Droht eine Eskalation?

„Sie haben den Krieg losgetreten“: Putin attackiert Westen und rechtfertigt Ukraine-Krieg

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Es war eine Rede voller Propaganda gegen den Westen mit „Nazi“-Allüren: Wladimir Putin hat seinen Angriffskrieg gerechtfertigt und den Atomkontrollvertrag ausgesetzt.

Moskau – Wladimir Putins Rede zur Lage in der Ukraine sorgte am Dienstag, dem 21. Februar, für Aufsehen und am Ende vor allem für eins: Entsetzen im Westen. Denn der Kreml-Herrscher schimpfte und prahlte nach alter Manier und machte den Aggressor wiedermal im Westen aus. Die Folgen der Rede von Putin sind noch offen, doch nachdem nun durch Russland auch der Abrüstungsvertrag „New Start“ ausgesetzt wurde, scheint eine weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs wahrscheinlicher denn je. Die wichtigsten Aussagen und mögliche Folgen der Rede im Überblick.

Entwicklung im Ukraine-Krieg: Wladimir Putin rechtfertigt Angriff auf die Ukraine und attackiert Westen

Im Vorfeld war Putins Rede zum Ukraine-Krieg, der in Russland weiterhin als „Spezialoperation“ getarnt und gerechtfertigt wird, mit Spannung erwartet worden. Vor der Förderalen Versammlung des Landes holte der Kreml-Chef den Erwartungen entsprechend zum Generalschlag gegen den Westen aus. Im Vorfeld war auch eine offizielle Kriegserklärung erwartet worden – diese sprach Putin allerdings nicht aus. Dennoch zeigte die Rede an vielen Stellen altbekannte Muster der russischen Propaganda, die bereits vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs vor 2014 die Amtszeiten von Wladimir Putin bestimmten: Das narrative Feindbild des „westlichen Nazis“ rechtfertigt weiter das Handeln der Russen und dient auch vor dem Jahrestag des Kriegs in der Ukraine als Legitimation.

Mit erhobenen Zeigefinger schiebt Putin dem Westen die Schuld am Ukraine-Krieg zu. Gleichzeitig setzt er den Atomkontrollvertrag mit den USA aus.

Wenn sich am 24. Februar zum ersten Mal die jüngste Eskalation im Ukraine-Krieg jährt, blicken alle Konfliktparteien besonders auf eins zurück: hohe Verluste. Auf der Seite der Ukraine kommen Millionen Menschen hinzu, die ihre Heimat verloren haben und sich auf der Flucht vor den Kriegshandlungen befinden. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, rechtfertigte Wladimir Putin in seiner Rede vor der Förderalen Versammlung wiederum mit Aggressionen des Westens. Seit Jahren schon blickt der Kreml mit Sorge auf die Nato-Erweiterungen, die nicht zuletzt mit den Beitrittsplänen der skandinavischen Länder zu weiteren Spannungen führten. Putin fügte hinzu, der Westen wolle Russland „ein für alle Mal erledigen“.

Was Putin zum Krieg in der Ukraine sagt: Westen hat „den Krieg losgetreten“

Konkret auf den Angriffskrieg bezogen, der die Ukraine seit 2022 heimsucht, sagte Putin mit Blick auf die westlichen Staaten: „Sie haben den Krieg losgetreten.“ Während im Westen weiterhin der Aggressor in Moskau sitzt, argumentierte Putin, dass Russland lediglich versuche, die Kämpfe in der Ukraine zu beenden. Dass es im vergangenen Jahr zu einer Invasion kam, rechtfertigte Putin hingegen damit, dass in der Ukraine weiterhin ein „Neonazi-Regime“ an der Macht sei. Die „militärische Spezialoperation“, als die die Politik Moskau den Krieg bezeichnet, werde fortgesetzt. „Schritt für Schritt, sorgfältig und konsequent, werden wir die vor uns liegenden Aufgaben lösen“, sagte der 70-Jährige.

Während vor der Jahrestag des Ukraine-Kriegs die Frühlingsoffensive von Russland insbesondere den Osten des Landes verwüstet und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj weiter für Unterstützung im Kampf gegen die Invasoren wirbt, plant Putin mithilfe eines Staatsfonds russische Soldaten in der Ukraine zu unterstützen. Zudem kündigte er den Wiederaufbau der besetzen Gebiete im Donbass an. Derweil gibt es tagtäglich wichtige News im Ukraine-Krieg.

News zu Putin: Sanktionen gegen Russland wirkungslos – Wladimir Putin setzt in Rede auf Propaganda

Russlands Wirtschaft sei weiterhin stabil, versuchte Putin während seiner Rede deutlich zu machen, und die westlichen Sanktionen, die sich seit Monaten gegen den Kremlchef und seine Verbündeten richten, hätten das Land nicht stabilisieren können. Alle Aussagen Putins spiegeln eine sehr russische Perspektive wider und lassen sich in der Regel nicht unabhängig prüfen – naheliegend ist, dass sie als Teil der Propaganda-Maschinerie nur teilweise der Wahrheit entsprechen und die Realität verzerren. Zuvor war berichtet worden, dass Russland in der Nordsee spioniert.

