Putins Atomwaffen: Kreml nimmt Belarus als „nukleare Geisel“
VonVincent Büssow
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Wladimir Putin kündigt an, Atomwaffen in Belarus stationieren zu lassen. „Nukleare Einschüchterung“, heißt es aus Berlin. Organisation warnt vor „extrem gefährlicher Eskalation“.
Update vom 26. März, 11.20 Uhr: Putins Ankündigung, taktische Atomwaffen auf dem Gebiet von Belarus zu stationieren, lässt auch die Ukraine nicht kalt. Der Kreml habe Belarus „als nukleare Geisel genommen“, schreibt der Sekretär des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Oleksij Danilow, auf Twitter. Damit werde Belarus destabilisiert und die Ablehnung Putins in der belarussischen Gesellschaft erhöht.
putin’s statement about placing tactical nuclear weapons in Belarus – a step towards internal destabilization of the country – maximizes the level of negative perception and public rejection of russia and putin in Belarusian society. The kremlin took Belarus as a nuclear hostage.
Atomwaffen in Belarus: Putin zündet im nuklearen Säbelrasseln nächste Eskalationsstufe
Erstmeldung vom 26. März: Moskau/Berlin – Im nukleare Säbelrasseln lässt Wladimir Putin seinen Worten nun Taten folgen. Nachdem der russische Präsident und sein Umfeld im Zuge der Invasion der Ukraine etliche Male damit gedroht haben, zu allen Mitteln zu greifen, will Russland jetzt taktische Atomwaffen im Nachbarland Belarus stationieren. Russland steht deshalb schwer in der Kritik.
Ukraine-Krieg: Berlin reagiert auf Putins Atomwaffen-Ankündigung
Im Auswärtigen Amt in Berlin war am Samstagabend (25. März) von einem „weiteren Versuch der nuklearen Einschüchterung“ die Rede. Weiter hieß es: „Der von Präsident Putin gezogene Vergleich zur Nuklearen Teilhabe der Nato ist irreführend und kann nicht dazu dienen, den von Russland angekündigten Schritt zu begründen.“ Zudem habe sich Belarus international in mehreren Erklärungen darauf festgelegt, frei von Nuklearwaffen zu sein.
„Wir machen nur das, was sie schon seit Jahrzehnten machen“, hatte Putin seiner Ankündigung zuvor beigefügt. Er verwies dabei auf die Stationierung von Atomwaffen der USA bei Verbündeten in Europa, unter anderem in Deutschland. Putin hatte in der Vergangenheit deren Abzug gefordert, weil Moskau sich dadurch bedroht sieht. Nun betonte der Präsident, dass Russland - wie die USA - seine Atomwaffen keinem anderen Land überlasse. Vielmehr würden sie dort vorgehalten, und es gebe eine Ausbildung an den Waffen.
Kritik an Putins Atomwaffenplänen: „Extrem gefährliche Eskalation“ im Ukraine-Krieg
Auch von anderer Seite wurde die Ankündigung von Wladimir Putin kritisiert. Die Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen warnte vor einer „extrem gefährlichen Eskalation.“ Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass solche Waffen tatsächlich zum Einsatz kommen, teilte die mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Organisation am Samstag in Genf mit. „Im Kontext des Ukraine-Kriegs ist das Risiko einer Fehleinschätzung oder Fehlinterpretation extrem hoch.“
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
Die Schulungen zum Umgang mit den Atomwaffen in Belarus sollen am 3. April beginnen, so Putin. Die Schächte für die mit atomaren Sprengköpfen bestückbaren Iskander-Raketen sollen am 1. Juli fertig sein. Der Machthaber in Minsk, Alexander Lukaschenko, habe immer wieder um die Stationierung taktischer Atomraketen gebeten, sagte der Kremlchef. Russland habe Belarus schon beim Umbau von Flugzeugen geholfen, von denen nun zehn so ausgerüstet seien, dass sie ebenfalls taktische Nuklearwaffen abschießen könnten.