Ermittlungen an „Eagle S“

Putins „Schattenflotte“: Hunderte russische Spionageschiffe bedrohen Europa

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Finnische Behörden untersuchen Sabotage an einem Ostsee-Stromkabel. Putin könnte die nordischen Gewässer mit hunderten Schiffen bedrohen.

Helsinki – Destabilisiert Putins Schattenflotte Europas Infrastruktur? Nach der Beschädigung eines Stromkabels auf dem Grund der Ostsee rätselt Europa über das Ausmaß der Bedrohung durch russische Sabotage. Die finnische Behörde für Verkehr und Kommunikation will den Öltanker „Eagle S“ inspizieren, der mit dem Vorfall in Verbindung gebracht wird. 

Das meldete die finnische Nachrichtenagentur STT unter Berufung auf die Behörde Traficom. Bei der sogenannten Hafenstaatkontrolle geht es darum, ob internationale Vorschriften zum Betrieb eingehalten werden. Im Zweifel kann das Schiff so lange festgehalten werden, bis etwaige Mängel behoben sind. Die Inspektion werde durchgeführt, sobald die polizeilichen Ermittlungen es erlauben, so der Bericht.

Bedroht Putins Ukraine-Krieg Europa? Russlands Schattenflotte könnte aus hunderten Schiffen bestehen

Die „Eagle S“ gehört laut EU zur russischen Schattenflotte. Gemeint sind damit Tanker und andere Frachtschiffe, die Russland benutzt, um Sanktionen infolge der Invasion in die Ukraine zu umgehen, etwa beim Öltransport. Die Schiffe fahren im Auftrag Russlands unter fremder Flagge und haben oft komplizierte Eigentümerstrukturen.

Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU

EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp

Laut einem Bericht des Spiegel könnte Putins Schattenflotte aus hunderten Schiffen bestehen, einschließlich zahlreicher ziviler Schiffe, die nordische Gewässer durchkämmen. Diese Schätzung stammt von skandinavischen Forschern. Die gesammelten Daten, so berichtet der dänische Fernsehsender DR, gelangen teilweise zu einer geheimen Einheit für Tiefseeforschung, die unmittelbar dem russischen Verteidigungsministerium Bericht erstattet.

Kabel beschädigt: Finnische Behörden vermuten Sabotage – länderübergreifender Aktionsplan zum Schutz

Derzeit liegt die „Eagle S“ östlich von Helsinki vor Anker. Am ersten Weihnachtsfeiertag war das Stromkabel Estlink 2 zwischen Finnland und Estland beschädigt worden. Die finnischen Behörden vermuten Sabotage und setzten den unter der Flagge der Cookinseln fahrenden Öltanker fest. Seit Tagen halten finnische Ermittler das Schiff fest, um die Fragen zu klären. Inzwischen haben sie am Meeresboden eine verdächtige Schleifspur entdeckt. „Die Spur ist Dutzende Kilometer lang“, sagte der zuständige Ermittler Sami Paila. 

Nach dem Ausfall des Unterseekabels Estlink 2 wollen die baltischen und nordischen Staaten die Überwachung von Schiffsbewegungen in der Ostsee verstärken. Die Länder arbeiten nach Angaben von Litauens Regierungschef Gintautas Paluckas an einem Aktionsplan, um den Schutz der Energieinfrastruktur sicherzustellen. Litauen selbst wird nach der Beschädigung von Estlink 2 zusätzliche Maßnahmen zur Überwachung ergreifen, wie Energieminister Zygimantas Vaiciunas ankündigte. Die Regierung in Vilnius hatte zuvor bereits Anfang Dezember beschlossen, dass die Sicherheitsbehörden von 2025 an mehrere Objekte stärker schützen werden, die für die Energieversorgung des baltischen EU- und Nato-Landes wichtig sind. 

Gezielte Angriffe auf europäische Infrastruktur durch Russland seit Beginn des Ukraine-Kriegs

Neu sind die Sabotageakte an europäischer Energieversorgung nicht. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte laut Spiegel, dass Schiffe in der Ostsee inzwischen nahezu monatlich wichtige Unterseekabel beschädigen. Anfang Dezember wurde etwa ein Datenkabel, das Finnland und Schweden miteinander verbindet, in Mitleidenschaft gezogen. Ein Unterseekabel, das Schweden und Litauen miteinander verbindet, wurde Mitte November durchtrennt, vermutlich von einem chinesischen Handelsschiff mit russischem Kapitän.

Kaja Kallas warnt vor Sabotage durch Schiffe aus Russland.

Am vergangenen Wochenende wurde ein weiteres Schiff in der Nähe von Estlink 2 gesichtet. Finnische Medienberichte identifizieren das Schiff als den Öltanker „M/T Line“, der offiziell unter der Flagge von Guinea-Bissau segelt, aber von Ermittlern ebenfalls der sogenannten russischen Schattenflotte zugeordnet wird. Laut EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas seien die Angriffe keine Einzelfälle, wie sie der Welt sagte. Sie seien Teil eines Musters von absichtlichen und koordinierten Aktionen, um Europas Digital- und Energieinfrastruktur zu beschädigen. Sie hätten seit Beginn des Ukraine-Kriegs zugenommen. (lm/dpa)

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