Putin erleidet Verluste auf der Krim: Ukraine attackiert Schiffe und Hubschrauber
VonMarcus Giebel
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Die Ukraine richtet ihren Angriff auf mehrere Ziele in und um die Krim. Dabei werden auch ein von Russland konfisziertes Schiff und ein Hubschrauber getroffen.
Kiew – Wladimir Putin befindet sich im Ukraine-Krieg „nicht in der Position des Siegers“. Das soll der ukrainische Wolodymyr Selenskyj gerade erst festgestellt haben. Dabei scheint aktuell aber vieles in die Richtung zu laufen, wie sich der Kreml-Chef seine Invasion ausgemalt hat. Kiews Kämpfern geht im vierten Kriegsjahr langsam die Munition und auch das Personal aus, die vor Monaten in die russische Grenzregion Kursk vorgedrungenen Truppen werden offenbar in diesen Tagen zurückgeschlagen.
Dazu kommt, dass US-Präsident Donald Trump in seiner Rolle als Friedensvermittler Putin und damit dem Aggressor anscheinend deutlich entgegenkommt. Beinahe wirkt es so, als ob Russlands Präsident die Bedingungen für einen Waffenstillstand diktieren kann. Dabei muss auch er weiter schwere Verluste einstecken.
Ukraine greift russische Ziele auf Krim an: „Erfolgreiche Entmilitarisierung“
Die Hauptabteilung für Nachrichtendienste des Verteidigungsministeriums der Ukraine liefert auf ihren Social-Media-Kanälen ein gut dreiminütiges Video diverser Luftattacken. Sie sollen sich auf oder nahe der Krim ereignet haben. Jener Halbinsel, die für Putin wie für Kiew eine immense Bedeutung hat.
Gezeigt wird jeweils der Anflug auf Radarstationen, Kommandoposten, Flugabwehrsysteme, Schiffe und einen Helikopter. Die Einschläge muss sich der Beobachter dann selbst dazu denken. Die Nachrichtendienste schreiben vom „Getöse auf der Krim“ und einer „erfolgreichen Entmilitarisierung der Halbinsel“. Rund ein Dutzend Radarstationen werden aufgezählt, die zerstört worden seien.
„Seit einigen Tagen zittern die Invasoren auf der vorübergehend besetzten Krim vor einem nie dagewesenen Getöse“, heißt es im Telegram-Post: „Ihre teuren Luftabwehrsysteme waren den präzisen Schlägen der Nachrichtendienste des ukrainischen Verteidigungsministeriums hilflos ausgeliefert.“
Ukraine trifft zwei Schiffe: Schlepper einst von Russland beschlagnahmt
Zu den weiteren Zielen zählten drei Kurzstrecken-Flugabwehrsysteme der Marke Panzir S-1 sowie ein S-300-Flugabwehrraketensystem. Auch auf dem Wasser schlugen die Ukrainer zu, wollen das Transport- und Schleppschiff des Projekts S4236 und den Universalschlepper Fjodor Urjupin getroffen haben.
Letzterer wurde Berichten zufolge bereits Ende vergangenen Jahres über der Wasserlinie von einer Drohne erwischt und soll bereits damals Schaden genommen haben. Der Schlepper wurde 2010 erbaut und vier Jahre später im Zuge der Annexion der Krim von Russland beschlagnahmt.
Hubschrauber von Putin auf Krim getroffen: Ukraine erwischt Ziel auf Flugplatz
Opfer der ukrainischen Luftangriffe wurde zudem ein Mi-8-Hubschrauber, der den Aufnahmen zufolge offenbar auf einem Flugplatz auf seinen nächsten Einsatz wartete, nun aber nie wieder abheben wird. Bei dem Modell handelt es sich um einen Mehrzweckhubschrauber, von dem es insgesamt eine fünfstellige Anzahl geben soll.
Laut flugzeuginfo.net fasst die Maschine 32 Passagiere, erreicht eine Geschwindigkeit von 259 km/h und kann bis zu 4500 Meter hoch aufsteigen. Die Reichweite wird mit 500 Kilometern angegeben, die maximale Startmasse beträgt demnach 12.000 Kilogramm.
Die Nachrichtendienste danken im Zusammenhang mit dem Einsatz dem Wohltätigkeitsfonds „Turn Back Live“, der einen beträchtlichen Beitrag geleistet habe. Die nichtstaatliche und gemeinnützige Organisation beschreibt sich selbst als größte Stiftung der Ukraine, sie will bereits mehr als 330 Millionen US-Dollar für Kiews Armee gesammelt haben.
Russland greift Odessa massiv mit Drohnen an: „So sieht Putins Waffenstillstand aus“
Trotz der erfolgreichen Luftschläge geht von der Krim weiter eine beträchtliche Gefahr aus, wie die Überwachungsgruppe „Crimean Wind“ berichtet. Auf ihrem Telegram-Kanal ist zu Videos von verheerenden Bränden zu lesen, Odessa habe den massivsten Angriff mit unbemannten Flugobjekten in diesem Krieg erlebt.
Die Drohnen seien auf eine Höhe von rund 2000 Metern aufgestiegen, bevor sie ihr Ziel anflogen, daher sei es so gut wie unmöglich gewesen, sie mit gewöhnlichen Handfeuerwaffen abzuschießen. Demnach starteten die Drohnen von der Krim aus.
Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern
Andrij Jermak, Leiter des Präsidentenbüros, schrieb auf Telegram: „Odessa steht in Flammen, russische Drohnen beschießen zivile Ziele in der Stadt, es gibt Tote.“ Auch die zentral im Land gelegene Industriestadt Kropywnyzkyj wurde aus der Luft beschossen, wozu Jermak kommentierte: „So sieht Putins Waffenstillstand aus. Russland macht sich einen Spaß daraus, Zivilisten anzugreifen.“
In der kommenden Woche sollen auf Initiative von Trump in Saudi-Arabien Gespräche über eine begrenzte Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine beginnen. Bis dahin müssen sich die Menschen im überfallenen Land wohl noch auf einiges gefasst machen. Putin scheint keinesfalls kriegsmüde zu werden. (mg)