VonJana Stäbenerschließen
Eine Kindheitspädagogin erzählt, bei welchen eindeutigen Warnsignalen sie ihren Job in einer Kindertagesstätte sofort kündigen würde.
430.000. So viele Kita-Plätze fehlen in etwa in Deutschland – und das trotz Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Hauptsächlich liegt das am Personalmangel, wie man ihn lösen kann, erklärt eine Erzieherin hier.
Neben zu wenig Fachkräften gibt es noch mehr Dinge, die im Kita-Alltag Probleme bereiten. Hannah* ist studierte Kindheitspädagogin und arbeitet seit etwa neun Jahren als Erzieherin. Sie hat in drei verschiedenen Kindertagesstätten schon so einiges erlebt, das gar nicht geht. Im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland verrät sie ihre persönlichen „Red Flags“ in der Kita – und welche Warnsignale sie sogar zu einer Kündigung veranlasst haben.
1. Zu wenig pädagogisches Personal
In vielen Kitas gebe es aufgrund des Personalmangels zu wenig pädagogisch geschultes Personal. In einer Einrichtung sei es besonders schlimm gewesen. „Ich war dort zeitweise die einzige ausgebildete pädagogische Fachkraft. Eine Person war noch in der Ausbildung, der Rest waren Quereinsteiger“, erzählt Hannah. Darunter habe enorm die Qualität gelitten. Der Hauptgrund, warum Hannah diesen Job nach nur einer Woche wieder kündigte.
Abonnier‘ unsere Kanäle: Das Beste von BuzzFeed Deutschland gibt es jetzt auch auf WhatsApp und Telegram.
2. Kosenamen
Kosenamen gehen gar nicht, findet Hannah. Sie habe schon erlebt, wie Kinder in einer Kita mit „Schatzi“ angesprochen wurden. „Wahlweise auch mit dem englischen ‚Honey‘, weil es eine bilinguale Kita war. Das geht einfach gar nicht“, findet Hannah. Auch ein Kuss auf die Wange sei etwas, was Erzieher:innen ihrer Meinung nach auf keinen Fall machen sollten.
Mehr zum Thema: Kita-Pfleger redet über seinen Alltag – „sind am Limit“
3. Ausmalbilder
Auch am Umgang mit Papier und Stift merke man, wie gut eine Kita sei. Stichwort: Ausmalbilder. Wir sind überrascht. Warum das denn? „Ausmalbilder sind natürlich nicht verboten“, beruhigt die Kindheitspädagogin. „Aber jeder weiß, dass sie nicht gerade die eigene Kreativität fördern.“
Ausmalen sei schon mal okay, aber wenn Kinder in der Kita ständig nur Ausmalbilder vorgesetzt bekommen, sei das für sie persönlich eine pädagogische „Red Flag“.
Mehr zum Thema: 15 Tweets über Kinder in der Kita, die Eltern gut nachfühlen könne
4. Erzieherinnen basteln für die Kinder
Noch schlimmer sei, wenn die Kinder nicht mal selbst malen, sondern eine Erzieherin für sie malt. Oder für sie ausschneidet und bastelt, weil das Kind frustriert Schere oder Stift hinwirft. Das habe mit Pädagogik wirklich nicht mehr viel zu tun, findet Hannah.
5. Kinder dürfen nicht streiten
Auch eine „Red Flag“: Wenn Kinder nicht ermutigt werden, ihre Konflikte allein zu lösen. Normalerweise sollten sich Pädagog:innen mit Kindern auf eine Ebene begeben und ihnen helfen, mit ihren Emotionen klarzukommen, sagt Hannah. Kommentare wie „Jetzt hör auf zu weinen Schatzi und komm auf meinen Schoß!“, gehen für die 28-Jährige gar nicht.
*Hannah heißt in Wirklichkeit anders. Ihr voller Namen ist der Redaktion bekannt.
Mehr zum Thema: So könnten attraktive Arbeitsbedingungen für Erzieher:innen aussehen
Rubriklistenbild: © Zoonar/IMAGO, Collage





