Raketenangriffe

Ukraine-News: General Armageddon soll für Putin das Kriegsende rauszögern

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Kriegsende in Sicht? Von wegen – CDU-Außenpolitiker schwört die Deutschen auf einen langen Ukraine-Krieg ein. Bringt Putins neuer General Armageddon die Wende?

Berlin/Kiew –  Russland geht die Munition aus: Angesichts dieser Meldung hat die Union vor voreiligen Rückschlüssen gewarnt. So rechnet CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter dennoch mit einer dauerhaften Auseinandersetzung mit Russland. „Auch unsere Bevölkerung muss darauf eingestellt werden, dass dieser Krieg womöglich noch zwei Jahre gehen kann und dass er sich ausweitet“, sagte Kiesewetter der Welt und dämpfte damit die Hoffnung, dass das Ende vom Ukraine-Krieg in Sicht geraten könnte. Sorge bereitet den Experten vor allem die Beförderung von Sergej Surowikin als neuen russischen Kommandeur.

Ukraine-Krieg: Wie lange schon? Experten sehen ein Ende an der Front in Sicht

Seit nunmehr 230 Tagen tobt der Ukraine-Krieg. Nachdem Russland zuletzt bei der Offensive im Donbass herbe Rückschläge und hohe Verluste zu verzeichnen gehabt hatte, ließ Präsident Wladimir Putin zum Gegenschlag ausholen. Seit zwei Tagen attackiert die russische Armee wieder verstärkt ukrainische Städte. Allein in der Nacht zu Montag waren 80 Raketen abgefeuert worden. Dennoch gibt es reichlich Spekulationen dazu, dass sich dahinter ein letztes Aufbäumen verbergen könnte und ein Ende vom Ukraine-Krieg viel näher in Sicht ist als gedacht.

Ukraine-News: Tag 230 – nach Rückschlägen am Frontverlauf feuert Russland Raketen auf Kiew – der Überblick

Ende vom Ukraine-Krieg in Sicht? Laut Geheimdienst soll Putin die Munition ausgehen

So soll Russlands Armee allmählich die Munition ausgehen. Das geht aus einem Bericht aus London hervor. Man wisse, dass Putins Truppen erschöpft seien, zitierte die BBC den Direktor des britischen Geheimdienstes GCHQ, Jeremy Fleming. Ähnlich hatten sich auch schon zuvor andere Militärbeobachter geäußert und ein Ende des Krieges zum Ende des Jahres in Aussicht gestellt. „Es sieht übel aus für die Russen“, hatte Militärexperte Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität in München in der Süddeutschen Zeitung gesagt. Jedoch lassen sich viele Angaben derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Zögert er das Ende vom Ukraine-Krieg raus? General Sergej Surowikin.

In Moskau selber will man die Rückschläge nicht zugeben. Angesichts der stockenden Offensive an der Front in der Ostukraine hatte Putin die Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten angeordnet. Auch aus Belarus sollen unbestätigten Berichten zufolge frische Kräfte herangezogen werden. Koordiniert werden soll die Neuformation jetzt von Sergej Surowikin. Putin ernannte den 55-Jährigen zum Kommandeur der Truppen „im Gebiet der militärischen Spezialoperation“.

General Armageddon: Sergej Surowikin soll für Russlands Präsidenten das Ende im Ukraine-Krieg rauszögern

In der Politik des Westens und in der Ukraine löste die Personalie durchaus Bedenken aus. Denn Surowikin, der den Spitznamen „General Armageddon“ trägt, ist für sein brutales Vorgehen in Kriegseinsätzen berüchtigt. Auf Twitter beschrieb der Nahostexperte Charles Lister Surowikin als einen „brutalen, kühl rechnenden“ Befehlshaber, der in Syrien für das politische Überleben von Präsident Bashar Assad gesorgt haben soll. Zuvor hatte er auch schon bei Einsätzen in Tschetschenien und in Tadschikistan von sich Reden gemacht.

General Armageddon – wer ist das?

Sergej Surowikin ist neuer Kommandeur der Truppen „im Gebiet der militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine. Der 55-Jährige, der den Spitznahmen „General Armageddon trägt, stammt aus Nowosibirsk. als erfahrener Offizier, der Einsätze im Bürgerkrieg in Tadschikistan in den 1990er Jahren sowie dem zweiten Tschetschenien-Krieg in den 2000er Jahren und in Syrien im Jahr 2017 vorweisen kann. Im Oktober 2017 wurde er Kommandeur der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte, im Dezember des gleichen Jahres wurde ihm der Titel „Held Russlands“ verliehen. 

Surowikin gilt als ein Mann, der ohne zu zögern Befehle umsetzt. Erstmals trat er im August 1991 in Erscheinung. Als Befehlshaber einer motorisierten Schützen-Einheit sollte er während des Putsches gegen den damaligen Präsidenten Michail Gorbatschow Barrikaden durchbrechen. Er tat, wie befohlen. Bei dem Einsatz starben drei Menschen, weswegen General Armageddon kurz in Haft landete. Doch nach kurzer Zeit wurde er schnell wieder begnadigt.

Wann endet der Ukraine-Krieg? CDU-Politiker Kiesewetter warnt vor voreiligen Rückschlüssen

Ob Surowikin dem Ukraine-Krieg noch einmal eine neue Wendung gibt, bleibt abzuwarten. Doch selbst wenn ein Waffenstillstand oder ein Rückzug Russlands aus dem Donbass erreicht werden sollte, werden die Auswirkungen des Konflikts weiter spürbar bleiben. So warnte CDU-Außenpolitiker Kiesewetter davor, die Gefahr für eine dauerhafte Auseinandersetzung zwischen Ost und West zu unterschätzen. So habe der Konflikt gezeigt, wie verwundbar man im Bereich der kritischen Infrastruktur sei. Der Krieg werde in den kommenden Monaten und Jahren nicht nur auf ukrainischem Boden stattfinden, sagte er. Gezielte Sabotageakte auf Pipelines, Stromnetze oder Bahntrassen könnten den Ukraine-Krieg ohne Probleme in die Länge ziehen. „Das ist auch ein Krieg gegen uns“, warnte der Unionspolitiker.

Verhandlung über Kriegsende: Joe Biden könnte Putin auf G20-Gipfel treffen – Auch Gespräch mit Erdogan geplant

Dennoch will der Westen weiterhin alle Gesprächskanäle offenhalten. So gibt es Überlegungen, wonach US-Präsident Joe Biden am Rande des G20-Gipfels mit Putin zu Verhandlungen zusammenkommen könnte.  Russland Außenminister Sergej Lawrow signailsierte Gesprächsbereitschaft mit den USA – ohne aber von seinen Zielen abzurücken. „Wir haben kein ernsthaftes Angebot bekommen, mit ihnen in Kontakt zu treten“, sagte Lawrow im russischen Staatsfernsehen. Doch wenn Washington ein Treffen anbiete, dann werde man dies prüfen, sagte Lawrow. Bereits am Donnerstag soll Putin zudem mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammenkommen.  

Rubriklistenbild: © Leo Correa/Pavel Golovkin/dpa/Montage

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