Vor dem Koalitionsausschuss

Kostenlawine für Beitragszahler: Merz kämpft gegen Renten-Rebellion

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Der Koalitionsausschuss könnte für SPD und Union erneut heikel werden. Diesmal gibt es für Merz vor allem Ärger aus der eigenen Partei.

Berlin – Am Donnerstag steht ein entscheidender Koalitionsausschuss zwischen Union und SPD an. Ein Thema überschattet den Ausschuss besonders: die Rente. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) müssen sich mit einem handfesten Streit um die geplante Rentenreform auseinandersetzen, der die Koalition zu spalten droht.

Vizekanzler Lars Klingbeil und Friedrich Merz sind sich beim Rentenpaket einig. Ausgerechnet innerhalb der Unionsfraktion regt sich nun jedoch Widerstand.

Ursprünglich sollte die wirtschaftliche Belebung im Mittelpunkt des Treffens stehen. Wie Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) betonte, gehe es vor allem um „Entscheidungen, um die Wirtschaft und die Industrie zu stärken, nach dem Stahlgipfel, nach dem Autogipfel“, berichtet die Rheinische Post. Doch die Renten-Thematik könnte den Donnerstag dominieren.

Streitpunkt Rente: Junge Gruppe könnte Merz und SPD das Renten-Paket vermasseln

Das Hauptproblem liegt in der Weigerung der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion, dem Gesetzentwurf zur Rentenreform zuzustimmen. Die 18 Abgeordneten um den 30-jährigen CDU-Politiker Pascal Reddig haben den Entwurf als „nicht zustimmungsfähig“ bezeichnet, wie n-tv berichtet. Da die Koalition nur über eine Mehrheit von zwölf Mandaten verfügt, könnte diese Rebellion das gesamte Rentenpaket zu Fall bringen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Die jungen Abgeordneten kritisieren vor allem die hohen Kosten der Reform. In einem Papier der Jungen Union gehen sie von Mehrkosten von 115 Milliarden Euro bis 2040 aus. Besonders strittig ist die Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031 und die Frage, was danach geschehen soll. Arbeitsministerin und SPD-Parteichefin Bärbel Bas zeigt sich über die Blockadehaltung der jungen Unionspolitiker verärgert. Sie betonte bereits Mitte Oktober im Bundestag: „Das haben wir im Koalitionsvertrag festgeschrieben, im Koalitionsausschuss erneut geeint und im Kabinett beschlossen. Das muss jetzt auch gelten!“ Die SPD will keinesfalls hinter den bereits beschlossenen Kabinettsentwurf zurück.

Streit im Koalitionsausschuss? SPD drängt auf Beschluss des Renten-Pakets im Dezember

Dabei könnte das umstrittene Rentenpaket der Bundesregierung bereits im Dezember beschlossen werden. Das zumindest stellte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese in Aussicht. Ein Parlamentsbeschluss könne in einer der beiden letzten Sitzungswochen des Jahres – also entweder Anfang Dezember oder in der Woche vor Weihnachten – gefasst werden, sagte Wiese am Mittwoch. Nötig sei aber, dass insbesondere die Partei- und Fraktionsführung der CSU für Zustimmung in den eigenen Reihen sorgten. CSU-Parteichef Markus Söder und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann „werden auch nochmal mit dem einen oder anderen der Jungen Gruppe sprechen, und dann werden wir das durch den Bundestag bringen“, sagte Wiese.

Der Koalitionsausschuss im Detail – Alle Informationen im Überblick

  • Ereignis: Koalitionsausschuss zwischen Union und SPD
  • Datum: Donnerstag, 13. November 2025
  • Personen: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD)
  • Streitpunkt: 18 junge Abgeordnete der Union drohen mit Blockade der Rentenreform

Neben der Rente stehen weitere konfliktreiche Themen auf der Agenda. Das Heizungsgesetz sorgt für Diskussionen zwischen CDU und SPD, ebenso wie das geplante Verbrennerverbot ab 2035. Beim Industriestrompreis und dem Deutschlandfonds sind hingegen Einigungen in Sicht, wie die Rheinische Post berichtet.

Koalitionsausschuss am Donnerstag: Neben der Rente könnte auch das Heizungsgesetz für Streit sorgen

Dem Vernehmen nach soll der Koalitionsausschuss bis Weihnachten noch zwei weitere Male tagen, um die strittigen Punkte abzuräumen. Das Ziel sei es, „gute Signale zu setzen, um optimistisch ins neue Jahr zu starten“, so ein Koalitionär gegenüber der Rheinische Post. Die Renten-Präsidentin Gundula Roßbach sieht in den künftigen Mehrkosten für die Rente keine Kostenexplosion. „Wir erleben keine Kostenexplosion in der Rentenversicherung, wir haben eine stetige Entwicklung“, sagte sie bei einer Veranstaltung in Würzburg. Die demografische Entwicklung sei seit Jahrzehnten bekannt und absehbar.

Für den 70-jährigen Bundeskanzler Merz wird die Situation besonders heikel. Die Rebellion der jungen Abgeordneten stellt seine Autorität innerhalb der eigenen Partei infrage. Am Wochenende wird er beim Deutschlandtag der Jungen Union als Redner erwartet – ein Auftritt, der brenzlig werden könnte. Der Koalitionsausschuss am Donnerstag wird zeigen, ob Union und SPD ihre Differenzen überwinden können oder ob die Renten-Rebellion die Handlungsfähigkeit der Regierung weiter schwächt. Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Koalition selbst. (Quellen: Rheinische Post, ntv, dpa, AFP) (sischr)

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