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Putins Propaganda werden auch im Netz präsenter: Pro-russische Influencer gewinnen mehr an Einfluss. Einige finden Wege, EU-Sanktionen zu umgehen.
Hamburg – Sie sind Putins Sprachrohr im Netz: Pro-russische Influencer und Militärblogger verzeichnen seit Kriegsbeginn massiven Zuwachs. Sie bereiten vor allem über Telegram russische Propaganda. Auch die deutsch-russische Influencerin Alina Lipp verbreitet via Telegram russische Narrative. Lipp spricht beispielsweise stets von einer „militärischen Spezialoperation“ statt von einem Krieg und bezeichnet die Ukraine als Nazi-Regierung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen die gebürtige Hamburgerin. Die EU-Sanktionen erschweren ihr die Finanzierung. Durch fragwürdige Modelle versucht Lipp jedoch, diese zu umgehen.
Putins Netzwerk: Wie pro-russische Propagandisten trotz EU-Sanktionen Geld verdienen
Lipp bezeichnet sich auf ihrer Webseite selber als „unabhängige Journalistin“. Auf ihrer Homepage bittet die Propagandistin ihre 180.000 Follower um Spenden über ihren Telegram-Kanal mit 180.000 Followern. „Meine Bankkonten in Deutschland wurden gesperrt, die Beträge darauf wurden eingezogen und das Konto aufgelöst. Zahlungen an meine russische Bankverbindung wird durch EU Sanktionen denen die Banken folgen verhindert“, schreibt Lipp auf ihrer Homepage.
Abgewickelt wird die Zahlung offenbar vom Dienstleister Smart Glocal, der seinen Sitz in Hongkong hat. Von dort aus werde das Geld „zweimal im Monat“ auf ihr russisches Konto weitergeleitet, wie auf ihrer Webseite und auch im Kanal des Spendenbots zu lesen ist. Auf Anfrage des ARD-faktenfinders teilt Lipp mit, sie wisse nichts von einem speziellen Zahlungsdienstleister und nutze „den von Telegram in Russland angebotenen Service“. In Russland sei dieser Service sehr bekannt und beliebt.
Putin-Propagandistin aus Hamburg ruft über Telegram zu Spendenmöglichkeiten auf
Doch auf der Internetseite von Smart Gobal heißt es unter anderem, dass der Inhalt des Spendenbot-Nutzers in seinem Kanal keine politische Propaganda enthalten dürfe. Daher werde dies als Versuch interpretiert, die Identifizierungs- und Moderationsmechanismen zu umgehen, was einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen darstellt, schreibt Smart Glocal auf ARD-Anfrage. Telegram selbst verweist darauf, dass die Verwaltung der Spendenbots in den Händen von Drittunternehmen liegen. Da sie „unabhängig voneinander ihre eigenen Richtlinien erstellen“, habe Telegram „wenig Einblick“ in diese.
Putins Netz: Bekommen Propagandisten Unterstützung von Russen aus Österreich?
Laut dem ARD-faktenfinder gibt es Hinweise darauf, dass Lipp Unterstüzung von einem Russen aus Österreich bekommt. Hinter den Spendenmöglichkeiten sollen die Firmen Fancy Nerds und VPN Tester Lipp stecken. Lipp bezeichnete VPN Tester in einem Telegram-Beitrag als ihr „Webteam“ und immer wieder tauchen die Firmennamen eher zufällig in Bezug auf Spendenmöglichkeiten auf. Beide Firmen sind nach ARD-faktenfinder-Recherchen offenbar auf Martin Held zurückzuführen, einem in Russland lebenden Österreicher. Zudem betreibt Held den Telegram-Kanal „Stimme aus Russland“, in dem auch er russische Propaganda in deutscher Sprache verbreitet.
Held bestätigte in einem Video unter anderem, Lipp technisch zu unterstützen, um Sperren umgehen zu können. Lipp sei nicht seine einzige Kundin dieser Art. „Ich helfe den Bloggern dahingehend, dass sie technisch in der Lage sind, ihre Kanäle zur Verfügung zu stellen und vielleicht auch Möglichkeiten haben, um Sperren, die vielleicht ja passieren könnten, auch umgehen zu können oder außer Kraft zu setzen“, zitierte ARD Held. Wie viel Geld Lipp tatsächlich mit Spenden ihrer Abonnenten verdient, ist unklar.
