VonVictoria Krumbeckschließen
Erneut ist es im Kreise des russischen Regimes zu einem merkwürdigen Todesfall gekommen. Der Abhörspezialist Tscherepennikow wurde tot aufgefunden.
Moskau — Berichten zufolge soll der russische Millionär Anton Tscherepennikow in seinem Moskauer Büro tot aufgefunden worden sein. Der 40-jährige Unternehmer war Gründer der IKS Holding, dem größte IT-Unternehmen Russlands. Ein Freund des Verstorbenen und die russische Opposition halten eine Ermordung für möglich. Schließlich wäre Tscherepennikow nicht der erste russische Millionär, der plötzlich verstorben ist.
Putins Abhörspezialist verstorben: „Ein weiterer mysteriöser Tod“
Tscherepennikow soll laut der russischen Nachrichtenagentur Tass am Samstag (22. Juli) an einem Herzstillstand verstorben sein. Wassili Polonski, ein Freund des verstorbenen Millionärs, sagte der unabhängigen russischsprachigen Nachrichtenagentur Baza, dass er nicht an die offizielle Todesursache glaube, wie Newsweek berichtete. Eine Obduktion stehe noch aus, wie Baza geschrieben haben soll.
Ein Berater des ukrainischen Geheimdienstes, Anton Geraschenko, schrieb auf Twitter: „Ein weiterer mysteriöser Tod eines Top-Managers in Russland.“
Yet another mysterious death of a top-manager in Russia:
— Anton Gerashchenko (@Gerashchenko_en) July 22, 2023
Anton Cherepennikov, owner of Russian IKS Holding, died. He was 40 years old. The preliminary cause of death, according to official sources, was a heart stop.
Cherepennikov's IKS Holding is the largest company in Russia in… pic.twitter.com/sKUQDkCoqs
Der 40-jährige Unternehmer und die IKS Holding wurden aufgrund des Ukraine-Krieges im Jahr 2023 sanktioniert, wie Geraschenko schrieb. Das Unternehmen sei „bekannt als ‚Abhören‘“, fügte Geraschenko hinzu. Das „Jarowaja-Gesetzes“ ermöglichte es dem Unternehmen, Nachrichten, Bilder, Videos oder auch Sprachnachrichten russischer Telekommunikationskund:innen abzufangen, berichtete Novaja Gazeta. Die Informationen wurden dem russischen Geheimdienst FSB zur Verfügung gestellt.
Tscherepennikow war auch ein langjähriger Partner des Oligarchen Alischer Usmanow, der ebenfalls unter Sanktionen gestellt wurde, so Newsweek. Er saß in mehreren Unternehmen im Vorstand, die von Usmanow kontrolliert wurden.
Russischer Abhörspezialist tot: „Ermordung nicht ausgeschlossen“
Wie Polonski geht auch die russische Opposition nicht von einem natürlichen Tod aus. „Seine Ermordung kann nicht ausgeschlossen werden, da der Sicherheitsapparat aufgrund des gescheiterten Krieges verzweifelt ist“, sagte eine Oppositionsquelle, wie The Sun schrieb. „Er war ein absolut wichtiges Instrument bei Putins Unterdrückung“, so die Quelle.
Der Todesfall reiht sich in eine Reihe von mysteriösen Todesfällen von russischen Oligarchen, Top-Managern und Militärs ein. Erst am 20. Juli, nur zwei Tage vor Tscherepennikows Tod, wurde der Oligarch Igor Kudrjakow tot in seiner Moskauer Wohnung aufgefunden, wie Tass berichtete. Offiziellen Angaben zufolge starb der 63-Jährige an den Folgen seiner Krebserkrankung. Im Februar 2023 kam die bis dato Leiterin im russischen Verteidigungsministerium auf mysteriöse Art ums Leben. Und auch im Dezember 2022 häuften sich die Meldungen von toten Militärs. (vk)
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