„Es ist wie im Irrenhaus“

Lage in Cherson: Russen „können unseren Vormarsch nicht aufhalten“

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In Cherson werden zahlreiche Anwohner evakuiert – Russland begründet das mit der angeblich bevorstehenden Gegenoffensive der Ukraine.
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Die Lage in Cherson spitzt sich zu. Russische Streitkräfte fordern Einwohner auf, die Region zu verlassen. Eine ukrainische Gegenoffensive wird erwartet.

Cherson – Das südukrainische Cherson war die erste größere ukrainische Stadt, die nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs am 24. Februar von den russischen Streitkräften eingenommen wurde. Nun will die Ukraine sie wieder zurückgewinnen – und die russische Armee gerät offenbar zunehmend unter Druck. Schon seit einigen Wochen ist Cherson das Ziel einer Gegenoffensive des ukrainischen Militärs, das laut der Zeit zuletzt immer weiter vorgerückt ist. Die Russen hingegen scheinen schlecht organisiert. „Es ist wie im Irrenhaus“, klagt ein russischer Kämpfer aus der Region.

News aus Cherson im Ukraine-Krieg: Was ist die aktuelle Lage?

Vor wenigen Tagen hat Russlands Präsident Wladimir Putin das Kriegsrecht über die von der Russischen Föderation annektierten ukrainischen Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson verhängt. Mychajlo Podoljak, Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, äußerte sich zu diesem Schritt auf Twitter mit den Worten: „Die Einführung des Kriegsrechts in den besetzten Gebieten durch die Russische Föderation sollte nur als Pseudolegitimierung der Plünderung des Eigentums der Ukrainer [...] betrachtet werden.“

Das ändere aber nichts für die Ukraine – sie werde die Befreiung der von Russland besetzten Territorien fortsetzen, versicherte Podoljak zielstrebig. Tatsächlich erwarten ukrainische Regierungsvertreter die Befreiung Chersons binnen weniger Wochen, doch aktuelle Hinweise oder eine klare Stellungnahme zu einer Gegenoffensive in der Region gibt es noch nicht – zumindest von ukrainischer Seite.

Russische Besatzer verkünden Start der ukrainischen Gegenoffensive in Cherson

Laut den russischen Besatzern hätten ukrainische Streitkräfte jedoch bereits Rückeroberungsversuche im Gebiet Cherson gestartet. Demnach seien die Ukrainer in Richtung der Orte Nowa Kamjanka und Beryslaw in die Offensive gegangen, schrieb Kirill Stremoussow, Vizechef der Chersoner Besatzungsverwaltung, auf seinem Telegram-Kanal. Bislang seien die Angriffe aber erfolglos gewesen.

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Die Besatzungsbehörden verkündeten am Mittwoch laut n-tv dennoch ihren Rückzug aus der Stadt Cherson und russische Streitkräfte lassen schon seit Tagen Menschen aus der Region in entferntere, russisch kontrollierte Gebiete bringen. Tausende Zivilisten sollen demnach bereits auf angeblich sichererem Gebiet sein. Moskau begründet diesen Schritt offiziell mit der wahrscheinlich bevorstehenden ukrainischen Gegenoffensive und einem Schutz der Bevölkerung.

Evakuierung von Anwohnern in Cherson sei „Propaganda“ – Russen wollen sie „als Schutzschild zu nutzen“

„Alles Propaganda“, verkündet Natalja Humeniuk, Sprecherin des operativen Kommandos der ukrainischen Streitkräfte im Süden des Landes laut der Tagesschau. „Die Besatzer nutzen die Zivilbevölkerung als Ablenkungsmanöver“, fährt sie fort. „Sie haben selbst Angst, weil sie wissen, dass sie unseren Vormarsch nicht aufhalten können und wollen die Zivilbevölkerung mit aufs östliche Ufer des Dnjepr nehmen, um sie als Schutzschild zu nutzen.“

Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar 2022 begonnen. Im November konnten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Cherson befreien. Doch für die Menschen vor Ort ist die Lage noch immer katastrophal. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Hier kämpfen sie um die Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum der Stadt.
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar 2022 begonnen. Im November konnten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Cherson befreien. Doch für die Menschen vor Ort ist die Lage noch immer katastrophal. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Hier kämpfen sie um die Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum der Stadt. © BULENT KILIC/afp
Am 24. Februar beginnt Russland mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus.
Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus. © Aris Messinis/afp
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine.
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine. © Sergei Malgavko/dpa
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet.
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet. © Sergei Mikhailichenko/afp
Weltweit gehen die Menschen gegen den Ukraine-Krieg auf die Straßen. Eine Demonstrantin in Montreal (Kanada) macht deutlich, wen sie für das Leid in der Ukraine verantwortlich macht: Russlands Präsidenten Wladimir Putin.
Weltweit gehen die Menschen gegen den Ukraine-Krieg auf die Straßen. Eine Demonstrantin in Montreal (Kanada) macht deutlich, wen sie für das Leid in der Ukraine verantwortlich macht: Russlands Präsidenten Wladimir Putin. © Andrej Ivanov/afp
Wolodymyr Selenskyj meldet sich mit einer nächtlichen Videobotschaft aus Kiew - während der russische Angriff auf die Hauptstadt läuft. Der Präsident wird im Verlauf des Kriegs zur Galionsfigur des ukrainischen Widerstands gegen die russische Invasion.
Wolodymyr Selenskyj meldet sich mit einer nächtlichen Videobotschaft aus Kiew - während der russische Angriff auf die Hauptstadt läuft. Der Präsident wird im Verlauf des Kriegs zur Galionsfigur des ukrainischen Widerstands gegen die russische Invasion. © Facebook/afp
Die Verluste Russlands lassen sich vor allem auf die hohe Kampfmoral der ukrainischen Bevölkerung zurückführen. Diese Frau lässt sich in Lwiw an einem Sturmgewehr des Typs AK-47 ausbilden.
Die Verluste Russlands lassen sich vor allem auf die hohe Kampfmoral der ukrainischen Bevölkerung zurückführen. Diese Frau lässt sich in Lwiw an einem Sturmgewehr des Typs AK-47 ausbilden. © Daniel Leal/afp
Der Kampf um Kiew tobt vor allem in der Anfangsphase. Die Hauptstadt der Ukraine ist von den Angriffen Russlands schwer gezeichnet. Doch der Widerstand hält an. Putins Armee gelingt es nicht, Kiew einzunehmen.
Der Kampf um Kiew tobt vor allem in der Anfangsphase. Die Hauptstadt der Ukraine ist von den Angriffen Russlands schwer gezeichnet. Doch der Widerstand hält an. Putins Armee gelingt es nicht, Kiew einzunehmen. © Daniel Leal/afp
Ein sieben Jahre altes Mädchen aus der Ukraine hat es nach Moldawien geschafft. Laut dem UNHCR sind allein in den ersten drei Monaten des Krieges mehr als sechs Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen.
Ein sieben Jahre altes Mädchen aus der Ukraine hat es nach Moldawien geschafft. Laut dem UNHCR sind allein in den ersten drei Monaten des Krieges mehr als sechs Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. © Nikolay Doychinov/afp
