Türkei gab 2015 das Beispiel

Putins Jets bei Bedarf abschießen: „Stoppschild“ für Russland, doch mit Risiken – die Hintergründe

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Putin testet die NATO – doch wie reagieren? Deutsche Politiker sind sich uneinig. Es existieren jedoch ein historisches Beispiel und klare Regeln.

Berlin/München – Die Fakten sind klar – jedenfalls so klar, wie sie in unsicheren Zeiten eben sind: Russland nimmt die Grenzen des NATO-Luftraums alles andere als ernst. Erst waren es 19 Drohnen, die in polnisches Gebiet eindrangen. Dann meldete Estland gleich mehrere Flüge russischer Jets durch sein Hoheitsgebiet. Und das sind nur die größten Schlagzeilen der vergangenen Tage.

Beobachter meinen: Wladimir Putin testet die Nato. Im Hintergrund ein MiG-31-Kampfjet.

Auch wenn Putins Partnerland Belarus – aus dessen Richtung die Flugobjekte kamen – bei den Drohnen auf gestörte Funkverbindungen verwies und Russland die Vorwürfe aus Estland dementierte: Zufälle, Unglück und Missverständnisse scheinen in dieser Häufung als Erklärung abseitig. „Das war kein Versehen“, sagte Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann Ippen.Media zum Vorfall in Polen. Man müsse Lehren ziehen, betonte sie. Doch welche das sein sollen – es ist umstritten, auch in Deutschland. Am Dienstag will die Nato über die Frage debattieren. Estland und Polen hatten über Nato-„Artikel 4“ Beratungen einberufen.

„Bis hin zum Abschuss russischer Kampfjets über NATO-Gebiet“ – Verteidigungspolitiker uneins

Hohe Wellen schlägt die Wortmeldung von CDU-Sicherheitsexperte Jürgen Hardt. Russland brauche ein „klares Stoppschild“, sagte er dem RND: „Nur eine klare Botschaft an Russland, dass jede militärische Grenzverletzung mit militärischen Mitteln beantwortet wird, bis hin zum Abschuss russischer Kampfjets über Nato-Gebiet, wird Wirkung zeigen.“

Parteifreund Roderich Kiesewetter pflichtete bei. „Wir verlieren an Glaubwürdigkeit, wenn nicht konsequent gehandelt wird“, sagte er dem Tagesspiegel. Die Türkei habe Russland 2015 zunächst vor Abschüssen bei Luftraumverletzung gewarnt – und habe dann auch gehandelt, als Russland „dies erneut testete“. Kiesewetters Hauptargument: Russland werde die Nato und Europa immer weiter testen – „bis wir vor vollendete Tatsachen kriegerischer Eskalationen gestellt werden“.

Das estnische Verteidigungsministerium veröffentlichte eine Karte mit der Flugroute der russischen MiG-31-Jets am vergangenen Freitag.

Aber es gibt auch Gegenstimmen. Die sicherheitspolitische Sprecherin der Bundestags-Grünen, Sara Nanni, warnte beim Tagesspiegel vor „gefährlichen Dynamiken“. Zugleich müsse man wissen: „Zwei tote russische Piloten würden Putin nicht umstimmen, er lässt ja jede Woche Tausende Russen in der Ukraine für seinen Wahnsinn sterben.“ Auch Strack-Zimmermann bremste auf Anfrage des Blattes. Aufgabe der Luftwaffe sei es, das Eindringen in den Luftraum zu verhindern und Flugzeuge entsprechend abzudrängen. „Ein Abschießen wäre Ultima Ratio“ – die Luftwaffe werde wissen, was zu tun sei. „Wir sollten uns nicht provozieren lassen“, betonte sie..

Türkei schoss 2015 russischen Jet ab – „Balancieren am Rande des Konflikts“

Richtig ist: Mit dem Vorfall in der Türkei 2015 gibt es ein historisches Beispiel. Damals waren russische Kampfjets wiederholt aus Syrien auf türkisches Gebiet eingedrungen. Im November des Jahres schoss eine türkische F-16 – nach einer Warnung – einen Su-24-Bomber ab. Es folgte Protest aus dem Kreml und Sorge vor einer Eskalation zwischen Russland und dem Nato-Partner Türkei. Abgesehen von Sanktionen aus Moskau blieb der befürchtete Clash aber aus. Die türkisch-russischen Beziehungen haben sich weitgehend normalisiert – nach einer Entschuldigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Gleichwohl: Das ist zehn Jahre her. Wie eine Antwort heute aussähe, bleibt naturgemäß unklar.

