Sogar eigenen Bruder belogen: Details zur Assad-Flucht nach Moskau
VonFelix Busjaeger
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Baschar al-Assad regierte Syrien über Jahrzehnte. Am Ende mussten er und seine Familie nach Russland fliehen. Nun werden neue Details zur Flucht bekannt.
Moskau – Knapp eine Woche ist inzwischen seit dem Umsturz in Syrien vergangen. Der ehemalige Machthaber Baschar al-Assad floh in der Folge nach Russland und soll sich in einem Luxus-Komplex in Moskau aufhalten. Viele Details zur Flucht oder seinem Reichtum sind nicht bekannt. Doch neue Berichte fördern nach und nach weitere Puzzleteile zutage. Klar ist: Assads Flucht aus Syrien erfolgte überstürzt. Und am Ende täuschte und belog er sogar seine engsten Vertrauten.
Assads Flucht nach Moskau: Neue Details aufgetaucht
Plötzlich ging es in Syrien ganz schnell: Quasi im Eiltempo eroberten die Rebellen Region um Region und stürzten schließlich Assad. Offenbar mithilfe des russischen Geheimdienstes soll sich der syrische Ex-Machthaber in einem Flugzeug abgesetzt haben. Assads Familie soll das Bürgerkriegsland bereits zu einem früheren Zeitpunkt verlassen haben. Bereits kurz nach dem Umsturz in Syrien wurden Teile der geheimen Luxus-Welt des Familienclans aufgedeckt. So soll der ehemalige Diktator teure Sportwagen gesammelt haben und allein in Moskau bis zu 20 Luxuswohnungen besitzen.
Wo sich Assad aktuell in Moskau aufhält, ist nicht genau bekannt. Immer wieder gibt es neue Mutmaßungen. Während die Rebellen unter dem Führer Abu Mohammed al-Dscholani die syrische Hauptstadt Damaskus unter ihre Kontrolle brachten, soll Wladimir Putin allerdings Assad und seiner Familie aus „humanitären Gründen“ Asyl gewährt haben.
Assad nach Russland geflohen: Täuschung und Lügen vor Abreise
Die Nachrichtenagentur Reuters hat am Wochenende nun eine Zusammenfassung veröffentlicht, die weitere Details zur Flucht nach Russland liefert. Journalisten sprachen dafür mit 14 Quellen aus dem unmittelbaren Umfeld Assads sowie mit involvierten Diplomaten. Schnell wird klar: Assad sah das Ende seiner Herrschaft kommen – und ersuchte Russland und den Iran um militärische Hilfe. Um sich und seine Familie zu schützen, soll Assad kurz vor seiner Flucht nach Moskau ein Netz aus Lügen und Täuschungen gesponnen haben.
Aus dem Bericht geht zudem hervor, dass sich Assad vor seinem Sturz unter anderem in Moskau um Unterstützung bemühte. Militärische Hilfe wurde ihm allerdings verwehrt. Er ließ seine Offiziere über diesen Umstand im Unklaren. „Nach seiner Moskau-Reise sagte er seinen Befehlshabern und Mitarbeitern, dass militärische Unterstützung kommen würde“, sagte Hadi al-Bahra, Chef der Oppositionsbewegung außerhalb Syriens. „Er hat sie belogen.“
Flucht aus Syrien: Assad wollte nicht nach Russland – Machthaber ließ eigenen Bruder im Stich
Wie die Zeugen gegenüber Reuters deutlich machen, wollte Assad zunächst nicht nach Russland fliehen, als seine Lage aussichtslos wurde. Vielmehr hatte er die Vereinigten Arabischen Emirate im Sinn. Allerdings lehnte die Regierung sein Ersuchen ab. Mitten in der chaotischen Lage in Syrien entschied sich Assad schließlich, nach Moskau zu fliehen. Bis zuletzt lässt der Diktator sein unmittelbares Umfeld über die Fluchtpläne im Unklaren. Sogar sein Bruder soll nichts über das Vorhaben gewusst haben.
Doch nicht nur das: Assad ließ seinen Bruder sowie Cousins im Stich. Sie mussten auf eigene Faust fliehen und kamen teilweise bei dem Vorhaben ums Leben.
Geheimnisse um Assad-Flucht: Premier mit falschem Versprechen allein gelassen
Assads Geheimnisse vor seiner Flucht nach Moskau hatten auch dramatische Folgen für seine Angehörigen. „In unserem letzten Telefonat habe ich ihm gesagt, wie schwierig die Situation ist und dass sehr viele Menschen von Homs nach Latakia fliehen [...] und dass Panik und Entsetzen auf den Straßen herrschen“, sagte Premierminister Mohammed al-Jalali dem saudischen Fernsehsender Al Arabiya TV. Assad entgegnete nur: „Morgen werden wir sehen.“
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Dass Assad vor seiner Flucht so viele Menschen im Unklaren ließ, mag zunächst verwundern. Doch wahrscheinlich fürchtete er, dass er noch im letzten Moment von seinen Vertrauten verraten werden könnte. „Assad hat sich einfach aus dem Staub gemacht“, fasst Nadim Houri, Geschäftsführer des regionalen Think-Tanks Arab Reform Initiative, das Vorgehen von Bashar al-Assad zusammen. „Er hat seine Anhänger ihrem Schicksal überlassen.“ Er habe auch seine Medienberaterin Buthaina Shaaban angerufen und gebeten, zu seinem Haus zu kommen, um eine Rede zu schreiben. Doch bei ihrem Eintreffen fand sie niemanden vor.
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