SPD gibt CDU-Rebellen nicht nach

Koalitionsstreit um 115 Milliarden: Merz will Rente zur Chefsache machen

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Junge CDU-Abgeordnete rütteln am Renten-Kompromiss, doch die SPD will das Paket nicht aufschnüren. Kanzler Merz gesteht „Fehler“ und gelobt Besserung.

Berlin – Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland hoffen auf Sicherheit, doch die junge Generation fürchtet die Rechnung: Das Rentenpaket der Bundesregierung spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern droht auch die schwarz-rote Koalition zu zerreißen. Während die SPD auf eine dauerhafte Stabilisierung des Rentenniveaus pocht, rebellieren 18 junge Unionsabgeordnete gegen Zusatzkosten von 115 Milliarden Euro bis 2040. Der Konflikt offenbart einen Grundsatzstreit um die Finanzierbarkeit des deutschen Rentensystems – und stellt Kanzler Friedrich Merz (CDU) vor eine Zerreißprobe mit seiner eigenen schwarz-roten Koalition. Immerhin: Der Kanzler sieht in der jedenfalls bei der Zusammenarbeit noch Luft nach oben.

Will den Streit um das Rentenpaket abräumen: Kanzler Friedrich Merz.

Ungeachtet dessen zeigte sich die SPD weiter kompromisslos und beharrte am Montag (20. Oktober) auf dem ursprünglichen Entwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas: „Wir halten an dem ganz klar fest, was wir eingebracht haben“, sagte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf laut der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Das Paket sei „genau das Notwendige, um die Rente stabil zu halten“.

Streit um Rente: Das Bas-Paket stößt in der Merz-Koalition auf unterschiedliches Echo

Der Streit um das Rentenpaket tobt seit Tagen innerhalb der Koalition. Nachdem sich das Kabinett grundsätzlich auf ein Gesetzespaket geeinigt hatte, gab es innerhalb der Regierungsfraktionen ein unterschiedliches Echo auf das Vorhaben. Vor allem 18 Bundestagsabgeordnete der Jungen Gruppe der Union hatten das Rentenpaket als „in seiner jetzigen Ausgestaltung nicht zustimmungsfähig“ bezeichnet und drohten damit, die Verabschiedung des Gesetzes zu verhindern. Ihr Hauptkritikpunkt: Der Gesetzentwurf sehe auch über 2031 hinaus eine Stabilisierung des Rentenniveaus vor, was bis zum Jahr 2040 Zusatzkosten von rund 115 Milliarden Euro verursachen werde.

Rentenniveau, Aktivrente und Mütterrente – das plant das Merz-Kabinett

Kernelemente des Rentenpakets:

Die Bundesregierung hat im Oktober 2025 ihr umfassendes Rentenpaket beschlossen, das zum 1. Januar 2026 in Kraft treten soll. Das Paket umfasst mehrere zentrale Komponenten: Die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent über 2025 hinaus bis mindestens 2031, um ein Absinken der Renten zu verhindern, wie die Bundesregierung mitteilte. Zusätzlich soll die „Mütterrente“ durch eine vollständige Gleichstellung der Kindererziehungszeiten ausgeweitet werden.

Aktivrente als neuer Baustein:

Ein zentraler Bestandteil ist die Aktivrente, die das Kabinett am 15. Oktober 2025 beschlossen hat. Wie tagesschau.de berichtet, sollen Rentnerinnen und Rentner künftig bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen können, um Anreize für eine Weiterbeschäftigung über die Regelaltersgrenze hinaus zu schaffen. Das Anschlussverbot wird aufgehoben, wodurch die Rückkehr zum bisherigen Arbeitgeber nach Erreichen der Regelaltersgrenze erleichtert wird.