Tschechiens Präsident Petr Pavel sprach sich ebenfalls dafür aus, auf Verletzungen des Luftraums zu reagieren – möglicherweise auch mit Abschüssen. „Das ist unglücklicherweise ein Balancieren am Rande des Konflikts, aber sich dem Bösen zu ergeben ist einfach keine Option“, sagte er der Tschechischen Nachrichtenagentur CTK.

Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Marine, Heer und Luftwaffe können auf ein breites Angebot an militärischem Arsenal zurückgreifen. Wir zeigen in dieser Fotostrecke eine Auswahl. © dpa (3) / Boris Roessler / Moritz Frankenberg / Bernd von Jutrczenka
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Patriot (MIM-104): Weitreichendes Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Bekämpfungsreichweite ca. 68 Kilometer, kann mehrere Ziele gleichzeitig erfassen und bekämpfen. © IMAGO / Schöning
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform – es kombiniert Kanone und Boden-Luft-Raketen und ist spezialisiert auf Drohnenabwehr. © IMAGO / Zoonar
Die Fregatte F 222 Baden-Württemberg nimmt an der multinationalen Formationsfahrt teil auf dem Transit im Ostchinesischen Meer im Rahmen des Indo-Pacific Deployment, am 11.09.2024.
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ ist das Typschiff der modernen F125-Klasse der Deutschen Marine und wurde für langandauernde, weltweite Einsätze mit geringer Besatzung konzipiert. Sie zeichnet sich durch hohe Automatisierung, vielseitige Einsatzmöglichkeiten und eine besondere Eignung für Stabilitätsmissionen und Kriseninterventionen aus. © Bundeswehr/Leon Rodewald
Ein Tornado-Kampfflugzeug startet während der Übung „Baltic Hunter 2023“ vom Flugplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage.
Der Tornado ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren vor allem für Tiefflugangriffe, Aufklärung und elektronische Kampfführung eingesetzt wird. Er bleibt trotz seines Alters ein wichtiger Bestandteil der Luftwaffe, insbesondere als Träger für die nukleare Teilhabe und spezialisierte Aufgaben. © Jens Büttner/dpa
Kampfpanzer Leopard 2A7 der Bundeswehr (vorne) bei einer Übung mit einem Puma-Schützenpanzer (hinten). (Archivfoto)
Der Leopard 2 ist ein deutscher Kampfpanzer, der seit 1979 das Rückgrat der Panzertruppe bildet und als Hauptwaffensystem der Bundeswehr sowie vieler Nato-Staaten gilt. Er vereint hohe Feuerkraft durch seine 120-mm-Glattrohrkanone, starken Panzerschutz und außergewöhnliche Beweglichkeit und ist speziell für den Kampf gegen gegnerische Panzerverbände konzipiert. © IMAGO/Björn Trotzki
Infanterist der Zukunft der Bundeswehr ausgestattet u.a. mit Panzerfaust 3.
Die Panzerfaust 3 ist eine moderne, tragbare Panzerabwehrwaffe der Bundeswehr, die mit einem Mehrfachscharfschuss-System und einem hochentwickelten Gefechtskopf ausgestattet ist, um gut geschützte Fahrzeuge zu bekämpfen. Sie bietet eine hohe Präzision, Reichweite von bis zu 600 Metern und kann sowohl gegen gepanzerte Fahrzeuge als auch gegen befestigte Ziele eingesetzt werden. © Björn Trotzki/imago
Drohne "Luna"
„Luna“ ist ein unbemanntes Aufklärungsdrohnensystem der Bundeswehr, das zur Echtzeitüberwachung und Zielaufklärung auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern liefert die „Luna“-Drohne Bild- und Videodaten zur Unterstützung von Einsatzkräften. © dpa
Wuchtig: Eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr.
Die Panzerhaubitze 2000 ist ein selbstfahrendes Artilleriegeschütz der Bundeswehr mit einer 155-mm-Kanone, das Reichweiten von 30 Kilometern mit Standard- und bis zu 40 Kilometern mit reichweitengesteigerter Munition erzielt. © IMAGO / Sven Simon
Am 28.02.22 lief das Minenjagdboot Dattelnzur Verstärkung der NATO-Nordflanke aus.
Das Minenjagdboot „Datteln“ ist Teil der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) der Deutschen Marine und spezialisiert auf das Aufspüren und Beseitigen von Seeminen. Es nimmt regelmäßig an internationalen Nato-Einsätzen und Übungen teil und trägt so zur Sicherung von Seewegen bei. © Presse- und Informationszentrum Marine
