Zu jung für den Weltkrieg

Peinliche Putin-Parade: Neben Kreml-Chef saßen Fake-Veteranen

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Weniger Panzer, falsche Veteranen: Bei der Parade zum „Tag des Sieges“ ließ Putin viel inszenieren. Auch die Weltkriegssoldaten neben ihm waren ein Fake.

Moskau - Panzer, Soldaten, Flugshow: Jedes Jahr am 9. Mai lässt Russland auf dem Roten Platz seine Armee aufmarschieren - zum Gedenken an den Sieg über Nazi-Deutschland. Doch in diesem Jahr fiel die große Schau weitaus geringer aus als sonst. Offenbar fordern die Verluste im Ukraine-Krieg ihren Tribut. Nicht einmal die Veteranen an der Seite von Präsident Wladimir Putin waren echt.

Parade zum „Tag des Sieges“: Neben Putin sitzen Kriegsveteranen - doch die sind Fake

Bei der traditionellen Parade zum „Tag des Sieges“ nahm Staatspräsident Wladimir Putin in der ersten Reihe auf der Tribüne Platz. Links und rechts saßen die Kriegsveteranen. Doch im Gegensatz zu früheren Jahren waren diese offenbar ein Fake. Denn laut Angaben von langjährigen Russland-Beobachtern hat keiner dieser Männer tatsächlich jemals im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland gekämpft.

Ein KGB-Spion und ein Scharfschütze: Wer sind die Veteranen neben Putin bei der Parade 2023

Enthüllt worden ist dies zuerst von dem Journalisten Julian Hans. Bei dem Mann zu Putins Linker handelt es sich um Gennadij Sajzew, Jahrgang 1934. „Am Krieg gegen Nazi-Deutschland kann er also nicht teilgenommen haben“, zitierte die Bild den Moskau-Experte aus einem veröffentlichten Tweet umgehend nach der Parade 2023. Denn: Dann wäre Sajzew mit elf Jahren in den Krieg gezogen.

Umringt von falschen Kriegsveteranen: Russlands Präsident Wladimir Putin bei seiner Rede während der Parade in Moskau.

Die polnischen Nachrichtenseite „Onet“ soll dem Medienbericht zufolge nachgehakt haben. Deren Erkenntnissen nach wurde Putins vermeintlicher Kriegsveteran erst 1953 eingezogen, blieb nach seinem Wehrdienst in der Armee und trat dann 1959 dem sowjetischen Geheimdienst KGB bei. Dort arbeitete auch Putin jahrelang als russischer Spion.

Falsche Veteranen bei Putins peinlicher Parade: Scharfschütze soll nie an der Front gedient haben

Immerhin: Der Mann zu Putins rechter Seite war zumindest im Zweiten Weltkrieg schon im wehrfähigen Alter. Jurij Dwojkin sei heute 98 Jahre alt und seit 1942 in Russlands Armee gewesen, hieß es. Doch der ausgebildete Scharfschütze soll nie an der Front gekämpft haben. Vielmehr habe seine Einheit ab 1944 in der Westukraine Jagd auf ukrainische Nationalisten gemacht, berichtete „Onet“.

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Doch auffällig sind die Hintergründe schon. Ein ehemaliger KGB-Spion und ein alter Nationalisten-Jäger in der Ukraine - es erscheint durchaus gut möglich, dass Putin sich bei der Parade mit Vertrauten umgeben hat. Zwar sinkt die Zahl der Weltkriegsveteranen mit jedem Jahr, doch noch gibt es viele Russen, die den Sieg über Nazi-Deutschland als Soldat miterlebt haben. Warum sie aber nicht neben Putin sitzen durften bei der peinlichen Militär-Parade, bleibt das Geheimnis des Staatspräsidenten.

Militärparade in Moskau: Ein T-34-Panzer ist Sinnbild für Russlands Verluste im Ukraine-Krieg

Ohnehin fiel die Parade in diesem Jahr anders aus als sonst. Statt 11.000 Soldaten marschierten auf dem Roten Platz in Moskau dieses Mal nur 8000 Soldaten auf. Auch die Anzahl der Zuschauer, die sich die Putins Rede über den Krieg in der Ukraine anhörten, war deutlich geringer als üblich. Ins Bild passte da, dass auch die Militärparade abgespeckt stattfand: Unter anderem wurde die Flugshow wurde abgesagt.

Und nur ein alter Panzer vom Typ T-34 aus Weltkriegsbeständen führte die Parade in Moskau an. Viele Beobachter sehen in der Schmalspur-Parade einen Beweis darin, dass Russland im Ukraine-Krieg tatsächlich enorme Verluste erlitten hat. (jkf)

Rubriklistenbild: © Gavriil Grigorov/dpa

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