Nordkorea

Putin-Besuch in Nordkora: Bündnis gegen den Westen

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Putin und Kim nehmen die Huldigungen der Massen entgegen – in einem schrecklich westlichen Mercedes. Die ollen Sowjet-Karossen der Marken Zil, Zis und Gaz haben wohl ausgedient.
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Der Besuch des russischen Präsidenten in Nordkorea beschwört einmal mehr die Partnerschaft der beiden Ländern. Eine Analyse.

Eine kleine gedrungene Gestalt mit Bürstenhaarschnitt und ungeheuer breiten Hosenbeinen steht im Zwielicht auf einem roten Teppich und betrachtet seine davor stramm stehenden und wespenschlanken Gardesoldaten. Kein Staatsschurkendarsteller aus einem frühen James-Bond-Film, sondern der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un auf dem Flughafen von Pjöngjang. Dort hatte er am späten Dienstagabend Wladimir Putin persönlich erwartet.

Am Mittwoch empfing Kim Jong-un seinen Gast dann in seiner Residenz zu einem offiziellen Gipfeltreffen. Es war Putins erster Besuch in Nordkorea seit 2000. Nach Vorgesprächen im Kreis ihrer Delegationen hätten beide fast zwei Stunden unter vier Augen palavert, so die Agentur RIA Nowosti. Hinterher vereinbarten sie den Bau einer Grenzbrücke für Kraftfahrzeuge und Kooperation in Gesundheitswesen und Wissenschaft. Aber vor allem unterschrieben Putin und Kim einen „Vertrag über umfassende strategische Partnerschaft.“ Er sehe ebenso „gegenseitige Hilfeleistungen im Falle einer Aggression gegen einen der Teilnehmer des Vertrags vor.“ So etwas nennt man auch Militärpakt.

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Laut Moskau ersetzt das neue Partnerschaftsabkommen mehrere Freundschaftsverträge Moskaus mit Nordkorea. Putin allerdings stellte das Dokument vor der Presse in den Rahmen „aggressiver geopolitischer Absichten“, die der Westen auch in Nordostasien hege. Und er verwies auf Ankündigungen und schon laufende Aktivitäten der USA sowie anderer NATO-Staaten „hochtechnische Systeme mit großem Wirkungsradius“, etwa F16-Jets, für Schläge gegen russisches Territorium zu liefern. In Verbindung damit schließe Russland nicht aus, die militärtechnische Zusammenarbeit mit Nordkorea in „Vereinbarung mit dem heute unterschriebenen Dokument“ auszubauen.

Beobachter:innen vermuten, Korea könnte seine Waffen- und Munitionslieferungen an Russland noch erhöhen. Im Mai hatte Kim jede Waffenhilfe für Moskau und seine Ukraine-Streitmacht dementiert. Aber Shin Won-sik, Verteidigungsminister Südkoreas, sagte unlängst der Agentur Bloomberg, der feindliche Nachbar im Norden habe per Frachtcontainer bereits bis zu 4,8 Millionen Artilleriegeschosse nach Russland gebracht.

Die BBC schloss nicht aus, Putin könne in Pjöngjang sogar öffentlich erwähnen, dass Nordkorea faktische Atommacht sei und so sein weltweit geächtetes Kernwaffenprogramm praktisch unterstützen. Darauf verzichtete der Russe. Aber er erklärte, Pjöngjang habe das Recht, die nötigen Schritte zu ergreifen, um seine Verteidigungsfähigkeit zu stärken und seine nationale Sicherheit zu gewährleisten.

Zum Verbrüderungs-Zeremoniell gehörten auch Gastgeschenke beider Seiten. Wladimir Putin bedachte seinen Kollegen mit einem zweiten Aurus-Automobil, schon im Februar hatte er Kim eine Limousine dieser neuen russischen Marke schicken lassen. Der Koreaner habe sich mit mehreren Kunstgegenständen revanchiert, so Putin-Berater Uschakow. Diese seien „mit Darstellungen unseres Präsidenten verbunden“. Dazu hätte auch eine Büste Putins gehört. Das klingt, als lasse sich Moskau die Freundschaft mit Pjöngjang materiell deutlich mehr kosten als umgekehrt.

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