VonJana Stäbenerschließen
Fürs Alter vorsorgen – aber richtig: Eine Finanzexpertin verrät, warum es wichtig ist, dass wir unsere Ausgaben und Einnahmen genau im Blick behalten.
Viele junge Menschen sparen kaum fürs Alter – weil ihnen das Geld fehlt, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2022. Statt für die Rente, legen sie Geld für größere Anschaffungen (78 Prozent), unvorhersehbare Ereignisse (76 Prozent) oder für Urlaubsreisen (70 Prozent) zurück. Nur 51 Prozent legen fürs Alter überhaupt etwas zurück.
Das ist deswegen problematisch, weil die gesetzliche Rente später mal nicht ausreichen wird – zu groß ist die sogenannte Rentenlücke, also die Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der Netto-Rente. Können Finanzapps helfen, diese Lücke zu schließen? Ja, findet Fabit-Gründerin Susanne Krehl im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland.
Finanzapps: Ausgaben und Einnahmen immer auf einen Blick
Die durchschnittliche Rentenlücke wird immer größer, zeigt eine Studie des Max-Planck-Instituts. Momentan liegt das Rentenniveau bei etwa 48 Prozent. Wer in Rente geht, hat also nur die Hälfte des bisherigen Nettoeinkommens zur Verfügung. (Hier zeigen wir dir, wie viel Rente du bekommst und wie du deine Rentenlücke berechnest.) Doch es gibt gute Neuigkeiten: Etwa 67 Prozent aller Menschen können diese Lücke vollständig schließen: indem sie regelmäßig sparen.
Aber wie geht das? Indem man erst einmal genau weiß, was man verdient und wofür man Geld ausgeben kann, weiß Susanne Krehl. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von der Finanzapp Fabit und war zuvor Managing Director eines Finanzdienstleisters für bargeldloses Bezahlen. Im Grunde genommen sei es egal, ob man seine Ausgaben mit einem schriftlichen Haushaltsbuch tracke, oder per App. Wichtig sei nur, es zu tun, sagt die 37-Jährige.
Unzählige Apps wie Monify, MoneyControl, Zuper, Finanzguru, Starmoney, Money Manager, Bluecoins oder eben auch Fabit und viele mehr wollen das erleichtern. Aber: „Die meisten Apps zeigen nur, was man ausgegeben hat. Das ist wie Autofahren und hinten herausschauen“, sagt Krehl. Wichtig sei ja, zu wissen, wie viel man als nächstes ausgeben oder sparen könne. Und das sei bei Fabit möglich, so die Start-Up-Gründerin.
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„Finanzapps sind kein Selbstzweck, sie müssen Bedürfnisse erfüllen“
Laut Studie des Max-Planck-Institut sparen mehr als 40 Prozent aller Haushalte nicht. Ein Grund dafür: Informationsmängel über die Förderberechtigung, Vermögenssteigerungen von Ersparnissen und die eigene Lebenserwartung. Insbesondere jüngere Haushalte, Haushalte mit geringem Einkommen und niedrigem Bildungsstand legen kein Geld zurück. Sie dürften deswegen Schwierigkeiten beim Füllen der Rentenlücke haben.
Für Susanne Krehl war das ausschlaggebend, Fabit ins Leben zu rufen. „Wir haben beobachtet: Es gibt zu viele Produkte für zu privilegierte Menschen“, erzählt sie. Sparen sei schließlich kein Thema nur für reiche Menschen. „Wir kümmern uns darum, dass du souverän eine Entscheidung treffen kannst, wie du dein Geld sparen willst“, sagt die Finanz-Expertin zu BuzzFeed News Deutschland. Deswegen biete man keine Anlageprodukte an, sondern Informationen.
„Finanzapps sind kein Selbstzweck, sie müssen Bedürfnisse erfüllen“, sagt Krehl. Zu Pandemiezeiten habe es geradezu einen Trading-App-Boom gegeben. „Die Menschen hatte zu viel Zeit und suchten nach Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen.“ Dieser Boom lasse gerade wieder nach. „Jetzt, wo die makroökonomischen Lebenshaltungskosten steigen, ordnen Menschen eher ihr Budget neu und schauen, wo Einsparpotentiale sind.“
Aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten, kaufen die Menschen immer weniger, was zu einer Rezession führt.
Mithilfe von Finanzapps Sparpotenziale für die Rente erkennen
Fabit nutzen etwa gleich viele Frauen wie Männer, erzählt Krehl. „Man merkt: Finanzielle Probleme und Sorgen sind Geschlechter unabhängig.“ Trotzdem seien vor allem Frauen von Altersarmut betroffen, auch weil sie sich eher um die alltäglichen Ausgaben kümmern, während Männer langfristiger planen. Eine traditionelle Rollenverteilung, die es aufzubrechen gilt, so Krehl.
Finanzapps wie Fabit sollen hier Abhilfe schaffen, indem sie verständlich aufzeigen, wo Sparpotenziale liegen, wie viel man für die eigene Rente zurücklegen kann, und wie viel man in einem Monat noch für Klamotten oder Urlaub ausgeben kann. Krehl sieht sich ein wenig als Ersatz für die Schule, die es versäumt hat, Kindern finanzielles Fachwissen beizubringen.
„Kredite, Dispo, Ratenkäufe und Zinseszins bei echten Geldanlagen – darüber wird kaum aufgeklärt“, so Krehl. Alle Versäumnisse des Bildungssystems könne eine App jedoch nicht nachholen. „Mein großer Wunsch für die Zukunft ist, dass wir eine pragmatischere Schulbildung haben, die aufs Leben vorbereitet.“
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