Irpin, ein Vorort Kiews, wird von der russischen Artillerie unter Beschuss genommen. Yevghen Zbormyrsky, 49 Jahre alt, sucht vor seinem zerstörten Haus Schutz vor dem Angriff aus Russland.
Irpin, ein Vorort Kiews, wird von der russischen Artillerie unter Beschuss genommen. Yevghen Zbormyrsky, 49 Jahre alt, sucht vor seinem zerstörten Haus Schutz vor dem Angriff aus Russland. © Aris Messinis/afp
Blutspuren in einem Zug in Kramatorsk, der für die Evakuierung von Zivilisten genutzt wurde, zeugen von den Grausamkeiten im Ukraine-Krieg.
Blutspuren in einem Zug in Kramatorsk, der für die Evakuierung von Zivilisten genutzt wurde, zeugen von den Grausamkeiten im Ukraine-Krieg. © Fadel Senna/afp
Der Zusammenhalt zwischen der Armee und der Bevölkerung im Ukraine-Krieg ist beispielhaft. In Irpin helfen Soldaten bei der Evakuierung einer Frau über eine zerstörte Brücke.
Der Zusammenhalt zwischen der Armee und der Bevölkerung im Ukraine-Krieg ist beispielhaft. In Irpin helfen Soldaten bei der Evakuierung einer Frau über eine zerstörte Brücke. © Aris Messinis/afp
Mitten Krieg geben Valery (l.) und Lesya sich in einem Außenposten vor Kiew das Ja-Wort. Beide kämpfen in der Armee der Ukraine gegen Russland.
Mitten im Krieg geben Valery (l.) und Lesya sich in einem Außenposten vor Kiew das Ja-Wort. Beide kämpfen in der Armee der Ukraine gegen Russland. © Genya Savilov/afp
Per Videoschalte hält Wolodymyr Selenskyj eine Rede im Deutschen Bundestag. Für seinen historischen Auftritt erhält der ukrainische Präsident Applaus - und im weiteren Verlauf die Zusage zur Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland.
Per Videoschalte hält Wolodymyr Selenskyj eine Rede im Deutschen Bundestag. Für seinen historischen Auftritt erhält der ukrainische Präsident Applaus - und im weiteren Verlauf die Zusage zur Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland. © Michael Kappeler/dpa
Vitali Klitschko im von russischen Angriffen zerstörten Kiew. Der ehemalige Boxweltmeister ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt und organisiert dort den Widerstand gegen Russlands Armeen.
Vitali Klitschko im von russischen Angriffen zerstörten Kiew. Der ehemalige Boxweltmeister ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt und organisiert dort den Widerstand gegen Russlands Armeen. © Sergej Supinsky/afp
Immer wieder nimmt Russland Kiew unter Beschuss. Bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum sterben mindestens sechs Menschen.
Immer wieder nimmt Russland Kiew unter Beschuss. Bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum sterben mindestens sechs Menschen. © Aris Messinis/afp
Doch nicht nur Kiew, auch Charkiw ist zu Beginn des Krieges heftig umkämpft. Ein Mann flieht aus der Stadt, während im Hintergrund russische Raketen einschlagen.
Doch nicht nur Kiew, auch Charkiw ist zu Beginn des Krieges heftig umkämpft. Ein Mann flieht aus der Stadt, während im Hintergrund russische Raketen einschlagen. © Aris Messinis/afp
Russland muss im Ukraine-Krieg unerwartet hohe Verluste in Kauf nehmen. Davon zeugen etliche zerstörte Panzer und Militärfahrzeuge, deren Überreste auf einer Straße Richtung Butscha zu sehen sind.
Russland muss im Ukraine-Krieg unerwartet hohe Verluste in Kauf nehmen. Davon zeugen etliche zerstörte Panzer und Militärfahrzeuge, deren Überreste auf einer Straße Richtung Butscha zu sehen sind. © Aris Messinis/afp
Wochenlang tobt die Schlacht um Mariupol. Die Hafenstadt im Osten der Ukraine gleicht einem Trümmerfeld. Ein russischer Soldat hält die Zerstörung mit seinem Handy fest.