Zugleich nutzte Putin in seiner Rede die Sanktionen, um Stimmung gegen den Westen zu machen. Die antirussischen Sanktionen hätte das Ziel, die Menschen in Russland leiden zu lassen, so der russische Präsident. „Solche Humanisten sind das.“ Anlässlich des Jahrestags des Ukraine-Kriegs hatten die EU und die USA angekündigt, weitere Sanktionen gegen Russland auf den Weg zu bringen.

„Theater des Absurden“: Wladimir Putin setzt Atomwaffen-Kontrollvertrag aus und beschuldigt USA

Wladimir Putin kündigte während seiner Rede auch an, die russische Beteiligung am Atomwaffen-Kontrollvertrag „New Start“ (Start steht für Strategic Arms Reduction Treaty) auszusetzen. Ein entsprechender Schritt war bereits im Vorfeld befürchtet worden. Der russische Präsident begründetet die Entscheidung mit einer angeblichen westlichen Bedrohung gegen Russland – machte gleichzeitig aber auch klar, dass der Schritt keinem Ausstieg aus dem Vertrag bedeuten würde. Putin warf den USA ein „Theater des Absurden“ vor – mit Blick darauf, dass Washington unlängst Moskau beschuldigt hatte, keine Experten zur Inspektion der atomaren Verteidigungsanlagen ins Land zu lassen. 

Was ist der Atomwaffen-Kontrollvertrag „New Start“?

Atomwaffen gelten seit Jahren als geächtete Waffensystem und mehrere Nationen haben bereits nach Ende des Kalten Kriegs sich für eine Abrüstung ausgesprochen. Der Abrüstungsvertrag „New Start“ ist das einzige noch verbliebene große Abkommen zur Rüstungskontrolle zwischen den USA und Russland. Wie es in den Richtlinien heißt, begrenzt der Vertrag die Atomwaffenarsenale beider Länder auf je 800 Trägersysteme und je 1550 einsatzbereite Sprengköpfe. Zudem ist geregelt, dass Washington und Moskau Informationen über ihre strategischen Atomwaffenarsenale austauschen. 

Dass Russland nun den „New-Start“-Vertrag ausgesetzt hat, könnte für den Ukraine-Krieg bedeuten, dass der Einsatz von Atomwaffen und eine erneute nukleare Aufrüstung in Russland wahrscheinlicher werden könnten.

Weil die Beziehungen zwischen den USA und Russland seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs auf einem Tiefpunkt sind, sagte Putin, dass es absoluter „Blödsinn“ sei, wenn der Westen aufgrund der jüngsten Entwicklungen Zugang zu den russischen Anlagen erwarten würde. Zugleich bekräftigte er, dass Russland den US-Experten den Zugang nicht gewähre, weil auch russische Inspektoren angesichts westlicher Sanktionen keine Möglichkeit zur Einreise in die USA hätten. Die Nato hat Russland zuletzt einen Bruch des Vertrags vorgeworfen. Die Weigerung Russlands, Inspektionen der USA auf seinem Hoheitsgebiet zu ermöglichen, untergrabe die Zukunft des Vertrags, hieß es aus Brüssel Anfang Februar. Das schreibt die Deutsche Presse-Agentur.

Putin betont in Rede Zugehörigkeit besetzter Gebiete zu Russland – welche Folgen drohen für den Ukraine-Krieg?

Besonders in der östlichen Ukraine besetzte Wladimir Putins Armee in den vergangenen Monaten mehrere Gebiete. Die Streitkräfte der Ukraine versuchen zwar unermüdlich, militärische Erfolge gegen Russland zu verzeichnen, doch zumindest im Donbass scheint sich das Blatt (noch) nicht zu wenden. In seiner Rede verkündete Putin nichtsdestotrotz, dass die besetzten Gebiete der Ukraine Teil der Russischen Föderation seien. Der Wiederaufbau in der Region würde im Sinne Russlands fortgeführt werden.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Der Westen würde in Putins Rede durchweg als Feindbild inszeniert. Der Westen nutze die Ukraine als „Waffenplatz“ und raube dem Land die Rohstoffe. Ziel des Westens sei es außerdem, die russische Gesellschaft zu spalten, so Putin. Welche Folgen nun unmittelbar von der Rede ausgehen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass Wladimir Putin durch seine Rede eine weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs ausschließt.

Ukraine-Krieg: Putin wirft in Rede an die Nation Blick auf Präsidentenwahl in Russland

In seiner nunmehr 18. Rede an die Nation wagte Putin auch einen Blick in die Zukunft: Während der Westen eine weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs und womöglich einen Einsatz von Atomwaffen befürchtet, sprach der russische Präsident auch über die Präsidentenwahl im kommenden Jahr. Zwar kündigte Putin noch nicht seine Kandidatur an, doch sagte, dass das „wichtigste der Wohlstand des Volkes, die Souveränität und die nationalen Interessen“ ist.

Wladimir Putins Rede zur Nation hat auf jeden Fall für großes Aufsehen gesorgt, auch wenn eine sofortige Eskalation des Ukraine-Kriegs oder eine offizielle Kriegserklärung ausblieb. Dennoch bleibt nun abzuwarten, wie der Westen und die Nato in den kommenden Tagen auf die Drohgebärden von Wladimir Putin reagieren werden.

Rubriklistenbild: © ITAR-TASS/imago-images

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