Soldaten bei der Waffen- und Geräteausbildung mit einem Gewehr (Archivfoto aus dem Jahr 2005).
Das G36 ist seit 1997 das Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr und zeichnet sich durch sein geringes Gewicht, die modulare Bauweise und die einfache Handhabung aus. Es verfügt über eine Feuerrate von etwa 750 Schuss pro Minute und ist mit einem integrierten Optiksystem ausgestattet. Es wird schrittweise durch das modernere G95 ersetzt. © dpa
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Die Bundeswehr nutzt aktuell die Pistole P8 als Standarddienstpistole im Kaliber 9 x 19 mm, plant jedoch deren Ablösung durch die modernere P13. Für Spezialkräfte werden bereits die neuen Walther P14 und P14K eingeführt, die speziell auf deren Anforderungen zugeschnitten sind. (Symbolfoto) © dpa (Symbolbild)
Bundeswehr in Hamburg
Der Wiesel ist ein leicht gepanzertes, luftverlastbares Kettenfahrzeug der Bundeswehr, das vor allem bei Fallschirmjägern und Spezialkräften im Einsatz ist. Es existiert in verschiedenen Varianten, etwa mit 20-mm-Maschinenkanone oder Panzerabwehrlenkwaffen, und bietet hohe Mobilität bei geringem Gewicht. © Markus Scholz/dpa
Von Kiew schon lange angefragt: der Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland.
Der Taurus ist ein hochpräziser, weitreichender Marschflugkörper, der von Deutschland und Schweden entwickelt wurde und vor allem zur Bekämpfung stark geschützter Bodenziele aus großer Entfernung eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und modernster Zielerfassungstechnologie ermöglicht der Taurus präzise Angriffe bei minimalem Risiko für das Trägerflugzeug. © IMAGO / Political-Moments
Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM. Es dient der Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen. Seit 2024 in der Bundeswehr eingeführt. © Wolfgang Kumm/dpa
Korvette läuft zu EU-Einsatz vor Libyen aus
Die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ ist ein modernes Kriegsschiff der Braunschweig-Klasse der Deutschen Marine, das vor allem für Küstenüberwachung, Aufklärung und Schutzaufgaben eingesetzt wird. Sie ist mit einem 76-mm-Geschütz, Flugabwehrraketen und Seezielflugkörpern bewaffnet und zeichnet sich durch hohe Wendigkeit und moderne Sensorik aus. © picture alliance / dpa
Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr
Der Mungo ist ein leicht gepanzertes Mehrzweckfahrzeug der Bundeswehr, das speziell für den schnellen Transport von Soldaten und Material, insbesondere für Spezialkräfte, entwickelt wurde. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und Luftverlastbarkeit eignet sich der Mungo besonders für Einsätze in schwierigem Gelände und bei schnellen Operationen. © Quelle: Bundeswehr
PIONIERPANZER DACHS: Der Panzer ist ein Arbeitsgerät der Pioniere und basiert auf dem Fahrgestellt des Leopard 1. Mit seinem Teleskoparmbagger errichtet er Ein- und Ausfahrten sowie Zu- und Abfahrten an Gewässerübergangsstellen und macht den Gewässergrund befahrbar. Außerdem dient er zum Anlegen und Beseitigen von Hindernissen und Sperren auf dem Gefechtsfeld. TECHNISCHE DATEN: Motorleistung: 610 kW (830 PS); Gewicht: ca. 43 t; Baggerleistung: ca. 140 Kubikmeter/h
Der Pionierpanzer Dachs ist ein spezialisiertes Unterstützungsfahrzeug der Bundeswehr, das auf dem Leopard-1-Fahrgestell basiert und für Aufgaben wie Baggern, Räumen und Bergen eingesetzt wird. Ausgestattet mit Baggerarm, Räumschild und Seilwinde ermöglicht er Pionieren das Überwinden von Hindernissen und das Befahrbarmachen von Wegen unter Gefechtsbedingungen. © Quelle: Bundeswehr
Ein Raketenwerfer MARS II steht in der Alb-Kaserne.
Der MARS II ist das moderne Raketenartilleriesystem der Bundeswehr, das präzisionsgelenkte Raketen mit Reichweiten von bis zu 84 Kilometern abfeuern kann. Es basiert auf dem amerikanischen MLRS M270, bietet hohe Feuerkraft und Flexibilität und wird vor allem zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt. © Sebastian Gollnow/dpa
