Münchner Aktivistin im Gespräch

Putins aufschlussreiche Rekrutierung im Ukraine-Krieg: „Fast dreimal häufiger eingezogen“

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Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine fordert zahllose Opfer auch aus dem eigenen Land. Die Verteilung der Todesfälle zeigt ein klares Muster. Eine Analyse.

Vor gerade einmal zwei Wochen setzte Wladimir Putin ein eher ungewöhnliches Zeichen: Zwei neue Feiertage verkündete Russlands Machthaber, mitten im Ukraine-Krieg. Es handelte sich um den „Tag der kleinen Indigenen Völker Russlands“ und den „Tag der Sprachen der Russischen Föderation“. Der Münchner Merkur hat deutliche Einschätzungen der Betroffenen, Russlands Ureinwohnern, zu diesem vermeintlichen Schritt der Anerkennung erhalten. Die Lage gestaltet sich auch im Ukraine-Krieg nach den verfügbaren Daten ganz anders.

Junge Männer bei einer Parade in Chabarowsk – in dieser Region werden Indigene deutlich häufiger eingezogen, die Tjan Zaotschnaja (re.) sagt.

Putin hatte bei dem Termin am 6. November vor Versuchen einer „Dekolonisierung Russlands“ gewarnt. Man wolle das Land aufteilen – in kleine, „dem Westen unterworfene Splitter“. Anlass zur Einigkeit mit Moskau gibt der Kremlchef den indigenen Völkern in Russland aber kaum – so sieht es jedenfalls Tjan Zaotschnaja, Vorsitzende des Internationalen Komitees der Indigenen Völker Russlands (ICIPR). Die in Kamtschatka, in Russland äußerstem Osten, aufgewachsene Aktivistin lebt seit Jahrzehnten in München, hat aber nach eigenen Angaben Kontakt zu Menschen vor Ort.

Indigene sterben in Russlands Angriffskrieg deutlich häufiger

Ein Indikator für Putins reale Politik sind die Einberufungszahlen und Todes-Statistiken im Ukraine-Krieg. Russlands Armee legt diese zwar nicht offen. Aktivisten verfolgen aber öffentliche Postings und lokale Berichte, etwa zu Beerdigungen. Die renommierte London School of Economics griff im Sommer einen auf diesen Daten basierenden Bericht von Mediazona und BBC News Russian auf. Das Ergebnis: Indigene sterben in Russlands Angriffskrieg deutlich häufiger – sowohl verglichen mit der Gesamtbevölkerung, als auch mit der Gesamtbewohnerschaft ihrer Heimatregionen.

Zaotschnaja verweist auf Anfrage unserer Redaktion auf Äußerungen der Aktivistin Maria Wjuschkowa aus der an der Grenze zur Mongolei gelegenen Region Burjatien. Oft werde übersehen, dass nicht nur ethnische Minderheiten allgemein, sondern gerade die indigenen Völker der Arktis im Norden Russlands „zu den am stärksten Betroffenen“ gehörten, sagte die. Völker wie die Inuit, Tschuktschen, Korjaken oder Samen erlitten im Verhältnis sogar schwerere Verluste als die Burjaten. „Beispielsweise in der Region Chabarowsk wurden indigene Männer fast dreimal häufiger eingezogen als nicht-indigene Männer“, betont Zaotschnaja. (siehe auch Tabelle unten)

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Protest gegen den todbringenden Ukraine-Feldzug ist indes schwierig, wie vor einiger Zeit auch der Osteuropa-Kenner Klaus Gestwa unserer Redaktion bestätigte. „Der staatliche Repressionsapparat hat die Gesellschaft längst in einen rigiden Würgegriff genommen, um mögliche soziale Proteste schon im Keim zu ersticken“, sagte der Historiker der Uni Tübingen. Er verwies auf die bekannten regionalen Unterschiede bei der Mobilisierungs-Praxis in Russland: „Auf einen in Moskau eingezogenen Soldaten kommen so in Dagestan und Burjatien 60 bis 90 für den Krieg mobilisierte Männer.“

Zaotschnaja und ihre Mitstreiter vor Ort in Russland misstrauen Putins scheinbarem Kuschelkurs nicht nur aus diesem Grund. Kritische Stimmen (und Blogger) aus der Gemeinschaft in Russland seien verschwunden, sagt die Münchnerin. Auch in den vergangenen Monaten seien indigene Aktivisten in Hausarrest, Lager- oder Untersuchungshaft gekommen. Zugleiche greife Moskau nach dem Lebensraum der Indigenen. In Sibirien etwa lagern große Teile der natürlichen Ressourcen Russlands – die der Kreml weiterhin als eine Haupteinnahmequelle nutzt.

