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Russland bereitete sich auf eine ukrainische Gegenoffensive vor. Mehrere Verteidigungsanlagen sollen die von Russland besetzten Gebiete schützen. Doch Militärexperten sehen Schwachstellen.
Moskau/Frankfurt – Im Ukraine-Krieg spricht vieles für eine baldige ukrainische Gegenoffensive. Analysten gehen davon aus, dass der Gegenschlag unmittelbar bevorsteht. Russland soll sich nach Angaben des britischen Geheimdienstes seit Monaten auf einen solchen Schlag vorbereitet haben. Satellitenbilder zeigen kilometerlange Verteidigungs- und Panzerabwehrgräben. Auch wenn die Verteidigungsanlagen die ukrainische Gegenoffensive behindern könnten, gibt es Schwachstellen.
Russland bereitet sich auf ukrainische Gegenoffensive vor: „Umfangreiche Verteidigungsanlagen“
Das britische Verteidigungsministerium teilte in ihren täglichen Twitter-Updates am 1. Mai mit, dass Russland „umfangreiche militärische Verteidigungsanlagen“ in der Nähe der Frontlinie errichtet haben soll. Diese Anlagen gehen in die von Russland kontrollierten ukrainischen Gebiete hinein. Zusätzlich sollen Hunderte kilometerlange Schützengräben russisch anerkanntes Territorium schützen, wie etwa die Gebiete Belgorod und Kursk, die an die Ukraine grenzen. „Die Verteidigung unterstreicht die tiefe Besorgnis der russischen Führung, dass die Ukraine einen großen Durchbruch erzielen könnte“, erklärte das Verteidigungsministerium auf Twitter.
Satellitenbilder, die die Nachrichtenagentur Reuters ausgewertet hat, zeigen, dass die Region Saporischschja im Süden der Ukraine und der Übergang zur Krim am stärksten verteidigt ist. Auf den ausgewerteten Bildern, wie etwa von der südöstlichen von Russland besetzten Stadt Polohy, erkennt man Panzerabwehrgräben, die sich über 30 Kilometer erstrecken. Dahinter sollen sich Panzersperren aus Beton befinden, die auch „Drachenzähne“ genannt werden, wie Reuters berichtete. Noch weiter hinten werden russische Truppen in Verteidigungsgräben stationiert.
.@Reuters has reviewed satellite images of thousands of defensive positions inside both Russia and along Ukrainian front lines that show it is most heavily defended in the southern Zaporizhzhia region https://t.co/EScpeY8kJa pic.twitter.com/jpCiNoh27n
— Reuters (@Reuters) April 27, 2023
Russlands Militäranlagen haben Schwächen – Ablenkungen und Störungen
Russlands große Verteidigungsanlagen weisen allerdings auch Schwächen auf. Die größte ist dabei die Länge der Front. Ablenkungen und Überraschungen könnten Russland dazu zwingen, seine Truppen zu verlagern. Oleksandr Musiyenko, ein ukrainischer Militäranalyst, erklärte Reuters, dass die Ukraine Schiffe einsetzen könnte, um etwa Angriffe auf die Region Cherson von der anderen Seite des Flusses Dnepr zu starten. Der Fluss trennt den Süden der Ukraine. Ein solcher Angriff würde Russland dazu zwingen, seine Truppen zu verlagern.
Eine weitere Schwäche würde die Zerstörung russische Versorgungsleitungen für die Gräben darstellen. „Befestigte Stellungen sind effektiv, wenn Sie Munition, Patronen und Waffen haben, mit denen Sie sich verteidigen können“, sagte Musiyenko.
Moral von russischen Soldaten könnte ukrainischen Vormarsch beeinflussen
Die russischen Anlagen könnten den ukrainischen Vormarsch durchaus behindern. Der Militärexperte Oleh Schdanow sagte der Deutschen Welle (DW): „Der wichtigste Moment bei der Verteidigung ist: Egal wie man sich eingräbt oder befestigt, alles hängt vom Willen des Soldaten zur Verteidigung und von seinem emotionalen und psychischen Zustand ab.“
Die Kampfmoral der russischen Soldaten ist neben der Führung auf dem Schlachtfeld und taktischen Überraschungen in den ersten 24 Stunden einer Offensive entscheidend, wie die DW Franz-Stefan Gady, Experte für moderne Kriegsführung und Analyst am Institute for International Strategic Studies in London, zitierte. Seit Monaten wird über die mangelnde Kampfmoral der russischen Soldaten berichtet. Ob dies letztendlich zum Erfolg der ukrainischen Gegenoffensive führt, bleibt abzuwarten.
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