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Mitten im Ukraine-Krieg hat Russland eine Interkontinentalrakete getestet. Mit ihr soll das russische Militär Ziele weltweit anvisieren können.
Moskau - Inmitten des eskalierten Ukraine-Konflikts und großer internationaler Spannungen hat Russland mit einem Raketentest für Aufsehen gesorgt. Der russische Präsident Wladimir Putin ließ am Mittwoch eine neue ballistische Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat testen. Er nutzte den Raketenstart für drohende Worte gegen Gegner Moskaus.
Es soll sich um die schwerste Interkontinentalrakete im Besitz einer Armee handeln – und sie soll bereits in diesem Herbst an die russischen Nuklearstreitkräfte ausgeliefert werden.
Ukraine-Krieg: „Im Grunde könnte man so eine Rakete zum Mond schicken.“
Die Interkontinentalrakete, die der Nato unter dem Codenamen „SS-X-30 Satan 2“ bekannt ist, ist 35 Meter lang und wiegt circa 200 Tonnen. Der Physiker Moritz Kütt vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg sagte dem Spiegel: „Im Grunde könnte man so eine Rakete zum Mond schicken.“ Zudem sei die Rakete wesentlich schwerer als die wichtigste Interkontinentalrakete der USA, die rund 34 Tonnen wiegen soll. Es handle sich bei der Sarmat um die größte Interkontinentalrakete im Besitz einer Armee.
Die Rakete soll des Weiteren mehrere Sprengköpfe gleichzeitig tragen können und könnte somit gleichzeitig mehrere Ziele in einem begrenzten Gebiet anvisieren. MIRVs (Multiple Independently Targetable Reentry Vehicle) sollen zudem Täuschkörper mit sich tragen können, was die Effektivität von Abwehrraketen einschränkt. Die Präzision der Rakete lässt sich derzeitig nicht genau einschätzen. Letztlich soll die Sarmat auch Hyperschallwaffen tragen können, die besonders manövrierfähig sind.
Raketen-Test: Russland könne Ziele weltweit erreichen - Putin droht nach Raketen-Test
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die Rakete sei am Mittwochnachmittag vom Kosmodrom Plessezk im Gebiet Archangelsk abgeschossen worden. Die für den Test genutzten nicht atomaren Sprengköpfe schlugen demnach auf dem Gelände Kura auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka ein. Die mit Atomsprengköpfen bestückbare Rakete stärke massiv das nukleare Potenzial Russlands, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau weiter. Keine andere Rakete auf der Welt könne Ziele in einer solchen Entfernung erreichen. Die Sarmat hat angeblich eine Reichweite von 18.000 Kilometern. Damit kann Russland sowohl über den Nord- als auch über den Südpol angreifen und Ziele weltweit angreifen.
Putin sagte, es werden noch auf lange Zeit nichts auf der Welt geben werde, was der Rakete ebenbürtig sei. Das Waffensystem habe „beste taktisch-technische Eigenschaften und ist in der Lage, alle modernen Mittel der Raketenabwehr zu überwinden“, sagte der Kremlchef. „Das ist eine wirklich einzigartige Waffe, die das Kampfpotenzial unserer Streitkräfte stärken wird und verlässlich die Sicherheit Russlands schützt vor äußeren Bedrohungen.“ Die Waffe zwinge „jene zum Nachdenken, die im Feuereifer einer abgebrühten, aggressiven Rhetorik versuchen, unser Land zu bedrohen“. (dpa/lp)
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