Koalition im Reform-Zoff

Renten-Aufstand: Bas ermahnt Union – „Rentenpaket trägt Unterschrift aller Koalitionspartner“

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Die Regierung streitet über das neue Rentenpaket: Bärbel Bas pocht auf die Stabilisierung des Rentenniveaus – doch die Junge Gruppe der Union ist skeptisch.

Berlin – Der „Herbst der Reformen“ ist angebrochen, doch erneut herrscht Streit in der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Das neue Rentenpaket soll Millionen älteren Menschen langfristige Sicherheit geben, doch im Parlament zeigt sich: Von Einigkeit ist die Koalition weit entfernt.

Das Rentenpaket steht im Bundestag zur Debatte: Die Koalition zeigt sich gespalten – und Bärbel Bas (l.) steht unter Druck. (Archivbild)

Trotz der Differenzen zeigte sich die Koalition zuletzt zuversichtlich bei der Einbringung ihres geplanten Rentenpakets. SPD-Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas pochte im Bundestag auf die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus durch milliardenschwere Zuschüsse: „Das muss jetzt auch gelten“, sagte sie. Widerstand regt sich jedoch in den eigenen Reihen: Die Junge Gruppe der Unionsfraktion bezeichnete das Vorhaben in einem Papier als „in seiner jetzigen Ausgestaltung nicht zustimmungsfähig“. Das Problem: Ohne die Stimmen der 18 Gruppenmitglieder, könnte das Paket scheitern.

Rentenreform in der Kritik – Junge Union fordert Änderungen

Die Regierung will mit ihrem Gesetz die Sicherungskraft der Rente bis 2031 stabil halten: Das Rentenniveau, das das Verhältnis der Renten zu den Löhnen abbildet, soll bei 48 Prozent bleiben. Dann wird mit einem Absinken gerechnet – aber nur schrittweise, weshalb die Regierung in ihrem Entwurf mit weiter steigenden Kosten rechnet. 

Der Vorsitzende der Jungen Gruppe, CDU-Politiker Pascal Reddig, übt und Kritik, und machte bereits in den ARD-Tagesthemen deutlich: Ohne Änderungen „können wir dem nicht zustimmen“. Probleme ließen sich nicht allein mit Bundesmitteln lösen, warnte er nun im Bundestag. Dem Staat bleibe immer weniger Spielraum für Investitionen, etwa in Zukunftstechnologien. Auch der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel, schloss sich der Kritik an: Eine Zustimmung zum Gesetz über die Stabilisierung des Rentenniveaus in seiner aktuellen Fassung sei ausgeschlossen – eine „klare Positionierung“, wie er am Donnerstag den Sendern RTL und ntv erklärte. 

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

„Das haben wir uns ja auch lange überlegt und geprüft, und deswegen geht man jetzt in Verhandlungen mit der SPD“, erklärte Winkel weiter. Zur Begründung führte er an, dass der Gesetzentwurf aus dem SPD-geführten Bundessozialministerium über die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag hinausgehe – „mit Folgekosten von über 100 Milliarden Euro“.

Rentenniveau bis 2031 schafft „Sicherheit für ganz, ganz viele Menschen“

Auf die Kritik der jungen Koalitionspartner reagierte SPD-Ministerin Bärbel Bas gelassen und mahnte zur Geschlossenheit: „Dieses Rentenpaket trägt nicht nur die Handschrift, sondern auch die Unterschrift aller Koalitionspartner – von CDU, CSU und SPD.“ Die Sicherung des Rentenniveaus sei im Koalitionsvertrag festgeschrieben, im Koalitionsausschuss erneut bestätigt und im Kabinett beschlossen worden. „Alle Generationen werden von der Haltelinie profitieren“, betonte Bas. Ausdrücklich auch die Jüngeren, denn sie würden zu Rentnerinnen und Rentnern von morgen, erklärte Bas hinsichtlich ihrer jungen Kritiker.