Weitere geplante Maßnahmen:

Parallel arbeitet die Regierung an der Frühstartrente und plant eine Reform der privaten Altersvorsorge als Nachfolger der Riester-Rente, was ebenfalls noch 2025 beschlossen werden soll. Das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die steuerlichen Anreize für Geringverdiener beim Aufbau einer Betriebsrente verbessern. Die Kosten der Aktivrente allein werden auf etwa 890 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Kritik an Rentenpaket 2025: Expertin hält Koalitionsstreit für eine „Scheindebatte“

Die Kritik an den hohen Rentenkosten stößt bei Experten auf Widerspruch. Die Ökonomin Katja Rietzler vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung bezeichnet die aktuelle Diskussion als „populistische Scheindebatte“, wie sie in einem Interview mit dem Nachrichtensender ntv sagte. Ihre Analyse der Zahlen des Bundesarbeitsministeriums zeigt: Die Ausgabenquote für die Rente ist heute niedriger als in den frühen Zweitausendern, auch der Beitragssatz zur Rente war bereits 1,3 Prozentpunkte höher als heute.

„Die Lage bei der Rente sehe ich aktuell nicht als dramatisch“, erklärt Rietzler. Das eigentliche Problem liege anderswo: „Die deutsche Wirtschaft wächst seit fast sechs Jahren nicht. Das ist doch, wo die Politik ansetzen muss.“ Statt über Renten- und Bürgergeld-Reformen zu diskutieren, sollte sich die Politik auf Infrastruktur und Planungssicherheit konzentrieren.

Zoff um Rente: Merz will sich persönlich um Gesetzespaket kümmern

Bundeskanzler Friedrich Merz war am Montag nach einer Präsidiumsklausur seiner Partei zwischen den Fronten. Einerseits verteidigte er die Kritik der jungen Unionsabgeordneten als deren „gutes Recht“, auf die Folgen des Gesetzentwurfs hinzuweisen. Die Verabredung mit der SPD sei gewesen, die sogenannte Haltelinie bis 2031 bei 48 Prozent zu fixieren – „aber eben auch nicht darüber hinaus“. Andererseits kündigte er an, sich „ganz persönlich“ um das Problem zu kümmern und mit der SPD zu sprechen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Merz rief vor diesem Hintergrund die schwarz-rote Koalition zu weniger Streit auf. „Die Regierung muss Probleme lösen“, sagte der CDU-Vorsitzende nach der Strategieklausur laut der Nachrichtenagentur dpa. „Die Regierung darf nicht den Eindruck erwecken, dass sie zerstritten ist.“ In diesem Sinne gebe es bei der Abstimmung durchaus noch Verbesserungsbedarf. Dabei verwies der Kanzler auch auf das geplante Wehrdienst-Gesetz, das im Gegensatz zur Rente vor allem von der SPD-Fraktion torpediert worden war.

Kompromiss zur Rente: SPD bleibt hart – mehr Menschen sollen in die Rente einzahlen

Im aktuellen Rentenstreit will sich die SPD jedoch nicht so schnell erweichen lassen. Klüssendorf machte deutlich, dass im Paket nicht nur die der SPD wichtige Rentengarantie enthalten sei, sondern auch Unionsanliegen wie Mütterrente und Aktivrente. „Das ist, glaube ich, im Gesamtpaket etwas, was die Rente gerechter und besser macht und was wir jetzt hier beschließen müssen“, sagte der SPD-Generalsekretär. Er forderte von Unionsfraktionschef Jens Spahn, dass er seine Fraktion im Griff haben müsse.

Klüssendorf erklärte, zu der Frage, wie es nach 2031 mit der Rente weitergehen solle, gebe es unterschiedliche Auffassungen bei Union und SPD. Wichtig sei der SPD, dass die Rente nicht gekürzt werde. Um das zu erreichen, sollten mehr Menschen in das System einzahlen – auch Abgeordnete, Selbstständige und möglicherweise auch neue Beamte. Die SPD verlange von der Unionsspitze, „dass sie jetzt zu dem, was wir gemeinsam erarbeitet haben, was jetzt vorliegt, auch stehen“. (Quellen: AFP, dpa, bundesregierung.de, tagesschau.de, ntv) (jek)

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