Die Eurofighter sind beeindruckende Kampfjets. Zahlreiche westliche Armeen haben sie in ihrem Bestand. Fotos lassen erahnen, welche technischen Fähigkeiten sie haben.
Der Eurofighter Typhoon ist ein Mehrzweckkampfflugzeug europäischer Herkunft, das durch seine hohe Wendigkeit und vielseitige Bewaffnung sowohl Luftüberlegenheits- als auch Präzisionsangriffe ermöglicht. Er bildet das Rückgrat der Luftwaffen mehrerer europäischer Staaten und ist für Luftverteidigung, Begleitschutz sowie internationale Einsätze ausgelegt. © dpa
U-Boot der Klasse U212A
Die U-Boote der Klasse 212 A sind das Rückgrat der deutschen Marine und zählen zu den modernsten konventionellen U-Booten weltweit. Dank ihres außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantriebs sind sie besonders leise, ausdauernd und schwer zu orten, was sie ideal für Aufklärungs- und Spezialoperationen macht. (Symbolfoto)  © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa
Die Bundeswehr in Afghanistan: Von dem Ausspäh-Programm "Prism" wußten die Deutschen angeblilch schon seit 2011.
Der Dingo ist ein gepanzertes Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) der Bundeswehr, das vor allem für Patrouillen- und Konvoifahrten in gefährlichen Einsatzgebieten entwickelt wurde und durch hervorragenden Minen- und ballistischen Schutz vielen Soldaten das Leben gerettet hat.  © picture alliance / dpa
Bundeswehr
Das MANTIS, ehemals auch Nächstbereichschutzsystem C-RAM (NBS C-RAM), ist ein stationäres Luft-Nahbereichs-Flugabwehrsystem (engl. Short Range Air Defense, kurz SHORAD). Neben den klassischen Zielen der Flugabwehr, wie Flugzeuge und Hubschrauber, kann es sowohl gegen kleine Ziele wie Drohnen/UAVs und Lenkwaffen als auch gegen sogenannte RAM-Ziele (Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser) eingesetzt werden. © Bundeswehr
Wiesbaden Army Airfield
Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein deutsch-französischer, zweisitziger Mehrzweckhubschrauber der Bundeswehr, der für Panzerabwehr, Luftnahunterstützung und Aufklärung konzipiert wurde. Er ist mit modernen Waffen wie Panzerabwehrlenkraketen, Maschinengewehren und Luft-Luft-Raketen ausgestattet ist. Die Bundeswehr plant, den Tiger bis 2032 aus der Nutzung zu nehmen und schrittweise durch leichtere Kampfhubschrauber zu ersetzen. © Andreas Arnold/dpa
Militärische Fahrzeuge im Norden von Sachsen-Anhalt
Der Schützenpanzer Marder war über Jahrzehnte das Standardfahrzeug der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr und gilt als bewährtes, wendiges und feuerkräftiges Waffensystem. Mit seiner 20-mm-Bordmaschinenkanone, Panzerabwehrlenkwaffen und moderner Nachtsichttechnik bot er den Panzergrenadieren Schutz, Mobilität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – sowohl im Kalten Krieg als auch bei Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Symbolbild: Das Panzergrenadierbataillon 112 ist mit dem Schützenpanzer Puma auf dem Weg in die Letzlinger Heide zum Gefechtsübungszentrum Heer, am 12.02.2024.
Der Puma ist der modernste Schützenpanzer der Bundeswehr und ersetzt schrittweise den Marder. Er bietet eine hochmoderne Kombination aus starker Bewaffnung, umfassendem Schutz und digitaler Vernetzung, wodurch er optimal auf die Anforderungen moderner Gefechtsführung und die Zusammenarbeit mit dem Kampfpanzer Leopard 2 ausgelegt ist. © Bundeswehr/Julia Dahlmann
Tag der Bundeswehr 2024
Der CH-53 ist der größte und schwerste Transporthubschrauber der Bundeswehr und seit 1975 im Einsatz, vor allem für den schnellen Transport von Personen, Material und bei Katastrophenhilfe sowie in Auslandseinsätzen wie Afghanistan und Mali. Aufgrund seines Alters und steigender Wartungsprobleme soll der CH-53 bis 2030 durch den moderneren CH-47F Chinook ersetzt werden. © Frank Hammerschmidt/dpa

