VonFelix Busjaegerschließen
Seit 47 Jahren wartet Reza Pahlavi im US-Exil auf eine Rückkehr in den Iran. Der Israel-Iran-Krieg könnte ihm nun die Chance seines Lebens bieten.
Update vom 23. Juni, 14.21 Uhr: Schah-Sohn Reza Pahlavi hat bei seiner heutigen Pressekonferenz an die Menschen im Iran appelliert: Die Zeit für einen Regimewechsel in dem Land sei gekommen. Er selbst wolle in Kürze sowohl einen Plan für eine 100-tägige Übergangsphase zur Demokratie, als auch einen ökonomischen Plan zum Wiederaufbau des Landes vorlegen, kündigte der iranische Exil-Politiker an.
Schah-Erbe Pahlavi will Plan für Regimewechsel im Iran vorlegen
Update vom 23. Juni, 12.21 Uhr: Schah-Sohn Reza Pahlavi wird in einem Livestream über die Lage im Iran sprechen. Das kündigte der Exilpolitiker in einem Post auf der Nachrichtenplattform X an. Es wird erwartet, dass Pahlavi über seine Einschätzung der Lage im Krieg zwischen Iran, Israel und den USA sprechen wird und sich dabei auch an das herrschende Mullah-Regime wenden wird.
Erstmeldung vom 19. Juni 2025: Teheran/Washington – Am 13. Juni 2025 trafen die ersten israelischen Raketen Nuklearanlagen in der Islamischen Republik Iran. Nur wenige Stunden später meldete sich eine Stimme aus dem amerikanischen Exil zu Wort. Reza Pahlavi, seit 47 Jahren Kronprinz ohne Krone, sah in der „Operation Rising Lion“ einen lang ersehnten Moment gekommen. „Brecht mit dem Regime. Schließt euch dem Volk an“, appellierte der 64-Jährige an die iranischen Sicherheitskräfte.
Kurz darauf ist Israel im Krieg. Und eine weitere Eskalation droht: Die Vereinigten Staaten stehen wohl kurz vor einem US-Militärschlag. Ein Angriff, der den endgültigen Sturz des Regimes einleiten könnte. Für Pahlavi birgt das bedrohliche Szenario hingegen die Chance seines Lebens: die Rückkehr zur alten Wirkstätte seines Vaters, dem letzten Schah von Persien.
Israel will Sturz des Iran-Regimes – Nachfolger wartet seit 47 Jahren auf Chance
Angesichts der jüngsten Eskalation im Israel-Iran-Krieg könnte nun eine Dynamik entstehen, die die Lage vor Ort erheblich verändern könnte. Erst am Donnerstag, dem 19. Juni, hatte Israels Verteidigungsminister Israel Katz Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei direkt ins Visier genommen. „Ein Diktator wie Chamenei, der an der Spitze eines Staates wie Iran steht, und sich die Zerstörung des Staates Israel auf die Fahne geschrieben hat, dieses schreckliche Ziel der Zerstörung Israels, kann nicht weiter existieren.“
Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert




Ein Sturz des Regimes im Iran scheint nicht mehr ausgeschlossen. Chamenei sei der „moderne Hitler“, sagte Katz. Wenn es damals schon die israelische Armee gegeben hätte, dann hätte man während des Zweiten Weltkriegs auch Hitler in seinem Bunker getötet. Katz fügte hinzu, Chamenei habe großen ideologischen Einfluss. Sollte das Regime in Teheran fallen, könnte sich für Pahlavi zur langersehnten Chance entwickeln. Derweil schrumft das Raketen-Arsenal des Iran dramatisch.
Pahlavi ist Sohn des letzten Schahs – und hofft auf Sturz des Regimes im Iran
In der Vergangenheit gehörte Pahlavi nicht zu den lautstarken Kritikern des iranischen Regimes. Wie die Welt schreibt, hoffte der Sohn des letzten Schahs allerdings 2023 schon auf eine Rückkehr in den Iran. Doch inmitten des Israel-Iran-Kriegs, als am 13. Juni 2025 die Operation „Rising Lion“ begann, meldete sich der Sohn des letzten Schahs binnen Stunden zu Wort und sprach sich für einen Sturz im Iran aus. Seitdem verbreitet der Sohn des Schahs regelmäßig Nachrichten an das iranische Volk.
„Die Islamische Republik hat ihr Ende erreicht und bricht zusammen. Auch Khamenei versteckt sich wie eine ängstliche Ratte unter der Erde und hat die Kontrolle über die Situation verloren. Was begonnen hat, ist unumkehrbar“, schrieb Pahlavi auf Instagram. „Das Ende der Islamischen Republik ist das Ende ihres 46-jährigen Krieges mit der iranischen Nation.“ Seit nunmehr über vierzig Jahren wird Pahlavi in gewissen Kreisen als rechtmäßige „Herrscher der Herrscher“ des Iran gesehen.