Wochenlang tobt die Schlacht um Mariupol. Die Hafenstadt im Osten der Ukraine gleicht einem Trümmerfeld. Ein russischer Soldat hält die Zerstörung mit seinem Handy fest. © Alexander Nemenov/afp
Raketenangriffe spielen im Ukraine-Krieg eine besonders große Rolle. Ein Soldat der Ukraine inspiziert die Überreste einer ballistischen Rakete aus russischen Beständen auf einem Feld nahe Bohodarove im Osten des Landes.
Raketenangriffe spielen im Ukraine-Krieg eine besonders große Rolle. Ein Soldat der Ukraine inspiziert die Überreste einer ballistischen Rakete aus russischen Beständen auf einem Feld nahe Bohodarove im Osten des Landes. © Yasuyoshi Chiba/afp
Anwohnerinnen und Anwohner aus Mariupol kommen in Saporischschja im Südosten der Ukraine an. Darunter befinden sich auch zahlreiche Personen, die fast zwei Monate in Schutzräumen des Asowstal-Stahlwerks ausgeharrt haben.
Anwohnerinnen und Anwohner aus Mariupol kommen in Saporischschja im Südosten der Ukraine an. Darunter befinden sich auch zahlreiche Personen, die fast zwei Monate in Schutzräumen des Asowstal-Stahlwerks ausgeharrt haben. © dpa
Die Kämpfer des Asowstahl-Stahlwerks in Mariupol werden in der Ukraine wie Helden gefeiert. Wochenlang hielten sie die russische Armee auf und der Belagerung stand. Am Ende und nach hohen Verlusten verkündet der Kreml aber die Einnahme des Stahlwerks und damit die Kontrolle über Mariupol.
Die Kämpfer des Asowstahl-Stahlwerks in Mariupol werden in der Ukraine wie Helden gefeiert. Wochenlang hielten sie die russische Armee auf und der Belagerung stand. Am Ende und nach hohen Verlusten verkündet der Kreml aber die Einnahme des Stahlwerks und damit die Kontrolle über Mariupol. © Dmytro ‚Orest‘ Kozatskyi/afp
Die Panzerhaubitze 2000 ist das modernste Artilleriegeschütz in der Bundeswehr.
Am 21. Juni treffen die ersten schweren Waffen aus Deutschland in der Ukraine ein. Die Panzerhaubitze 2000 ist das modernste Artilleriegeschütz der Bundeswehr. Sie sieht aus wie ein riesiger Kampfpanzer und kann Ziele in 40 Kilometern Entfernung treffen.  © Sven Eckelkamp/Imago
bombardiert die russische Luftwaffe ein Einkaufszentrum in der ostukrainischen Stadt Krementschuk
Am 27. Juni bombardiert Russland ein Einkaufszentrum im 100 Kilometer von der Frontlinie entfernten Krementschuk. Zum Zeitpunkt des Angriffs befinden sich laut ukrainischen Angaben etwa 1000 Menschen in dem Gebäude, mindestens achtzehn Menschen werden getötet. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnet die Attacke als „absoluten Horror“.  © STR/afp
Dieses Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt einen Überblick über die Schlangeninsel im Schwarzen Meer.
Nach wiederholten ukrainischen Angriffen zieht sich das russische Militär Ende Juni von der Schlangeninsel südlich von Odessa zurück. Russland spricht von einem „Zeichen des guten Willens“. Die Die Ukraine feiert die Rückeroberung dagegen als Sieg. „KABOOM! Keine russischen Truppen mehr auf der Schlangeninsel“, schreibt der Leiter des Präsidialamts, Andrij Jermak, auf Twitter. „Unsere Streitkräfte haben großartige Arbeit geleistet.“ © dpa
In der Nacht auf den 29. Juli brannte nach einer Explosion ein Gefängnis in Oleniwka, in der von pro-russischen Separatisten besetzten Donezk-Region, aus.
In der Nacht auf den 29. Juli kommen bei einem Angriff auf ein Gefängnis in Oleniwka in der Donezk-Region Dutzende ukrainische Kriegsgefangene ums Leben. Der ukrainische Generalstab beschuldigt Russland, damit Folter von Gefangenen und Hinrichtungen verschleiern zu wollen. Prorussische Separatisten hingegen bezichtigten die Ukraine, für den Angriff verantwortlich zu sein © afp
