Geheimdienstinformationen

Weitet Russland den Ukraine-Krieg aus? Wohl Spionage in der Nordsee

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Kritische Offshore-Infrastruktur ist im niederländischen Teil der Nordsee zum Ziel potenzieller russischer Sabotageaktivitäten geworden. (Symbolbild)
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Russland spioniert wohl in der Nordsee. Die Niederlande will vor Monaten ein russisches Schiff abgefangen haben. Wird nun der Krieg von Putin ausgeweitet.

Amsterdam – Wie fragil Infrastrukturen sind, wenn es um Sabotage oder Anschläge geht, zeigt sich immer wieder – nicht erst seit dem Ukraine-Krieg. Dennoch sorgten die Explosionen an der Nord-Stream-Pipeline im vergangenen Jahr für dramatische Ausfälle bei der Energieversorgung. Russland und der Westen beschuldigten sich zeitweise gegenseitig, für den Vorfall verantwortlich zu sein – die Debatten laufen bis heute. Nun teilt der niederländische Geheimdienst mit, dass Russland andere Ziele in der Infrastruktur ausspioniert hat – allerdings nicht in der Ostsee, sondern in der Nordsee und damit deutlich weiter im Westen.

Ukraine-Krieg: Nach Nord-Stream-Pipeline – Niederlande berichtet über Spionage durch Russland

Kritische Infrastrukturen haben nicht zuletzt durch den Ausbruch des Ukraine-Kriegs an neuer Bedeutung gewonnen. Wasser, Strom, Lebensmittel oder der öffentliche Nahverkehr sind für viele Menschen alltägliche Dinge, die immer funktionieren, jedoch auch anfällig für Angriffe sind. Durch Hackergruppen zeigte sich in der jüngsten Vergangenheit immer wieder, dass auch das Internet Ziel strukturierter Attacken werden kann – welche Ausmaße ein solcher Angriff annehmen könnte, ist vielen Menschen kaum bewusst. Denn wie bedeutsam Kritische Infrastrukturen sind, wird häufig erst erkannt, wenn es zu Störungen kommt.

Das war im vergangenen Jahr bei dem Vorfall bei der Nord-Stream-Pipeline ebenfalls so. Und das, obwohl zu dem Zeitpunkt die gelieferte Gasmenge bereits auf ein Minimum reduziert worden war. Die Nachricht des niederländischen Geheimdienstes MIVD ist aus diesem Grund mindestens besorgniserregend: Zwar scheint laut Deutscher Presse-Agentur nur der niederländische Teil der Nordsee betroffen gewesen zu sein, dennoch sollen Internetkabel, Gasleitungen und Windkraftanlagen ausspioniert worden sein. Nicht auszuschließen ist daher, dass Russland auch in anderen Hoheitsgewässern auf ein ähnliches Vorgehen setzt.

Spioniert Russland im Westen? Aktivitäten deuten auf „Störung und Sabotage hin“

Wie aus den Geheimdienstberichten hervorgeht, kartiere Russland diese Infrastruktur der Niederlande heimlich und unternehme Aktivitäten, „die auf Vorbereitungen von Störungen und Sabotage hindeuten“. Ein Schiff aus dem Land von Wladimir Putin sei vor einigen Monaten in der Nordsee entdeckt worden, als es Informationen über Windparks sammelte, sagte MIVD-Direktor Jan Swillens. Das russische Schiff sei in der Folge durch die Küstenwache und die Marine zum Abdrehen gezwungen worden.

Doch wie wird der Spionageakt von dem Geheimdienst bewertet? Laut Swillens seien die Russen weiterhin stark interessiert an der Infrastruktur in der Nordsee. Dabei geht es nach Informationen des MIVD auch um Internetkabel und Gasleitungen. Der jetzige Vorfall wird zu einem Zeitpunkt publik, in dem die Niederlande mehrere russische Diplomaten wegen des Spionageverdachts ausgewiesen hatten. Das Verhältnis beider Länder zueinander gilt seit dem Abschuss der Passagiermaschine MH17 im Jahr 2014 als stark zerrüttet. Damals starben überwiegend Niederländer bei dem Vorfall. Der Abschuss des Flugzeugs über der Ostukraine erfolgte mit einer russischen Luftabwehrrakete.

Nord-Stream-Pipeline explodiert: Russland spricht von „Terroranschlag“

Wegen der Explosion der Nord-Stream-Pipeline forderte zuletzt Russlands Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin eine nachhaltige Aufklärung – er machte zugleich Joe Biden für den „Terroranschlag“ verantwortlich. Er wies die Ausschüsse der Duma an, den Schaden an den Gasleitungen zu ermitteln. Dann könne ausländisches Vermögen zur Kompensation beschlagnahmt werden. Die russische Politik sieht schon länger den Schuldigen im Westen. Auch wenn es keine Beweise für eine amerikanische Beteiligung an der Zerstörung der Pipeline gibt.

Der Vorfall im vergangenen September war aber Anlass für die Nato, über einen besseren Schutz von Pipelines nachzudenken. Am 15. Februar wurde bekannt, dass der frühere deutsche Drei-Sterne-General Hans-Werner Wiermann eine neue Koordinierungszelle der Nato für einen besseren Schutz von Pipelines und anderer kritischer Infrastruktur in den Meeren führen wird. Künftig sollen Schwachstellen beim Schutz der Infrastruktur identifiziert werden. Ziel ist es auch, besonders gefährdete Pipelines oder Unterwasser-Kabel dann besser zu überwachen – entweder mit Drohnen oder U-Booten.

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