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Am Montagnachmittag äußerte sich erstmal Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin zu seinem Aufstand gegen Putin. Er wirft der Regierung einen Angriff vor.
Moskau - Für knapp 48 Stunden war es plötzlich ruhig um den Wagner-Chef geworden. Es gab keine Aufnahmen von Jewgeni Prigoschin, keine Informationen zu seinem Aufenthaltsort, kein Lebenszeichen. Währenddessen hagelte es Neuigkeiten, Statements und Meinungen von Politikern oder Experten zu neuen Entwicklungen. Dabei hatte der Wagner-Boss am Samstag zu nichts weniger als einem Aufstand seiner Söldner gegen die russische Regierung aufgerufen.
Am Montagnachmittag meldete sich der Verursacher der Wirren plötzlich doch zu Wort. In einer öffentlichen Audio-Botschaft auf Telegram wandte sich Prigoschin ans russische Volk und verteidigte seinen militärischen Aufstand vom Samstag.
„Kanonenfutter“ : Wie Prigoschin seinen Söldner-Aufstand gegen Putin begründet
Einige Medien - darunter das russisch-englische Nachrichtenportal Meduza - haben die Ansprache übersetzt. „Infolge von Intrigen und Fehlentscheidungen sollte die Wagner-Gruppe am 1. Juli 2023 aufhören zu existieren“, behauptete Prigoschin demnach in seiner Audio. „Der Kommandorat der Gruppe Wagner hat diese Information an unsere Kämpfer weitergegeben, von denen fast keiner bereit war, einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium zu unterzeichnen.“
Prigoschin warf der Regierung vor, der Vertrag verteile seine Soldaten wahllos auf die verschiedene Einsatzorte in der Ukraine und mache dadurch „Kanonenfutter“ aus ihnen. Er habe keine Aggression gegen den Kreml gezeigt, das Verteidigungsministerium hingegen habe die Söldnertruppe plötzlich angegriffen und dabei 33 Wagner-Soldaten getötet.
Prigoschin über Aufstand gegen Putin: „Marschierten nicht, um die Regierung zu stürzen“
Infolge dessen sei es zum „Marsch der Gerechtigkeit“ gekommen. „Ich gab eine Erklärung ab, in der ich sagte, dass wir nicht die Absicht hätten, Aggression zu zeigen, aber dass wir einen Angriff als einen Versuch ansehen würden, uns zu vernichten, und dass wir darauf reagieren würden.“ Die Wagner-Soldaten seien deshalb Richtung Rostow und Moskau aufgebrochen und hätten alle militärischen Einrichtungen in Rostow übernommen, ohne jemanden „auf russischem Boden zu töten“. Man habe sich lediglich gegen Angriffe verteidigt und nicht selbst angegriffen.
Zum Ende der Gefechte in der Nacht zum Sonntag sei es aus zwei Gründen gekommen. Zum einen sei ab einem gewissen Zeitpunkt ein bevorstehendes Blutvergießen unumgänglich gewesen. „Wir beschlossen daher, dass es ausreichen würde, unsere Absichten zu demonstrieren“, zitiert Meduza den Söldner-Boss weiter. „Der zweite war, dass wir marschierten, um unseren Widerstand zu demonstrieren, nicht um die Regierung zu stürzen.“
Aufstand gegen Putin: Prigoschin zeigt mit Aktion Schwachstellen in Russland
Die Idee hinter seinem „Marsch der Gerechtigkeit“ wird aber im Verlauf der Audioaufnahme deutlich. Mit seinem Aufstand konnte Prigoschin seine angeblich mächtige Position in Russland nun vor aller Augen demonstrieren. Er verwies auf die Schwachstellen und „Sicherheitsprobleme“ des Landes, die einen solchen Marsch erst möglich gemacht hätten. Ein kräftiger Seitenhieb gegen Kreml-Chef Putin, vor allem aber seinen Verteidigungsminister Sergej Schoigu: „Der Organisationsgrad, den wir gezeigt haben, sollte der Organisationsgrad des russischen Militärs sein.“
Der Wagner-Chef fand am Samstag von einigen Seiten Unterstützung. So rief unter anderem der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski das russische Volk zum Marsch gegen Putin auf. „Selbst der Teufel“ verdiene Unterstützung, wenn er gegen den „dieses Regime“ kämpfe. „Und Ja - dies ist erst der Anfang“, schrieb der im Exil lebende Chodorkowski. (nz)
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