VonLinus Prienschließen
Russland musste in der Ukraine einige militärische Niederlagen hinnehmen. Doch auch im Land bringt der Krieg - gerade ökonomisch - harte Konsequenzen mit sich.
Moskau - Seit fast zehn Monaten herrscht der eskalierte Ukraine-Konflikt. Während europäische Staaten wie Deutschland sich mit der Lieferung von Waffen an die Ukraine schwertaten, galt es schnell als Konsens, dass Sanktionen gegen den Kreml eingeführt werden mussten. Die Härte der Sanktionen musste sogar der russische Präsident Wladimir Putin einräumen. In einer Rede sagte der Kreml-Chef: „Wir müssen in Fragen der Versorgung der Spezialoperation und der Maßnahmen gegen Sanktionen, die ohne Übertreibung stärker als je zuvor sind, schneller entscheiden“.
Ukraine-Krieg: „Alle Fakten“ sprechen für Rezession in Russland
Derzeitige Indikatoren sprechen für eine schwerwiegende Rezession in Russland. Nach Angaben der Washington Post gingen die Steuereinnahmen außerhalb des Öl- und Gassektors im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurück. Der Einzelhandelsumsatz ging nach russischen Angaben um zehn Prozent zurück, während der Güterumschlag um sieben Prozent schrumpfte.
„Alle Fakten zeigen, dass es einen sehr großen Rückgang in der russischen Volkswirtschaft gibt“, meint Wladimir Milow. Ebenjener war einst der stellvertretende russische Energieminister und nun Oppositionspolitiker im Exil: „Die Spirale eskaliert und jetzt gibt es keinen Ausweg mehr.“
Russlands Wirtschaft: Der Krieg in der Ukraine trifft die russische Ökonomie hart
Vor dem Hintergrund, dass Putin wohl circa 300.000 Soldaten in die Ukraine versandt hat, ist die Arbeitskraft in Russland natürlich gesunken. Zu den Soldaten in der Ukraine kommt außerdem eine weitere, unbekannte Zahl an Russen, die aus dem Land geflohen sind. Zudem treffen Russland Sanktionen von der EU und anderen Staaten, wie den USA. Zu diesen gehören beispielsweise der Bann von Technologie-Importen. Zusätzlich gehen auch die Ressourcenexporte aus Russland zurück. Ab dem 5. Dezember wird ein Embargo gegen russisches Öl von der EU erwartet. Des Weiteren gehen auch die Exporte zurück, nicht zuletzt wegen mehrerer ungeklärter Turbulenzen um russische Pipelines.
Ukraine-Krieg: „Das BIP hat keine Bedeutung mehr“
Von russischer Seite aus wird an der Erzählung einer nicht über die Maßen beeinflussten Volkswirtschaft festgehalten. Das Bruttoinlandsprodukt werde zwar zurückgehen, es handle sich jedoch um keinen bedrohlichen Rückgang. Milow ordnet die Stellungnahme Russlands ein und erklärt, warum die Lage tatsächlich deutlich gefährlicher für Moskau ist, als der Kreml es darstellt:
„Das BIP hat keine Bedeutung mehr, da wir nicht mehr wirklich wissen, was der Rubel wert ist. Außerdem versteht das BIP auch einen Panzer, der an die Front geschickt wird und sofort zerstört wird, als wertvoll.“
Ukraine-Krieg: Putins Teilmobilmachung
Ein weiterer Tiefschlag für Unternehmen in Russland war die Ankündigung der Teilmobilmachung: „Für viele russische Unternehmen bekam der Krieg in diesem Moment eine größere Bedeutung“, analysiert Janis Kluge vom German Institute for Security and International Affairs, wie die Washington Post berichtete. „Es wurde klar, dass der Krieg für eine lange Zeit weitergehen könnte. Die Erwartungen verschlechterten sich aus diesem Grund enorm.“
Gegenwärtig scheint es in Russland zudem der Fall zu sein, dass Unternehmen gezwungen werden, ihre Produktion auf den Krieg in der Ukraine auszurichten. Die Produkte müssen sie im Anschluss zum Teil zu Spotpreisen an die russische Regierung verkaufen. Die Produktivität der russischen Wirtschaft wird dadurch zusätzlich eingeschränkt. (lp)
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