VonStephanie Munkschließen
Donald Trump will Grönland annektieren – notfalls auch durch einen Militäreinsatz? Mehrere Republikaner verurteilen die Ambitionen des US-Präsidenten.
Washington, D. C. – Mehrere Kongressabgeordnete der Republikaner stellen sich gegen Präsident Donald Trumps Überlegungen zu einer militärischen Annexion Grönlands. „Der Einsatz des Militärs ist nicht angemessen, nicht nötig und nichts, was ich unterstützen werde“, schrieb Senator John Curtis auf der Plattform X. Die Kritik aus den eigenen Reihen richtet sich gegen Trumps wiederholte Äußerungen, die USA bräuchten die zum Königreich Dänemark gehörende Arktisinsel für ihre nationale Sicherheit.
Besonders deutlich wurde der republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Don Bacon. Er erklärte im Sender CNN, das Ansinnen, sich Grönland einzuverleiben, sei eine der „dümmsten“ Sachen, die er seit einem Jahr aus dem Weißen Haus gehört habe. Die Gedankenspiele der Regierung schadeten den Beziehungen zu NATO-Verbündeten. Bacon forderte weitere Republikaner auf, der Trump-Regierung ihre Ablehnung deutlich zu machen.
Republikaner nennt Trump-Pläne zu Grönland „raketenmäßig dumm“
Nach einem Briefing durch Außenminister Marco Rubio äußerte sich Senator John Kennedy ebenfalls skeptisch: Selbst ein „mäßig intelligenter Neuntklässler“ wisse, dass eine Invasion Grönlands „raketenmäßig dumm“ wäre. Dennoch schloss Kennedy alternative Wege nicht aus und spekulierte jetzt über ein mögliches Referendum in Grönland zum Anschluss an die USA. „Ich sage nicht, dass das passieren wird, oder nicht passieren wird. Aber ich glaube, das ist wirklich das, was der Präsident meint“, erläuterte der Senator gegenüber CNN.
Grönland mit seinen rund 56.000 Einwohnern steht im Fokus von Donald Trump, der zwischen Kaufabsichten und militärischen Optionen schwankt. Bereits in seiner ersten Amtszeit sprach Trump davon, Grönland kaufen zu wollen, Dänemark ist strikt dagegen. Trumps Grönland-Spezialbeauftragter Jeff Landry wollte in einem Interview am Mittwoch (6. Januar) sogar eine militärische Operation der USA in Grönland nicht gänzlich ausschließen. Eigentlich wolle man Grönland aber zunächst ein „Angebot“ machen. Trump-Sprecherin Karoline Leavitt sagte ebenfalls, für die USA lägen „alle Optionen“ auf dem Tisch.
US-Außenminister Marco Rubio sagte der Presse zur Frage, ob die USA bei ihrem Bestreben, die Insel zu übernehmen, einen Bruch der Nato riskieren würden: „Wenn der Präsident eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA feststellt, behält sich jeder Präsident vor, dieser mit militärischen Mitteln zu begegnen.“
Trump will Grönland für nationale Sicherheit – Republikaner stellen sich gegen US-Anspruch
Die arktische Insel gehört zum Königreich Dänemark, ist aber weitestgehend autonom. Die Debatte gewann nach einem kürzlichen US-Militäreinsatz in Venezuela erneut an Brisanz. Die USA bräuchten Grönland für die nationale Sicherheit, sagte Trump. Trumps Vizestabschef Stephen Miller fiel ebenfalls mit scharfen Äußerungen zu Grönland auf: der US-Anspruch auf die Kontrolle über Grönland sei „offizielle Position der US-Regierung“. Millers Frau, die Influencerin und Ex-Regierungsberaterin Katie Miller, teilte auf X ein Foto einer Grönland-Karte in US-Farben mit den Worten „BALD“.
Der republikanische Senator Thom Tillis kritisierte Vizestabschef Miller dafür: Miller sollte entweder wissen, worüber er spreche oder sich einen neuen Job suchen, forderte er. Er betonte zudem die zentrale Bedeutung der NATO und Dänemarks als herausragendes Mitglied des Bündnisses. Die meisten seiner Kollegen teilten diese Einschätzung, „ob sie es laut sagen oder nicht“.
Dänemark: Angriff der USA auf Grönland wäre Ende der NATO
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte mit einer eindringlichen Warnung: Ein US-Angriff auf Grönland, das zu Dänemark und damit zur NATO gehört, wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. Sowohl Dänemark als auch die Regierung Grönlands weisen Trumps Besitzansprüche kategorisch zurück, unterstützt von der EU und zahlreichen europäischen Staaten.
Kommende Woche wollen sich US-Außenminister Marco Rubio und Vertreter Dänemarks treffen. Auch die Regierung Grönlands will daran teilnehmen. Mehrere europäische Länder haben sich nach dem von Trump befeuerten Streit um Grönland hinter Dänemark gestellt. Allein Dänemark und Grönland würden über Angelegenheiten entscheiden, die sie betreffen, heißt es in einer auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten Stellungnahme. (Quellen: AFP, Ntv, ZDF) (smu)
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