Auf dem Gelände des Militärflugplatzes Saki nahe Nowofjodorowka kommt es zu heftigen Explosionen.
Am 9. August erschüttern mehrere Explosionen eine russische Luftwaffenbasis auf der 2014 annektierten Halbinsel Krim. Mehrere Flugzeuge werden zerstört. Eine Woche später detoniert auf der Krim ein russisches Munitionslager. Rusland spricht von einem „Sabotageakt“. © dpa
Dieses Satellitenbild von Planet Labs PBC zeigt das von russischen Truppen besetzte Kernkraftwerk Saporischschja.
Das Atomkraftwerk Saporischschja ist schwer umkämpft. Das Artilleriefeuer lässt international die Angst vor einer Atomkatastrophe steigen. Am 25. August wird das AKW erstmals in seiner Geschichte vom Stromnetz getrennt. Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig den Beschuss des Kraftwerksgeländes und der Umgebung vor. © Planet Labs Pbc/dpa
Rauch steigt über einem Feuer in einem Naturschutzgebiet in der Nähe der Stadt Mykolajiw nach einem Beschuss durch die Streitkräfte der Ukraine auf.
Am 29. August gelingt den ukrainischen Truppen an mehreren Stellen in der Oblast Cherson ein Vorstoß über feindliche Frontlinien. Das russische Verteidigungsministerium bestätigt eine ukrainische Offensive bei den von Russland besetzten Gebieten in der Oblast Cherson und der Oblast Mykolajiw. © Kherson Region Emergency Service/Imago
Einheiten der ukrainischen Streitkräfte sind in der Region Charkiw unterwegs.
Im September erobert die Ukraine im Zuge ihrer Gegenoffensive in der Oblast Charkiw die strategisch bedeutsamen Städte Kupjansk und Isjum von Russland zurück und durchbricht die Frontlinie an mehreren Stellen.  © Imago
Im Zuge ihrer Gegenoffensive im Raum Charkiw gelingt es den ukrainischen Streitkräften in wenigen Tagen erhebliche Gewinne zu erzielen. In dieser Phase gelingt ihnen Anfang Oktober auch die Rückeroberung von Lyman in der Oblast Donezk.
Im Zuge ihrer Gegenoffensive im Raum Charkiw gelingt es den ukrainischen Streitkräften in wenigen Tagen erhebliche Gewinne zu erzielen. In dieser Phase gelingt ihnen Anfang Oktober auch die Rückeroberung von Lyman in der Oblast Donezk.  © YASUYOSHI CHIBA/afp
Mitten im Krieg bringt der britische Streetart-Künstler Banksy den Menschen in der Ukraine mit mehreren Werken seine Solidarität zum Ausdruck. So wirft ein kleiner Judoka in den Ruinen eines Kindergartens in Borodyanka nahe Kiew einen erwachsenen Kämpfer zu Boden, dessen Gestalt ein wenig der des russischen Präsidenten Wladimir Putin ähnelt.
Mitten im Krieg bringt der britische Streetart-Künstler Banksy den Menschen in der Ukraine mit mehreren Werken seine Solidarität zum Ausdruck. So wirft ein kleiner Judoka in den Ruinen eines Kindergartens in Borodyanka nahe Kiew einen erwachsenen Kämpfer zu Boden, dessen Gestalt ein wenig der des russischen Präsidenten Wladimir Putin ähnelt. © GENYA SAVILOV/afp
Im November erobert die ukrainische Armee auch die Stadt Cherson zurück. Am 11. November gab Russland den Rückzug von 30.000 Soldaten aus dem westlich des Dnepr liegenden Teil der Cherson-Region bekannt. Zwei Tage später feiern die Menschen die Befreiung der Stadt, die ukrainischen Soldaten werden herzlich begrüßt.
Im November erobert die ukrainische Armee auch die Stadt Cherson zurück. Am 11. November gab Russland den Rückzug von 30.000 Soldaten aus dem westlich des Dnepr liegenden Teil der Cherson-Region bekannt. Zwei Tage später feiern die Menschen die Befreiung der Stadt, die ukrainischen Soldaten werden herzlich begrüßt.  © afp

