„Reich der Spekulationen“

Ist Wladimir Putin tatsächlich krank? Ärzte ordnen Gerüchte ein

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Wladimir Putin während einer Rede am 31. Juli.
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Putins Gesundheit ist schon seit Monaten Gegenstand von Spekulationen. Nun haben Ärzte die Gerüchte eingeordnet und mögliche Diagnosen geschildert.

München - Mit Blick auf den Gesundheitszustand von Russlands Machthaber Wladimir Putin überschlagen sich im Ukraine-Krieg die Gerüchte. Von Demenz bis hin zu Schilddrüsenkrebs und einem „Steroid-Wahn“ gegen starke Schmerzen - die Spekulationen sind vielfältig.

Ist nun an diesen Gerüchten tatsächlich was dran, oder ist der Kreml-Chef gesund? Der britische Generalstabschef Tony Radakin bezeichnete die Spekulationen jedenfalls als „Wunschdenken“. Auch Ärzte sind skeptisch, denn aus reiner Beobachtung lässt sich wohl nur wenig ableiten. Offenbar gibt es keine klaren Anzeichen einer Krankheit des russischen Präsidenten.

Gesundheitszustand von Putin: Ärzte ordnen Gerüchte um bestimmte Krankheiten ein

Die Gerüchte werden dabei in den meisten Fällen von Putins Aussehen und seinen Bewegungen abgeleitet. Ein aufgedunsenes Gesicht, zögerliche Bewegungen sowie der teils schlaff wirkende rechte Arm kurbeln die Diskussion an. Kann das äußere Erscheinungsbild eines Menschen tatsächlich etwas über seinen Gesundheitszustand verraten? Und welchen Aufschluss gibt etwa die Haut als größtes menschliches Organ?

„Vom bloßen Anblick her lassen sich nur wenige Diagnosen dingfest machen“, betonte Christiane Bayerl von der Dermatologischen Gesellschaft gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Aber verschiedene klinische Zeichen machen aufmerksam“, ergänzte sie - fernab vom Beispiel Putin. Dermatologen würden dann je nach Anzeichen etwa Gewebeuntersuchungen, Abstriche auf Keime oder auch Ultraschall durchführen, um in die Haut zu sehen. Mit nicht-geschultem Blick Schlüsse ziehen zu wollen, sei aber schwierig.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Ist Putin krank? Experte betont: „Nicht jedes Zittern ist Parkinson“

Dabei werde vieles auch „von Laien fehlinterpretiert“. So könne eine rote Färbung im Gesicht auf Bluthochdruck hinweisen aber auch ganz ohne jeden Krankheitswert sein. Eine bestimmte Verteilung der Rötung könnte wiederum Indiz sein für eine recht verbreitete entzündliche Rosazea-Hauterkrankung, erläutert die Klinik-Direktorin aus Wiesbaden. „Ein sehr schöner bronzefarbener Teint mit dunkel pigmentierten Handflächen steht für eine Störung der Funktion der Nebennierenrinde“, betonte sie. Auch bei Magersucht und Mangelernährung zeige sich eine vermehrte Pigmentierung.

Auch Parkinson und Probleme mit der Schilddrüse zählen zu den Gerüchten rund um den Gesundheitszustand des Kreml-Chefs. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion etwa ist die Haut Bayerl zufolge oft trocken, schuppig oder Ödeme - Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe - treten in der Augenumgebung auf. Wirke der Gang eines Menschen gestört, könne das manchmal „zumindest Verdachtsdiagnosen erlauben“ - etwa auf Parkinson, erklärte Peter Berlit, Generalsekretär der Gesellschaft für Neurologie, der dpa.

Aber: „Nicht jedes Zittern ist Parkinson.“ Eine reduzierte Mimik weise womöglich unter anderem auf Einnahme bestimmter Medikamente hin oder auf psychische Erkrankungen. Zuletzt wurde darüber spekuliert, dass der russische Präsident starke Schmerzen mit der Einnahme von Steroiden bekämpfe.

Spekulationen um Gesundheit von Putin: Experten über äußerliche Warnzeichen

Demenz könne man aber nicht an äußerlichen Faktoren erkennen, stellte er zugleich klar. Weitere äußere Warnzeichen? „Unwillkürliche Bewegungen der Extremitäten oder spontane Muskelzuckungen können wichtige Krankheitssymptome sein.“ Aus Körperhaltung, Motorik, Geschwindigkeit der Bewegung oder dem Gesichtsausdruck könne man durchaus Indizien für Krankheiten ableiten, sagt auch Allgemeinmediziner Manfred Imbert. Aber: „Man hat damit nie eine Gewissheit, sondern zunächst nur eine Wahrscheinlichkeit.“ Und es brauche einige Erfahrung, um äußerliche Auffälligkeiten oder sichtbare Veränderungen einordnen zu können, die dem Laien wohl in der Regel fehlen dürften, wie der Arzt zu Bedenken gibt.

Schilddrüsenkrebs - zurück zu Gerüchten um Putin - sei äußerlich nicht zu erkennen, es sei denn, es gebe dicke Knotenbildungen am Hals im fortgeschrittenen Stadium. Ohnehin hält es der Mediziner für „unzulässig“, aus Videoclips auf bestimmte Krankheiten schließen zu wollen. „Eventuell kann man sehen, dass was nicht in Ordnung ist, aber darüber hinaus wäre alles im Reich der Spekulationen anzusiedeln“, so Berlit. Dennoch sind einige überzeugt, dass sich Putins Macht dem Ende zuneigt. So prognostizierte ein ehemaliger MI6-Chef, Putin werde 2023 nicht mehr Präsident sein. (bb/dpa)

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