Deuten könnte man solche Äußerungen auch als Spiel mit strategischer Ambiguität; also damit, das Gegenüber im Unklaren über Folgen von Grenzüberschreitungen zu lassen. Getan sein dürfte es damit aber nicht – gerade weil Russland die roten Linien der NATO auszutesten scheint. Provokationen im Luftraum gehören seit geraumer Zeit zum Werkzeugkasten des Kreml, wie ein Experte schon 2023 Ippen.Media erklärte. Andere, wie Drohnenflüge über deutschen Einrichtungen, kommen hinzu. Davor warnte Kiesewetter bereits im Frühjahr im Interview mit unserer Redaktion. Die finnische Sicherheitsexpertin Minna Ålander verwies darauf, dass Russland keinen großangelegten militärischen Angriff planen müsse – denkbar sei auch eine Strategie der „1000 Nadelstiche“.

Russische Kampfjets im NATO-Gebiet: Es gibt Regeln – und wohl auch Klarstellungsbedarf

Dazu könnte gehören, die Glaubwürdigkeit des Bündnisses zu beschädigen. Der estnische Verteidigungspolitiker und Ex-Geheimdienstchef Eerik-Niiles Kross betonte im Portal estonianworld.com am Wochenende aber, der mediale Wirbel um den Vorfall in Estland sei größer als das Ereignis an sich – und das spiele der Kreml-Propaganda in die Karten. Die Nato habe klare Vorgaben für die Reaktion: Funkwarnungen, visuelle Signale, schließlich ein Eskortieren aus dem Luftraum. Eine Reaktion müsse die Relation wahren. Im gegebenen Falle hätte Estlands Regierung italienische NATO-Piloten anweisen müssen, die Eindringlinge abzuschießen. Das sei allein zeitlich kaum möglich gewesen. „Das ist eine Frage, die klarere Absprachen für die Zukunft erfordert“, erklärte Kross. – er forderte eigene Kampfjets für Estland.

Strack-Zimmermann und Kiesewetter richteten den Blick auch auf längerfristige Gegenmaßnahmen. Der FDP-Politikerin zufolge haben NATO und EU „deutliche Defizite“ bei der Drohnen-Abwehr wahrgenommen. Beim Projekt einer „Drohnenmauer“ tue sich jetzt etwas, sagte sie Ippen.Media. Kiesewetter sprach sich in der Augsburger Allgemeinen für eine koordinierte Flugabwehr im Verbund mit der Ukraine aus. Und für einen Stopp von Öl- und Gas-Importen in die EU sowie weitere Konfiszierung von russischem Vermögen. Man könnte sagen: Eine Antwort muss nicht im selben Moment und an Ort und Stelle erfolgen. Jedenfalls so lange keine akute Gefahr herrscht. (Quellen: Eigene Recherchen, Tagesspiegel, RND, Augsburger Allgemeine, estonianworld.com/fn)

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