Pressekonferenz als Stärkedemonstration

Putin sieht Assad-Sturz nicht als Niederlage – Syrien als Testlauf für den Ukraine-Krieg?

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Putins Syrien-Botschaft wirkt wie ein Manöver. Trotz Rückzugs inszeniert er Stärke. Auch für den Ukraine-Krieg könnte das entscheidend sein.

Moskau – Bei der jährlichen Pressekonferenz im Kreml hat der russische Staatschef Wladimir Putin behauptet, dass sein Land alle militärischen Ziele in Syrien erreicht habe. Obwohl Truppenbewegungen auf einen Abzug hindeuten, signalisiert er so Stärke. Könnte diese Strategie auch im Ukraine-Krieg zum Tragen kommen?

Ungeachtet der Anzeichen, dass Russland sich nach dem Sturz der langjährigen Machthaber Baschar al-Assad aus Syrien zurückzieht, gab sich Putin am Donnerstag (19. Dezember) siegessicher. Er spielte den Schaden für Moskau herunter und sagte, dass die militärische Intervention in Syrien seit 2015 dazu beigetragen habe, das Land davor zu bewahren, zu einer „terroristischen Enklave“ zu werden. „Was in Syrien geschieht, ist keine Niederlage für Russland“, so seine Botschaft.

Optimistische Bilanz nach Syrien-Abzug: Putin will alle militärischen Ziele erreicht haben

Doch Medienberichten zufolge, evakuierte Russland eilig Hunderte von Soldaten und Botschaftsmitarbeitern aus der syrischen Hauptstadt Damaskus, nachdem syrische Rebellen innerhalb weniger Tage durch das Land gefegt waren. Auch die Zukunft seiner beiden wichtigsten Militärstützpunkte in Syrien – der Hafen von Tartus sowie der Luftwaffenstützpunkt Hmeimim – ist nun ungewiss. Russland verhandelt derzeit mit den Rebellen über das Schicksal dieser beiden Militärstützpunkte. Jüngste Satellitenbilder deuten allerdings weiter auf einen Abzug der russischen Streitkräfte hin.

Wladimir Putin bei der Pressekonferenz in Moskau.

Laut der US-Journalistin und Russland-Expertin Jill Dougherty könnte es sich bei Putins rosiger Darstellung dieser Ereignisse um einen Testlauf für zukünftige Verhandlungen im Ukraine-Krieg handeln. Man müsse im Blick behalten, dass es sich bei der Pressekonferenz um „eine Präsentation, eine Show“ handle, so Dougherty gegenüber US-Sender CNN. In gewisser Weise habe der russische Präsident also Stärke zeigen müssen, was ihm auch gelungen sei.

Putins mediale Syrien-Strategie: Testlauf für Verhandlungen im Ukraine-Krieg?

Ihr zufolge verdient Putins Aussage, dass Russland in Syrien nicht verloren habe, sondern seine Ziele im Großen und Ganzen erreicht habe, besondere Aufmerksamkeit. Sie habe sich „das gemerkt, als die Art und Weise, wie er versuchen könnte, die Ukraine zu betrachten und zu sagen: ‚Im Großen und Ganzen haben wir die Ukraine gewonnen‘“, so die Journalistin.

Putin werde „niemals eine Niederlage eingestehen“, ist Dougherty überzeugt. Jetzt, wo man sich in Sachen Ukraine auf Verhandlungen zubewegen, müsse er daher „einen Weg finden, es so darzustellen, als hätte er gewonnen“.

Verhandlungen mit Trump: Putins Strategie für ein Ende des Ukraine-Kriegs könnte Form annehmen

Der russische Präsident hat bei der Pressekonferenz auch angekündigt, er sei „jederzeit“ zu Gesprächen mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump bereit. Dieser hat mehrfach angekündigt, er könne innerhalb weniger Stunden nach seinem Amtsantritt den Krieg in der Ukraine beenden – was in Kiew Befürchtungen geschürt hat, dass die Ukraine gezwungen sein könnte, einen Frieden zu ungünstigen Bedingungen zu akzeptieren.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

„Ich weiß nicht, wann ich ihn sehen werde. Er sagt nichts dazu. Ich habe seit mehr als vier Jahren nicht mehr mit ihm gesprochen. Ich bin natürlich jederzeit dazu bereit. Jederzeit“, so Putin am Donnerstag über Trump. „Wenn wir jemals ein Treffen mit dem designierten Präsidenten Trump haben, bin ich sicher, dass wir viel zu besprechen haben werden“, fuhr er fort; und fügte hinzu, dass Russland zu Verhandlungen und Kompromissen bereit sei. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kristina Kormilitsyna

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