Regierungskrise Großbritannien

Rishi Sunak: Williamson tritt zurück – das nächste Kabinett bröckelt

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Kurz nach Übernahme der Regierungsgeschäfte bröckelt das Kabinett von Rishi Sunak bereits: Gavin Williamson ist aufgrund von Mobbing-Vorwürfen zurückgetreten.

London – Es hat nicht lange gedauert, bis auch das erste Kabinettsmitglied von Englands neuem Premierminister Rishi Sunak gehen musste: Gavin Williamson verlässt die Regierung. Er war wegen Vorwürfen des Mobbings gegenüber der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Wendy Morton zuletzt massiv unter Druck geraten.

Auch für Rishi Sunak ist die Personalie mehr als nur unangenehm: Er soll von den Mobbing-Vorwürfen gewusst haben, als er Williamson in sein Kabinett berief. Der genaue Inhalt der Textnachrichten, die der Tory-Politiker an seine Parteikollegin geschickt hatte, sollen ihm zwar angeblich nicht bekannt gewesen sein, doch trotzdem: Der Fall rückt auch Sunak in kein gutes Licht.

Rishi Sunaks Kabinett: Vorwurf des Mobbings an Wendy Morton – deshalb tritt Gavin Williamson zurück

Im Kabinett von Premierminister Rishi Sunak gibt es damit die ersten personellen Veränderungen: Gavin Williamson tritt wegen der Vorwürfe des Mobbings an der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Wendy Morton zurück. Zuletzt waren Textnachrichten des Staatsministers ohne Geschäftsbereich bekannt geworden, in denen er Morton unter anderem gedroht hatte, „Mal sehen, wie oft du uns noch verarschen kannst. Es gibt für alles einen Preis.“ Nun ist Williamson nur rund zwei Wochen nach Sunaks Kabinettsvorstellung zurückgetreten – das nächste Kabinett in Großbritannien bröckelt.

Gavin Williamson war wegen verschiedener Mobbingvorwürfe unter Druck geraten, jetzt ist er zurückgetreten. (Archivbild)

Williamson erklärte laut Tagesschau, er weise die „Charakterisierung“ seines Handelns zurück. Trotzdem sehe er ein, dass die Arbeit der Regierung unter Rishi Sunak durch den Fall beeinträchtigt werden könnte. Es ist nicht der erste Rückzug Williamsons aus Regierungsverantwortung: Auch unter der Premierministerin Theresa May und Premierminister Boris Johnson hatte er ministeriale Ämter übernommen, doch dann gehen müssen.

Englands „prime minister“ Rishi Sunak will Untersuchungen zu Gavin Williamson abwarten

Eine gute Figur macht auch Rishi Sunak selbst in diesem Fall keineswegs: Trotz der ihm angeblich grundsätzlich bekannten Vorwürfe des Mobbings hatte er selbst Gavin Williamson in sein Kabinett geholt. Mit Bekanntwerden der Textnachrichten, die die Sunday Times veröffentlicht hatte, war auch der Premier dazu gezwungen, sich zu äußern. Rishi Sunak hatte erklärt, die Sprache in den veröffentlichten Nachrichten sei „inakzeptabel“ – in der Frage nach konkreten Mobbing-Vorwürfen erklärte Englands „prime minister“ jedoch, es sei „richtig“ ein unabhängiges Beschwerdeverfahren abzuwarten.

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Der aktuelle Fall nährt Fragen nach Sunaks Einschätzungsvermögen, was seine Personalentscheidungen betrifft. Zudem verdeutlicht die Angelegenheit einmal mehr die Zerstrittenheit innerhalb der Tories. Labour-Vizechefin Angela Rayner brachte die Vorwürfe gegen den neuen Premierminister auf den Punkt: „Das ist wieder einmal ein Beispiel für Rishi Sunaks schlechtes Urteilsvermögen und schwache Führung“, so die Oppositionspolitikerin. Sunak wollte Ruhe in die zerstrittene Partei bringen, gelungen ist ihm das bisher nicht – im Gegenteil.

Rishi Sunak, Sir Gavin Williamson und dessen Reaktion auf die Kartenvergabe zur Beerdigung der Queen

Das Verhältnis zwischen Sir Gavin Williamson und der Fraktionsvorsitzenden unter Liz Truss, Wendy Morton, galt grundsätzlich als angespannt. Akuter Auslöser der Textnachrichten an Morton war offenbar Williamsons Ärger darüber, bei den Einladungen zur Beerdigung der Queen nicht berücksichtigt worden zu sein. Er warf der damaligen Fraktionsvorsitzenden vor, die Kartenvergabe zu „manipulieren“. Williamsons Textnachrichten beinhalteten Aussagen, die als Drohung gewertet werden können, darunter „Vergessen Sie auch nicht, dass ich weiß, wie das funktioniert“ und „alles hat seinen Preis“. Eines bleibt in England ganz beim alten: Die Regierungskrise geht weiter – auch unter Rishi Sunak.

Rubriklistenbild: © Tayfun Salci/ZUMA Press Wire/dpa

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