„Viele von uns sind einfach verzweifelt“

7 Dinge, die sich im Kita-Alltag dringend ändern müssen

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Welche Maßnahmen helfen in der Kita-Krise? Personalmangel ist ein großes und doch nur eins von vielen Problemen.

Erzieher:innen müssen in ihrem Berufsalltag viel einstecken. Von absurden Fragen oder Forderungen seitens der Eltern, bis zu nervenaufreibenden Situationen mit Kindern. Problematisch sind laut einer neuen Studie aber vor allem strukturelle Missstände. So fehlen in Deutschland rund 430.000 Kita-Plätze, trotz Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

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Personalmangel immer noch gravierendes Problem, Lage ist „untragbar“

Zwar habe es Fortschritte beim Ausbau von Kita-Angeboten gegeben. Aber gleichzeitig sei auch der Bedarf kontinuierlich gestiegen, aufgrund des Personalmangel sei die Lage inzwischen „untragbar“, heißt es bei Veröffentlichung des „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung am Dienstag, 28. November. Die Analyse sieht eine Kita-Krise und mahnt energische kurz- und langfristige Maßnahmen an.

Expert:innen warnen vor Kita-Krise

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„Neue Antworten“ sind gefragt, um Kitakollpas zu vermeiden

Um die Kita-Krise zu entschärfen und neue Fachkräfte zu gewinnen, brauche es laut der Autor:innen der Studie langfristige Strategien. Und attraktive Arbeitsbedingungen, damit das Personal in der Branche bleibt. Laut einer Kurzstudie halten die aktuellen Arbeitsbedingungen und das Gehalt besonders Männer davon ab, den Erzieher-Job zu ergreifen. Quereinsteiger:innen könnten die Lage entspannen. Dabei dürfte es keine Abstriche bei der pädagogischen Qualifizierung geben. Insgesamt sei die Kita-Krise so weit fortgeschritten, dass „neue Antworten“ gefragt seien, unterstreicht die Stiftung.

„So viele von uns sind einfach verzweifelt“

Das denkt auch diese TikTokerin, die von ihrem Alltag als Erzieherin berichtet. Oft spricht sie über pädagogische Spiele oder Eingewöhnungsphasen. In manchen Videos prangert sie aber auch systemische Missstände im Erziehungswesen an und spricht von „körperlicher und psychischer Ausbeutung“. In einem Video teilt sie ihre Befürchtung, dass sie ihren Beruf wohl nicht bis zur Rente ausüben kann und bekommt dafür viel Zuspruch.

@nonis_schatzkiste Antwort auf @user6400214916753 Danke nochmal an euch alle ❤️ Es ist einfach ein schönes Gefühl wenn man irgendwo verstanden wird und mit seinen Sorgen nicht alleine ist! #erzieher #erzieherlife #erziehercontent #erzieheralltag #erzieherleben #erzieherinmitherz #erzieherauftiktok #pädagogenauftiktok #pädagogenkram #pädagogenalltag #pädagogenleben #fürdich #kita #krippe #realtalk ♬ Originalton - nonis_schatzkiste

„Nicht meine Aufgabe, Personalnotstand abzufangen“

In einem anderen Video sagt die Erzieherin: „Ich bin Pädagogin geworden, um Kinder zu fördern und im Kitaalltag zu begleiten. Es ist nicht meine Aufgabe, Personalnotstand abzufangen und mich dabei psychisch und körperlich kaputtzumachen“.

@nonis_schatzkiste Natürlich bleibt es nicht aus mal einzuspringen. Aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt. NIEMAND gibt euch eure Gesundheit wieder! #erzieher #erzieherleben #erzieheralltag #erzieherauftiktok #erzieherleben #erzieherwahnsinn #alltagssituationen #krippe #pädagogenauftiktok #krippenerzieherin #krippenalltag #unterhaltung #realtalk#personalnotstand ♬ original sound - kate

7 Dinge, die sich in der Erziehung ändern müssen

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat sich zu strukturellen Problemen im Erziehungswesen geäußert und dieses Jahr eine Umfrage unter 5387 Kitaleitungen durchgeführt. Fast 95 Prozent der Befragten geben an, dass sich der Personalmangel in den vergangenen zwölf Monaten verschärft habe und eine geringere pädagogische Qualität sowie mehr Kündigungen zufolge gehabt habe.

Expert:innen sowie Erzieher:innen fordern deswegen diese sieben Veränderungen im Kita-Alltag:

1. Der Bund muss mehr Verantwortung übernehmen

Schul-, Hochschul- und Erziehungswesen ist Ländersache. Kitas fordern aber, dass sich der Bund beteiligt, in deutlich größerem Umfang und dauerhaft das Kita-System mitfinanziert und die Lösung der Kita-Krise als nationale Aufgabe versteht.

2. Neue Finanzierungen

Das Kita-Qualitätsgesetz muss mit angemessenen finanziellen Ressourcen unterlegt sein, heißt es vom VBE. Der Verband fordert eine Finanzierungsgemeinschaft aus Bund, Ländern, Kommunen und Trägern, um eine großangelegte Fachkräfteoffensive abzudecken. Diese sollen um regional angepasste Maßnahmen ergänzt werden.

3. Ausbildungssysteme überarbeiten

Der VBE fordert außerdem mehr Ausbildungsmöglichkeiten an Fach- und Hochschulen, mehr Entwicklungsperspektiven für ausgebildete Fachkräfte und die leichtere Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

4. Beruf attraktiver machen

Mehr Geld soll auch in Bezahlung, angemessen vergütete Ausbildung, Fort- und Weiterbildungen sowie in räumliche und sächliche Ausstattung fließen, um die Attraktivität des Berufsbildes dauerhaft zu stärken.

5. Neue Verträge

Eine Anpassung der vertraglich fixierten und bezahlten Leitungszeit an den tatsächlichen Bedarf.

6. Interdisziplinäres Betreuungsteam

Erzieher:innen und Fachverbände wünschen sich multiprofessionelle Teams aus Therapeut:innen, Psycholo­g:innen, medizinisches Fachpersonal, Sozialpä­dagog:innen sowie Fachkräfte im Bereich der Sprachförderung, um In­klusion und Integration zu verbessern.

7. Entlastung

Als Sofortmaßnahme empfehlen die Autor:innen der Studie eine Entlastung von Kitaleitungen bei Hauswirtschafts- und Verwaltungsaufgaben. Für die Bewältigung dieser nicht-pädagogischen Aufgaben sollten Expert:innen miteinbezogen werden.

Mehr zum Thema: Auch in den sozialen Medien wird über Möglichkeiten diskutiert, den Fachkräftemangel zu bremsen. So fragte ein User auf Reddit in der „FragReddit“-Community, was man neben höherem Gehalt anstoßen könnte, um die Berufe der Erzieher:innen und Lehrkräfte attraktiver zu machen und diese 12 Antworten kamen zurück.

(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: MAGO / Shotshop. Screenshot TikTok @nonis_schatzkiste

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