VonJana Stäbenerschließen
Ein Politologe aus den USA ist sich sicher, dass „Grönland für Trump der logische nächste Schritt“ ist. „Der Präsident ist schießwütig“, sagt er.
Washington – Erst Venezuela, dann Grönland? Das Weiße Haus schließt aktuell einen Militäreinsatz auf der zum Königreich Dänemark gehörenden Arktik-Insel ausdrücklich nicht aus, während der Außenminister Berichten zufolge von einem Kauf der autonomen Arktisinsel spricht. Indem der US-Präsident Donald Trump am 3. Januar den autoritären Staatschef Nicolás Maduro festnehmen und außer Landes bringen ließ, haben er und seine Regierung klargemacht, wie sie sich die neue Weltordnung und die Rolle der USA darin vorstellen, sagen Experten.
Der US-Politikanalyst Robert Benson ist sich sicher, dass „Grönland für Trump der logische nächste Schritt“ ist. Er arbeitet beim Center for American Progress (CAP), einem überparteilichen Politikinstitut. Als wir mit ihm telefonieren, klingt er desillusioniert und gestresst. „Hier in Washington stehen wir machtlos vor einem Präsidenten, der in keinerlei Hinsicht beschränkt wird“, sagt er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Trump und seine Regierung würden durch Venezuela „ermutigt und glauben nun, dass sie die Erfolgswelle für weitere Aktionen nutzen“ können. Nicht immer sei das eine militärische Intervention. „Es könnten auch Zwang oder sogar Mafia-ähnliche Verhandlungen sein, bei denen die Vereinigten Staaten Europa einfach damit drohen, die Unterstützung für die Ukraine zu entziehen, es sei denn, ihre Forderungen in der Hocharktis werden erfüllt.“ Europa und damit auch Deutschland müssten sich auf diese „sehr reale Möglichkeit“ vorbereiten.
Wenn Trump nach Grönland greife, gebe es wenig, was Europa, die NATO-Mitgliedsstaaten oder Dänemark tun könnten. Denn es gehe nicht nur um Sicherheitspräsenz in der Arktis, sondern darum, das Land für Trump und für die Menschen, die davon profitieren, zu beanspruchen. Zum Beispiel für Trumps Investoren. „Peter Thiel und andere mit Verbindungen zur Regierung haben bereits Interesse an Grönland gezeigt“, sagt der amerikanische Politikanalyst.
Experte warnt vor „Putinisierung der USA“ – „es ist tragisch“
Trump sei bei der US-Wahl 2024 eigentlich als eine Art „Friedenskandidat“ angetreten. Also als Präsident, der „unnötige Kriege“ beenden wollte. Aber dieses Bild habe sich schnell verändert. „Der Präsident ist schießwütig“, sagt Benson der Frankfurter Rundschau. „Wir sehen die Anfänge einer Doktrin entstehen, wo das Recht des Stärkeren gilt. Eine Doktrin, die viel eher mit dem Einsatz von Gewalt vereinbar ist, als das, was der Präsident und seine Regierung dem amerikanischen Volk verkauft haben.“
Völkerrechtsexperten sind sich einig, dass der US-Angriff auf Venezuela gegen die in der UN-Charta festgelegte regelbasierte Ordnung verstoßen habe. Trump sagte, sein Vorgehen sei Teil der „Donroe“-Doktrin. Der Begriff sollte ursprünglich ironisch verstanden werden und geht auf die Monroe-Doktrin zurück, die der ehemalige US-Präsident James Monroe vor über 200 Jahren entwickelte. Die New York Post verwendete die Bezeichnung vor etwa einem Jahr und benannte sie in „Donroe“ um – wobei der erste Buchstabe für das D in „Donald“ steht. Die Monroe-Doktrin habe eine Nichteinmischung Europas in die Politik der USA betont. „Was wir stattdessen sehen, ist eine mutierte Version dieser ursprünglichen Doktrin.“ Trump wolle eine dreigeteilte Einflusssphäre durchsetzen (USA, Russland und China) und das auf Kosten jeglicher Rechtsstaatlichkeit.
Wladimir Putin belohne bekanntermaßen Oligarchen in seinem Einflussbereich und nutze Außenpolitik als Werkzeug dafür. Er profitiere von korrupten Geschäften in der Ölindustrie genauso, wie es der US-Präsident nun vermutlich mit Venezuela plane. „Es ist tragisch“, sagt Benson und nennt die aktuellen Entwicklungen eine „Putinisierung“ oder „Russifizierung der USA“. (Quellen: dpa, eigene Recherche)
Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