Indigene in Putins Russland unter Druck: „Für den Krieg opfern“

„Die Propaganda ist an die heimische Öffentlichkeit gerichtet“, urteilte ein russische Kontakt Zaotschnajas. „Damit die Ureinwohner an Putin weiterhin glauben und sich für den Krieg opfern, während die rohstoffenreichen Gebiete Sibiriens vollig von indigenen Völkern ‚gesäubert‘ werden...“ Ein anderer sortierte die Verkündung der Feiertage in den Bereich „durchdachter russischer Hochpolitik“. Die tue sich schwer, die „großen“ Völker Russlands zu „neutralisieren“. Gegenüber den kleinen Völkern demonstriere sie nun bewusst „väterliche Fürsorge“. Die Zitatgeber blieben aus Schutz vor möglicher Verfolgung anonym.

Zaotschnaja zufolge waren ab den 1990er bis ungefähr in die Jahre 2012 bis 2014 viele Indigene in Russland „auf der Suche nach ihrer eigenen Identität“ – sprachen etwa mit Verwandten und Bekannten über Ereignisse der Sowjetzeit. „Auf Kamtschatka wurde über Repressionen in der Stalinzeit zum ersten Mal 1995 gesprochen“, sagt sie. Debattiert habe man auch die Gründung von Territorien, in denen die Natur auf traditionelle Weise genutzt werden sollte. Allerdings sei die Bewegung zu schwach gewesen, um sich gegen Moskau und die Interessen der Rohstoffunternehmen durchzusetzen.

BevölkerungsgruppeBestätigte TodesfälleFälle pro 1.000 Zugehörige
Burjaten1.0122,2
Nenzen2004,0
Tuwiner9353,2
Telengit2810,3
Tschuktschen945,8
Russland gesamt96.3710,71

Auswahl, Stand Mai 2025. Quelle: London School of Ecomics auf Basis von Mediazona-Daten. Russland veröffentlicht keine offiziellen vollständigen Daten zu Verlusten im Ukraine-Krieg.

Bereits in den 10er-Jahren sei das politische Klima rauer geworden, in Form „leiser Repressionen“. Bei ihrem letzten Besuch in Kamtschatka im Jahr 2014 hätten sie einige Bekannte und Mitstreiterinnen und Mitstreiter vorgeblich nicht mehr – oder „nur flüchtig“ – gekannt. „Kurz vor dem Abflug sagten mir ein paar Menschen aus zwei verschieden Orten, dass sie von der Geheimpolizei FSB ausgefragt werden, worüber unsere Gespräche waren“, sagt Zaotschnaja.

Der Verband ICIPR, in dem sich die Münchnerin aus dem Exil engagiert, ist nicht Teil des russischen Staatsapparats. Anders verhält es sich nach Einschätzung etwa der Gesellschaft für bedrohte Völker mit der NGO RAIPON, die seit 1990 die Interessen der Indigenen vertrat. 2013 übernahm Grigori Ledkow aus der Putin-Partei „Einiges Russland“ die Führung, er ist wegen seiner Unterstützung der völkerrechtswidrigen Annexionen in der Ukraine von der EU und den USA mit Sanktionen belegt. Mutige Menschen in Russland seien indes weiterhin aktiv, erklärt Zaotschnaja. „Uns im Ausland bleibt, ihre Kämpfe und die Repressionen bekannt zu machen.“ (Quellen: Tjan Zaotschnaja, dpa, Mediazona, Gesellschaft für bedrohte Völker, eigene Recherchen/fn)

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