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent zu stabilisieren. Der Gesetzentwurf sieht aber auch eine Niveaustabilisierung über 2031 hinaus vor. Die geplante Niveausicherung bis 2031 will die Junge Gruppe unterstützen, „um Sicherheit für ganz, ganz viele Menschen zu schaffen“, erklärte ihr Chef. Doch für die Zeit danach brauche es ein Konzept für eine Reform des „Gesamtsystems Rente“. „Das muss die Rentenkommission leisten.“ Die Regierung will so ein Gremium in diesem Jahr einsetzen, um Vorschläge für eine Zukunftssicherung der Rente zu bekommen.

Reddig mahnte weiter: „Die Sicherung der Haltelinie über die nächsten Jahrzehnte würde – jedenfalls, ohne dass wir irgendetwas anders machen – dazu führen, dass die Lebenshaltungskosten steigen, dass Beiträge steigen, dass Steuern steigen – und das wollen wir den Menschen nicht zumuten.“ Die Gruppe setze nun auf beginnende, weitere Beratungen.

Neuer Regierungszwist in der Öffentlichkeit: Friedrich Merz gerät unter Druck

Trotz des offenen Konflikts hatten führende Koalitionspolitiker das Rentenpaket als wichtiges Signal bezeichnet: Neben Reddig signalisierte auch der CDU-Abgeordnete Stefan Nacke Zuversicht: Er beschwichtigte und erklärte, man stehe „erst am Beginn eines Entscheidungsprozesses“. 

Dass die Koalition erneut ihre Uneinigkeiten in der Öffentlichkeit auslebt, verteidigte der 33-jährige Winkel: Wenn ein solcher Gesetzentwurf wie nun am Donnerstag im Bundestag erstmals beraten werde, „dann muss man natürlich auch mal irgendwann sagen, wie man dazu steht“, sagte er. Die Diskussion ist besonders erhitzt, da die Regierungskoalition ohne die 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe keine eigene Mehrheit im Bundestag besitzt.

Reichinnek fordert: „Das Rentenniveau muss auf 53 Prozent steigen“

Auch die Linke und die AfD gingen mit der Koalition hart ins Gericht. Die AfD-Politikerin Ulrike Schielke-Ziesing machte „Verschwendungssucht“ bereits früherer Unions- und SPD-geführter Regierungen für die angespannte Rentenlage verantwortlich – nun sollten die Auswirkungen einer verfehlter Rentenpolitik mit Milliarden abgedämpft werden.

Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek forderte: „Das Rentenniveau muss auf 53 Prozent steigen.“ Die „sogenannte Junge Gruppe“ höre nicht auf, Widerstand gegen die letzten Reste sozialer Sicherheit zu zeigen. Dies zeuge auch davon, dass CDU-Fraktionschef, Jens Spahn, seinen Laden nicht im Griff habe. Die Grünen hingegen unterstützen die geplante Haltelinie beim Rentenniveau, wie Arbeitsmarkt-Experte Armin Grau deutlich machte – allerdings sei die geplante Absicherung nur bis 2031 zu kurz gesprungen. 

Nach Wehrdienstmodell: Merz-Koalition einmal mehr uneins über Zukunft

Trotz der anhaltenden Differenzen zwischen Union und SPD stand der erste Teil des Koalitionspakets zur Rentenreform am Donnerstag erstmals im Plenum des Bundestags zur Debatte. In den Entwürfen ging es neben der Stabilisierung des Rentenniveaus auch um die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge und die Ausweitung der Mütterrente.

Neben dem Renten-Streit steht die Regierung auch in der Frage nach einem neuen Wehrdienstmodell auf der Probe: Am Dienstag war ein in der Koalition ausgehandelter Kompromissvorschlag zu Änderungen an dem Gesetzentwurf in letzter Minute gestoppt worden. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte in der SPD-Fraktion dazu „erhebliche Bedenken“ geäußert. (Quellen: dpa, afp, ARD, rtl, ntv)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ dts Nachrichtenagentur/ Daniel Scharinger

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