht den Schnitt jedoch erheblich nach unten.

Wegen der Gaskrise blickt Deutschland auf Füllstände deutscher Gasspeicher

Aus Sorge vor einem drohenden Gasnotstand im Winter hob Robert Habeck mit den reduzierten Gaslieferungen aus Russland bereits vor Wochen die Vorgaben für die Füllstände deutscher Gasspeicher an. Demnach bestimmte der Wirtschaftsminister mit einem zusätzlichen Zwischenziel, dass die Speicher zum 1. September 2022 zu 75 Prozent gefüllt sein sollten.

Dieses Ziel konnte neuesten, vorläufigen Daten der europäischen Gasspeicherbetreiber nach zu urteilen bereits am Freitag, 12. August, mit 75,43 Prozent erreicht werden – also mehr als zwei Wochen vor dem anvisierten Datum. Der Füllstand wird laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) immer erst mit Verzögerung gemeldet.

Gaskrise in Deutschland: Welche Füllstände sieht die Verordnung für Gasspeicher in Deutschland vor?

1. September 2022Gasspeicher sollten mindestens zu 75 Prozent gefüllt sein
1. Oktober 2022Gasspeicher sollten mindestens zu 85 Prozent gefüllt sein
1. November 2022Gasspeicher sollten mindestens zu 95 Prozent gefüllt sein

Gasspeicher in Deutschland füllen sich schneller als erwartet – wegen geringem Sommer-Verbrauch

Die Gasspeicher in Deutschland gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden auf diese Weise eine Art Puffersystem für den Gasmarkt. Aufgrund der unsicheren Gaslieferungen aus Russland nehmen die Speicher mit Blick auf die Gaskrise in Deutschland dementsprechend einen hohen Stellenwert ein. Sollte auch weiterhin im gleichen Tempo wie zuletzt Gas eingespeichert werden, sieht es in Zukunft aber sogar rosiger aus als erwartet: Wie n-tv berichtet, dürfte die 85-Prozent-Marke dann auch schon vor dem 1. Oktober erreicht werden.

Das liegt unter anderem daran, dass diesen Sommer weniger Gas verbraucht wurde – bei den aktuell hohen Temperaturen heizen die Menschen selbstverständlich weniger als im Winter und auch die hohen Gaspreise tragen ihr Übriges dazu bei – zusätzlich hängen die erfreulichen Zahlen mit starken Importen aus Nordwesteuropa und den USA zusammen.

Der Bundesnetzagentur nach lag der Gasverbrauch in Deutschland bis einschließlich Juli knapp 14 Prozent unter dem des entsprechenden Vorjahreszeitraums, wie dpa berichtet. Außerdem importierte Europa im Juli 2022 laut der Zeit genauso viel Gas wie im Juli des Vorjahres – zu großen Teilen aus den Niederlanden, Belgien und Norwegen, aber auch aus den Vereinigten Staaten kam deutlich mehr Flüssiggas als zuvor.

Gasspeicher in Rehden vermiest mit etwa 50 Prozent den Schnitt – Füllstände in Deutschland überraschen

Der Speicherstand von insgesamt knapp über 75 Prozent setzt sich dabei aus einem Durchschnitt von allen Gasspeichern in Deutschland zusammen. Dabei fällt auf: Die große Mehrheit kleinerer Speicher ist laut der Zeit inzwischen zu mehr als 80 Prozent gefüllt – vor allem ein Gasspeicher vermiest jedoch den guten Schnitt.

Dabei handelt es sich um den mit Abstand größten Speicher in Deutschland im niedersächsischen Rehden. Dieser fasst im Alleingang mehr Gas, als das Land in einem Sommermonat mit wenig Heizbedarf verbraucht, doch gehörte der Speicher bis vor Kurzem einer Tochterfirma von Gazprom. Rehden blieb deswegen das vergangene Jahr über weitestgehend leer.

Zeit zufolge reagierte die Regierung im Frühjahr schließlich auf den Ukraine-Krieg und stellte den Gasspeicher unter staatliche Verwaltung. Seitdem fließt das Gas wieder, der Füllstand hat aber noch einiges aufzuholen und liegt derzeit nur bei etwa 50 Prozent.

Füllstände der Gasspeicher in Deutschland sind „gute Perspektive“ – doch nicht zu früh freuen

Trotz des willkommenen Wertes von über 75 Prozent Mitte August warnen Experten aber davor, sich zu früh über die Füllstände in deutschen Gasspeichern zu freuen. Der Geschäftsführer des Speicherverbandes Ines, Sebastian Bleschke, sprach laut dpa zwar von einer „guten Perspektive“, betonte aber auch, dass 75 Prozent erst ein Zwischenziel sei. „Im Kern geht es um die Erreichung von 95 Prozent am 1. November“, so Bleschke. Denn bei Normaltemperaturen im Oktober werde sich die beginnende Heizsaison stark auf die Einspeichermöglichkeiten auswirken.

Aufgrund der stark reduzierten Gasimporte sei es daher möglich, dass dieses Füllstandziel verfehlt werde. Bei normalen Temperaturen und den reduzierten Gaslieferungen über Nord Stream 1, könne das gespeicherte Gas schon im März oder April aufgebraucht sein, warnte der Ines-Geschäftsführer und ergänzte im Gespräch mit dpa: „Sollte Russland die Gaslieferungen ganz einstellen, schon früher.“

Nancy Faeser warnt vor möglichen Attacken auf Gas-Terminals: „Müssen gerüstet sein“

Innenministerin Nancy Faeser fügte nun der Sorge vor einem Gasnotstand im Gespräch mit der Bild noch eine zusätzliche Angst hinzu: Ihr zufolge müssten die neuen Flüssiggas-Terminals bewacht werden, denn: „Wir müssen gegen mögliche Attacken auf Gas-Terminals und andere kritische Infrastruktur gerüstet sein“, so die Innenministerin.

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Darüber hinaus ginge es ihr zufolge auch darum, Extremismus mit aller Kraft zu bekämpfen. „Wir sind alarmiert durch den Versuch von Links­extremisten, Klimaproteste zu instrumentalisieren“, erklärte Faeser der Bild und fügte hinzu: „Auf der anderen Seite sehen wir natürlich auch weiter die Gefahr von rechts.“ Tatsächlich warnte auch Bremens Bürgermeister, Andreas Bovenschulte, vor Unruhen in der Energiekrise. Die Angst vor einem „Wutwinter“ wächst, Behörden zufolge wollen Extremisten den Teuer-Schock ausschlachten.

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