Doch nicht nur im Iran, sondern auch in der restlichen Welt sind die Erinnerungen an die Pahlavi-Dynastie nicht nur positiv. Der letzte Schah ging mit Brutalität gegen Andersdenkende vor und ließ Oppositionelle unterdrücken. Unklar ist aktuell, ob er sich angesichts der aktuellen Eskalation im Israel-Iran-Krieg tatsächlich Hoffnung auf eine Rückkehr in seine Heimat macht.
Hoffnungsträger nach Sturz des Iran-Regimes? Pahlavi als möglicher Nachfolger
Inwieweit sich Pahlavi zu einem Hoffnungsträger im Iran entwickeln könnte, ist bislang unklar. Zu früheren Zeitpunkten hatte er immer wieder erklärt, die zerstrittene Opposition zusammenführen zu wollen. Bei Teilen der Gruppen trafen diese Aussagen auf fruchtbaren Boden. Pahlavi strebt einen säkularen und demokratischen Iran an. Doch fast ein halbes Jahrhundert nach dem Persischen Reich sind die Erinnerungen an die Herrschaft seines Vaters verblasst, die monarchistischen Ambitionen des Sohnes umstritten, wie etwa die Monatszeitung analyse&kritik bereits 2023 feststellte.
Auch innerhalb der Exil-Opposition gibt es am möglichen Nachfolger Kritik, wie unter anderem die taz schrieb. Problematisch ist etwa, dass sich Pahlavi in der Vergangenheit zu wenig von den Unterdrückungsmethoden seines Vaters distanziert hat. Diese ambivalente Haltung soll es auch innerhalb der Gesellschaft geben. Nach Einschätzung von Experten ist die iranische Gesellschaft grundsätzlich tief gespalten, wenn es um die Monarchie-Frage geht. Und so bleibt Pahlavi vor einem möglichen Sturz des iranischen Regimes ein Exil-Herrscher ohne echte Machtbasis im Land selbst.
Falls das Mullah-Regime wegen des Israel-Iran-Kriegs stürzt – Pahlavi könnte Land wieder aufbauen
Aus internationaler Sicht bringt bereits allein der Name Pahlavi dennoch für einige Akteure Hoffnungen – wenn auch nur vorübergehend. Der Exil-Monarch könnte ein Machtvakuum im Iran nach dem Sturz des Regimes füllen. Ebendieses Szenario der gefährlichen Leere befürchtete auch der Außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Adis Ahmetović. Inmitten des drohenden Chaos würde Pahlavi dank seiner internationalen Kontakte, die ihn beim Wiederaufbau des Landes unterstützen könnten, wichtige Stabilität bringen. Hinzukommt, dass sein Vater zur Schah-Zeit als wichtigster Verbündeter Israels in der Region galt.
Für den Wiederaufbau des Iran könnte Pahlavi nach Einschätzung des RND auf eingefrorene Vermögenswerte im Ausland hoffen. Um bis zu 100 Milliarden Dollar soll es gehen. Ihre Freigabe sollte den zivilen Widerstand finanzieren bis hin zu „organisierten Arbeitsstreiks, die das System lähmen und es zum Zusammenbruch zwingen könnten“.
Israel-Iran-Krieg: Sturz des Regimes wäre Bewährungsprobe für Pahlavi
Reza Pahlavi verkörpert das Paradox der iranischen Opposition: Einerseits verfügt er über internationale Kontakte, finanzielle Ressourcen und einen klangvollen Namen, der den Iranern eine echte Alternative zur Islamischen Republik und dem Mullah-Regime eröffnen könnte. Andererseits kann er als Exil-Politiker nicht auf eine bestehende Machtbasis bauen. Pahlavis wahre Bewährungsprobe würde erst beginnen, wenn es zum Sturz des Regimes im Iran kommen würde.
Ob es ihm gelingen könnte, nach dem Sturz des Regimes zum Hoffnungsträger für die internationale Gemeinschaft zu werden, wird maßgeblich davon abhängen, ob er sich im Machtvakuum nach der islamischen Republik behaupten kann. Zumindest die israelische Regierung scheint dies für nicht unrealistisch zu halten: Der initiale Großangriff auf den Iran trug den Namen „Rising Lion“. Möglicherweise ist dies kein Zufall. Die Staatsflagge des Iran von 1964 bis 1979 unter Pahlavis Vater war die „Löwe und Sonne“-Flagge: ein stehender Löwe mit erhobenem Schwert, vor einer aufgehenden Sonne. (fbu)
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