VonBedrettin Bölükbasischließen
Inmitten des Ukraine-Krieges sterben plötzlich Oligarchen rund um Wladimir Putin. Nun ist ein weiterer unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen.
Moskau - Neben Waffenlieferungen sind Sanktionen ein Instrument westlicher Länder gegen die Invasion der Ukraine durch Russland. Die wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs treffen auch mehrere Oligarchen.
Doch nun haben diese inmitten des eskalierten Ukraine-Konflikts offenbar plötzlich weitaus größere Sorgen als nur wirtschaftliche Konsequenzen: Sie werden von mysteriösen Todesfällen heimgesucht. Innerhalb von nur drei Monaten sind sieben russische Oligarchen unter meist ungeklärten und merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen. Jetzt ist ein achter Oligarch dazugekommen.
Putin und Oligarchen: Ex-Lukoil-Führungskraft Subbotin stirbt bei Schamanen-Behandlung
Alexander Subbotin, Ex-Führungskraft beim russischen Öl-Gigant Lukoil, besuchte nach Angaben des BR unter Berufung auf russische Medien ein Schamanen-Paar zur Behandlung seiner Alkoholsucht. Die ungewöhnliche Behandlung beinhaltete auch „Krötengift“ und ein Bad in „Hahnenblut“. Laut den russischen Medien wurde er offenbar in einem Kellergeschoss nach und nach auf „Entzug“ gesetzt.
Bei seinem zweiten Besuch soll Subbotin ein unbekanntes Mittel bekommen haben, nach dem es zu Herzproblemen bei ihm kam. Die Schamanen riefen jedoch keinen Arzt und vertrauten wohl lieber ihren eigenen Künsten. Kurz darauf ist der russische Oligarch offenbar noch vor Ort gestorben, wie der BR berichtete.
Oligarchen: Liste der spontanen und merkwürdigen Todesfälle im Ukraine-Russland-Krieg immer länger
Subbotin ist der achte Name auf einer Liste zu Todesfällen von Oligarchen unter seltsamen Umständen. Auch Sergei Protosenya, Wladislaw Awayev und Wassili Melnikow gehören zu den Oligarchen, die mit kurzen Abständen und unter fragwürdigen Umständen gestorben sind. Protosenya wurde in seiner Villa in Spanien gehängt aufgefunden. Seine Frau und Tochter wurden ebenfalls erstochen entdeckt, berichtete die konservative Boulevardzeitung New York Post und berief sich auf die lokale katalanische Zeitung El Punt Avui.
Awayev wurde in seiner Wohnung in Moskau gefunden. Er soll nach Angaben der russischen Polizei seine Frau, seine Tochter und schließlich sich selbst erschossen haben, berichtete die russische Staatsagentur Tass. Ähnlich ging es bei Melnikow zu. In seinem Luxus-Apartment in der Stadt Nizhny Novgorod soll er russischen Medien zufolge zuerst seine Frau, seine zwei Söhne und anschließend sich selbst das Leben genommen haben. Die genauen Hintergründe der Vorfälle bleiben ungeklärt.
Putin und Oligarchen: Experte spricht von „Liquidierung“ - Langer Arm des Kreml?
Bei diesen Fällen handle es sich um eine „Säuberung“, ein Befehl zur „Liquidierung“ durch Kreml-Chef Wladimir Putin, lautete die Einschätzung des schwedischen Wirtschaftsjournalisten und Russland-Experten Anders Aslund gegenüber des US-Boulevardblatts New York Post unter Berufung auf seine Quellen aus Russland. Demnach habe Putin die Ermordung dieser Oligarchen genehmigt, da sie aus der Sicht des Kreml Informationen zur Finanzierung von russischen Auslandsoperationen einschließlich des Ukraine-Krieges durchsickern lassen.
Und mit viel Geld hatten die verstorbenen Oligarchen auf jeden Fall zu tun. Die meisten waren Top-Manager und Führungskräfte in der russischen Öl- und Gasbranche, die laut Aslund zur Finanzierung der russischen Operationen dient. Schließlich war dies auch bei Alexander Subbotin der Fall. Er war ehemalige Führungskraft beim russischen Ölgigant Lukoil, dessen Vorstand den Ukraine-Krieg als „tragisches Ereignis“ bezeichnete.
Mit jedem neuen mysteriösen Todesfall unter Oligarchen häufen sich Vermutungen, dass womöglich Putins langer Arm im Spiel ist und Gegner der Invasion in den eigenen Reihen beseitigen will. Der merkwürdige Tod von Subbotin trägt ebenfalls dazu bei. (bb)
Rubriklistenbild: © Donat Sorokin/imago
