Putins hybride Kriegsführung: So überwacht seine Marine NATO-Schiffe
VonFabian Müller
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Europäische Gewässer verzeichnen mehr Störungsmeldungen. Derweil behält die russische Marine NATO-Übungen durch eigene Schiffe und Flugzeuge im Auge.
Oslo/Brüssel – Die russische Marine operiert zunehmend mit Überwachungs- und Störungsaktionen gegen die Mitgliedsstaaten des Militärbündnisses NATO. Das norwegische Militär veröffentlichte Anfang der Woche Aufnahmen, die einen Einsatz der Marine gemeinsam mit der NATO zeigten. Die Manöver fanden in der Arktisregion in der Nähe von Norwegen statt – und wurden, so zeigen es die Bilder, von mindestens einem russischen Militärschiff beschattet.
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Wie das US-Magazin Newsweek berichtet, sind solche Begegnungen zwischen NATO- und russischen Streitkräften auf hoher See, aber auch in der Luft keine Seltenheit. Mal werden NATO-Aufklärungsflugzeuge von russischen Jets abgefangen, dann wieder verletzten russischen Flugzeuge den europäischen Luftraum und werden daraufhin abgedrängt.
An der eingangs erwähnten Operation nahmen neben den norwegischen Streitkräften auch die US-Marine teil. Eingesetzt wurde unter anderem der größte Flugzeugträger der Welt, die USS Gerald R. Ford, zudem die Zerstörer USS Bainbridge und USS Mahan. Gemeinsam mit norwegischen und französischen Schiffen wurde südöstlich von Spitzbergen vor der Nordküste Norwegens eine sogenannte Surface Action Group (SAG) gebildet, also eine temporäre Organisation von Kampfschiffen. Um diesen Einsatz der SAG zu überwachen, setzte Russland laut der norwegischen Marine mindestens ein Schiff und ein Flugzeug ein.
Laut dem norwegischen Vizeadmiral Rune Andersen sei der Vorgang „völlig normal“. Auch die NATO-Verbündeten, darunter auch Norwegen, würden seit längerer Zeit russische Militärübungen in der Region beobachten. Russland habe sich laut Andersen professionell und im Einklang mit geltenden Abkommen verhalten, sagte der Vizeadmiral in einem Statement.
Störaktionen in der Ostsee: GPS der Schiffe immer häufiger beeinträchtigt
In einem anderen Licht hingegen erscheinen solche Störaktionen in der Ostsee. Das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtete, dass deutsche Reeder zunehmend Beeinträchtigungen ihrer GPS-Systeme melden, betroffen seien vor allem zivile Schiffe. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder, Martin Kröger, bestätigte dem Spiegel, dass die Zahl hybrider Angriffe spürbar zunehme. Das sei eine „große sicherheitstechnische Herausforderung“.
Wer oder was genau dahinterstecke, sei nicht eindeutig nachweisbar. Doch gebe es solche Vorfälle mittlerweile „beinahe täglich“. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die gesamte Ukraine im Februar 2022 werde „eine deutliche Zunahme“ registriert. Und das auch auf deutschem Hoheitsgebiet.
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Eingesetzt werden dem Bericht zufolge vor allem Störsender, die dazu führen, dass die Position der Schiffe nicht mehr richtig oder sogar verfälscht angezeigt werden kann. Und auch die Luftfahrt wird zunehmend beeinträchtigt, wie der Fall Ursula von der Leyen unterstreicht: Anfang September litt das Flugzeug der EU-Kommissionspräsidentin vor der Landung in Bulgarien unter Problemen mit dem GPS, der Pilot musste schließlich mithilfe von analoger Karten landen. Spekuliert wurde, dass Russland hinter den technischen Problemen stecken könnte.
Der jüngste Fall hybrider Kriegsführung ist die Verletzung des polnischen Luftraums durch russische Drohnen. Warschau verkündete nun als Konsequenz, dass der Flugverkehr an der Ostgrenze des Landes bis zum 9. Dezember eingeschränkt wird. Zudem beantragte das polnische Außenministerium am Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. In der Nacht zum Mittwoch waren mindestens 19 russische Drohnen hunderte Kilometer weit in den Luftraum des EU- und NATO-Lands Polen eingedrungen. Der Vorfall wurde international scharf kritisiert. (Quellen: Newsweek, Der Spiegel, forsvaret.no, dpa, afp) (fmü)