Lügen und Täuschung

Sogar eigenen Bruder belogen: Details zur Assad-Flucht nach Moskau

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Baschar al-Assad regierte Syrien über Jahrzehnte. Am Ende mussten er und seine Familie nach Russland fliehen. Nun werden neue Details zur Flucht bekannt.

Moskau – Knapp eine Woche ist inzwischen seit dem Umsturz in Syrien vergangen. Der ehemalige Machthaber Baschar al-Assad floh in der Folge nach Russland und soll sich in einem Luxus-Komplex in Moskau aufhalten. Viele Details zur Flucht oder seinem Reichtum sind nicht bekannt. Doch neue Berichte fördern nach und nach weitere Puzzleteile zutage. Klar ist: Assads Flucht aus Syrien erfolgte überstürzt. Und am Ende täuschte und belog er sogar seine engsten Vertrauten.

Assads Flucht nach Moskau: Neue Details aufgetaucht

Plötzlich ging es in Syrien ganz schnell: Quasi im Eiltempo eroberten die Rebellen Region um Region und stürzten schließlich Assad. Offenbar mithilfe des russischen Geheimdienstes soll sich der syrische Ex-Machthaber in einem Flugzeug abgesetzt haben. Assads Familie soll das Bürgerkriegsland bereits zu einem früheren Zeitpunkt verlassen haben. Bereits kurz nach dem Umsturz in Syrien wurden Teile der geheimen Luxus-Welt des Familienclans aufgedeckt. So soll der ehemalige Diktator teure Sportwagen gesammelt haben und allein in Moskau bis zu 20 Luxuswohnungen besitzen.

Russland hat Syriens gestürzten Diktator Assad Asyl gewährt. (Archivbild)

Wo sich Assad aktuell in Moskau aufhält, ist nicht genau bekannt. Immer wieder gibt es neue Mutmaßungen. Während die Rebellen unter dem Führer Abu Mohammed al-Dscholani die syrische Hauptstadt Damaskus unter ihre Kontrolle brachten, soll Wladimir Putin allerdings Assad und seiner Familie aus „humanitären Gründen“ Asyl gewährt haben.

Assad nach Russland geflohen: Täuschung und Lügen vor Abreise

Die Nachrichtenagentur Reuters hat am Wochenende nun eine Zusammenfassung veröffentlicht, die weitere Details zur Flucht nach Russland liefert. Journalisten sprachen dafür mit 14 Quellen aus dem unmittelbaren Umfeld Assads sowie mit involvierten Diplomaten. Schnell wird klar: Assad sah das Ende seiner Herrschaft kommen – und ersuchte Russland und den Iran um militärische Hilfe. Um sich und seine Familie zu schützen, soll Assad kurz vor seiner Flucht nach Moskau ein Netz aus Lügen und Täuschungen gesponnen haben.

Aus dem Bericht geht zudem hervor, dass sich Assad vor seinem Sturz unter anderem in Moskau um Unterstützung bemühte. Militärische Hilfe wurde ihm allerdings verwehrt. Er ließ seine Offiziere über diesen Umstand im Unklaren. „Nach seiner Moskau-Reise sagte er seinen Befehlshabern und Mitarbeitern, dass militärische Unterstützung kommen würde“, sagte Hadi al-Bahra, Chef der Oppositionsbewegung außerhalb Syriens. „Er hat sie belogen.“

Flucht aus Syrien: Assad wollte nicht nach Russland – Machthaber ließ eigenen Bruder im Stich

Wie die Zeugen gegenüber Reuters deutlich machen, wollte Assad zunächst nicht nach Russland fliehen, als seine Lage aussichtslos wurde. Vielmehr hatte er die Vereinigten Arabischen Emirate im Sinn. Allerdings lehnte die Regierung sein Ersuchen ab. Mitten in der chaotischen Lage in Syrien entschied sich Assad schließlich, nach Moskau zu fliehen. Bis zuletzt lässt der Diktator sein unmittelbares Umfeld über die Fluchtpläne im Unklaren. Sogar sein Bruder soll nichts über das Vorhaben gewusst haben.

Doch nicht nur das: Assad ließ seinen Bruder sowie Cousins im Stich. Sie mussten auf eigene Faust fliehen und kamen teilweise bei dem Vorhaben ums Leben.

Geheimnisse um Assad-Flucht: Premier mit falschem Versprechen allein gelassen

Assads Geheimnisse vor seiner Flucht nach Moskau hatten auch dramatische Folgen für seine Angehörigen. „In unserem letzten Telefonat habe ich ihm gesagt, wie schwierig die Situation ist und dass sehr viele Menschen von Homs nach Latakia fliehen [...] und dass Panik und Entsetzen auf den Straßen herrschen“, sagte Premierminister Mohammed al-Jalali dem saudischen Fernsehsender Al Arabiya TV. Assad entgegnete nur: „Morgen werden wir sehen.“

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Dass Assad vor seiner Flucht so viele Menschen im Unklaren ließ, mag zunächst verwundern. Doch wahrscheinlich fürchtete er, dass er noch im letzten Moment von seinen Vertrauten verraten werden könnte. „Assad hat sich einfach aus dem Staub gemacht“, fasst Nadim Houri, Geschäftsführer des regionalen Think-Tanks Arab Reform Initiative, das Vorgehen von Bashar al-Assad zusammen. „Er hat seine Anhänger ihrem Schicksal überlassen.“ Er habe auch seine Medienberaterin Buthaina Shaaban angerufen und gebeten, zu seinem Haus zu kommen, um eine Rede zu schreiben. Doch bei ihrem Eintreffen fand sie niemanden vor.

Flucht nach Moskau: Assad fürchtete in Syrien Vergeltung der Rebellen

Wie sehr Assad nach dem Vormarsch der Rebellen Vergeltung fürchtete, zeigte sich auch während der eigentlichen Flucht. Sein Flugzeug flog unter dem Radar, mit ausgeschaltetem Transponder. Das geht aus Angaben von Diplomaten hervor. Assad floh zuerst zur russischen Luftwaffenbasis Hmeimim in der syrischen Küstenstadt Latakia und von dort weiter nach Moskau. Laut dem Guardian kann Assad nun in Moskau unter Putins Herrschaft ein behütetes, wenngleich zurückgezogenes Leben führen. (fbu)

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