Tatsächlich unterstreichen Stimmen von russischer Seite aus der Region Cherson derzeit die offenbar brenzlige Situation für Wladimir Putins Militär. Ein abgefangener Anruf von einem russischen Soldaten gibt Einblick darüber, wie schlecht es für die Streitkräfte aktuell aussieht. „Es ist wie im Irrenhaus“, erzählt er laut dem Focus.

„Wir haben niemanden, der uns führt. Wenn ich mit dem Panzer vorrücke, weiß ich nicht, wer vor mir ist. Es kann sein, dass ich einfach über unsere eigenen Infanteristen im Schützengraben drüber rolle. Und gleichzeitig habe ich Angst, dass mich von hinten unsere eigenen Geschosse treffen“, erzählt der russische Soldat in dem Telefonat.

Lage in Cherson im Ukraine-Krieg: Ukraine sendet Drohnen aus, um den Feind zu finden

Die Aufklärung der Ukrainer hingegen sei gut. Sie sendeten Drohnen aus, um den Feind zu finden und schon kurze Zeit später kämen die Artilleriegeschosse. „Genau ins Ziel“, so der russische Kämpfer. Überall lägen Leichen und Verwundete, doch es gäbe keinen Weg, sie zu bergen.

Als der Gesprächspartner im Telefonat laut dem Focus davon sprach, dass die Lage im russischen Fernsehen positiv dargestellt werde und es demnach höchstens kleine Rückschläge gäbe, antwortet der Kämpfer in Cherson: „Die Russen weichen zurück.“

Kann Ukraine Cherson mit Offensive zurückgewinnen – und was passiert dann?

Aber was passiert, wenn die ukrainischen Streitkräfte Cherson tatsächlich zurückgewinnen? „Nehmen wir mal an, die Ukrainer gewinnen Cherson und das ganze Gebiet westlich des Dnipro zurück“, sagte Joachim Krause, Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, im Gespräch mit der Deutschen Welle. „Das wäre eine große Niederlage für die Russen“, fährt Krause fort. „Ich würde das nicht mit Stalingrad vergleichen, aber es hätte durchaus ähnliche Dimensionen.“

Der Direktor befürchtet, dass die Russen dann eine Verzweiflungstat durchführen würden, „dass sie vielleicht als Rache den dortigen Staudamm sprengen, um das ganze Gebiet unter Wasser zu setzen“.

Sorge um Staudamm in Cherson wächst – Sprengung würde über 80 Dörfer fluten

Diese Sorge sieht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj offenbar schon bestätigt. Er wirft Russland vor, einen Staudamm in der südukrainischen Region Cherson vermint zu haben. „Unseren Informationen zufolge wurden die Aggregate und der Damm des Wasserkraftwerks Kachowka von russischen Terroristen vermint“, sagte der Präsident in seiner täglichen Videobotschaft am Donnerstagabend, 20. Oktober 2022. Der Staudamm des Wasserkraftwerks Kachowka liegt am Fluss Dnipro in der Region Cherson.

Kiew lägen demnach Informationen vor, dass Moskau das Gelände vermint habe und einen Angriff unter falscher Flagge plane. Unabhängig überprüfen lässt sich diese Information aber nicht. Im Falle einer Zerstörung des Staudamms würde „der Nord-Krim-Kanal einfach verschwinden“, warnte Selenskyj, was „eine Katastrophe großen Ausmaßes“ und ein „historisches Desaster“ darstellen würde. Bei einer Sprengung würden nämlich Cherson und 80 weitere Dörfer geflutet werden. Hunderttausende Menschen könnten dem zum Opfer fallen, so Selenskyj laut dem Focus.

Experte hält Sprengung in Cherson für unwahrscheinlich: „Staudamm sichert auch die Wasserversorgung der Krim“

Olexij Danilow, der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, hält eine Zerstörung des am Dnipro gelegenen Wasserkraftwerkes aber für unwahrscheinlich. „Der Staudamm sichert auch die Wasserversorgung der Krim, wenn sie den zerstören, gibt es dort in den kommenden Jahren kein Wasser mehr“, erklärt Danilow.

„Ich glaube nicht, dass sie so verrückt sind und den Staudamm sprengen. Das gäbe eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Ich weiß gar nicht, wie die Welt darauf reagieren sollte oder könnte“, so der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates.

Aktuelle Lage in Cherson – wegen Kriegspropaganda schwer zu prognostizieren

Wie es tatsächlich in Cherson weitergehen wird, lässt sich aktuell nur sehr schwer prognostizieren. Denn da die meisten Informationen aus dem Kriegsgebiet von Konfliktparteien selbst stammen, müssen diese mit viel Vorsicht betrachtet werden. Der Grad zur Kriegspropaganda ist dabei schmal.

Auch Mitteilungen aus den sozialen Medien spielen bei der Kriegsberichterstattung eine große Rolle – doch stammen diese ebenfalls in den meisten Fällen von russischen oder ukrainischen Militäreinheiten oder Aktivisten. Häufig ist die Ursprungsquelle auch gänzlich unklar. Viele Informationen zum Ukraine-Krieg lassen sich deswegen nicht unabhängig prüfen.

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