Vorgezogene Bundestagswahl

Im Vorfeld des Parteitags: Habeck plant Neuordnung der Grünen-Führung – ohne Baerbock

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Deutschland steht im Februar vor Neuwahlen. Kanzlerkandidat Robert Habeck plant für den Wahlkampf eine neue Führungsstruktur, die überwiegend von Männern besetzt sein soll.

Berlin – Der Bundestag soll am 23. Februar vorzeitig neu gewählt werden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stimmte am Abend dem von den Fraktionschefs von Union und SPD ausgearbeiteten Terminplan zu. Seit dem Ende der Ampel-Regierung in der vergangenen Woche bereiten sich die Parteien auf die kommenden Neuwahlen vor – zum ersten Mal wird es dabei vier Kanzlerkandidaten geben.

CDU und CSU haben frühzeitig und überraschend geräuschlos Unionsfraktionschef Friedrich Merz als ihren Kandidaten bestimmt. Der AfD-Vorstand plant, Parteichefin Alice Weidel am 7. Dezember offiziell ins Rennen zu schicken. Die Grünen hingegen wollen auf ihrem Parteitag am Wochenende Wirtschaftsminister Robert Habeck als Kanzlerkandidaten nominieren – somit wird der Fokus des Wahlkampfs wird nun verstärkt auf ihm liegen.

Bundeswirtschaftsminister und Kanzlerkandidat Robert Habeck (Grüne)

„5er-Gremium Wahlkampf“ – Habeck will eine neue Machtstruktur für den Wahlkampf

Laut einem Bericht der Bild plant Habeck offenbar eine neue Machtstruktur für den Wahlkampf, die vorwiegend von Männern gesteuert werden soll. Demnach soll die bisherige „6er-Runde“ abgelöst werden, in der bislang die beiden Parteivorsitzenden, aktuell Ricarda Lang und Omid Nouripour, künftig Franziska Brantner und Felix Banaszak, die Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann sowie die Minister Habeck und Annalena Baerbock vertreten sind. Diese Runde besteht derzeit aus vier Frauen und zwei Männern.

Stattdessen soll ein neues „5er-Gremium Wahlkampf“ alle zentralen Entscheidungen treffen. Das neue Team, das nach Informationen der Bild auf einem Organigramm der Grünen-Parteizentrale basiert, besteht aus den künftigen Parteichefs Brantner und Banaszak, Kanzlerkandidat Habeck und den Wahlkampf-Managern Andreas Audretsch und Frederic Carpenter – vier Männer und eine Frau. In der Partei sorgt dieser Vorschlag für Unmut, insbesondere wegen der Schwächung von Baerbock und der Fraktionsvorsitzenden. Ein Abgeordneter äußerte gegenüber der Bild: „Diese Wahlkampf-Struktur geht so nicht. Das sollte auf keinen Fall umgesetzt werden.“

Vorgezogenen Bundestagswahl: Grüne sind bereit für die anstehende Neuwahlen

Die Grünen sehen sich auch bei einer frühzeitigen Bundestagswahl gut aufgestellt. „Wir sind bereit für den anstehenden Wahlkampf“, sagte die politische Geschäftsführerin der Partei, Emily Büning, in Berlin. Binnen weniger Wochen nach der Wahl eines neuen Vorstands beim Bundesparteitag am kommenden Wochenende werde der Vorstand einen Entwurf für ein Bundestagsprogramm vorlegen. Dies werde wesentlich kürzer ausfallen als ein reguläres Programm und solle bei einem weiteren Parteitag beschlossen werden. Das Programm der Grünen für die letzte Bundestagswahl 2021 hatte rund 270 Seiten umfasst.

Die Bundesvorsitzenden der Grünen: Von Jürgen Trittin bis Ricarda Lang

Krista Sager und Jürgen Trittin von den Grünen
Im Dezember 1994 traten Krista Sager und Jürgen Trittin als Doppelspitze des noch jungen Zusammenschlusses namens „Bündnis 90 / Die Grünen“ an. Beide wurden zu Sprecherin und Sprecher des Bundesvorstands der Partei gewählt. Gemeinsam lenkten sie die Geschicke der Partei für zwei Jahre bis 1996. © Sepp Spiegl/imago-images
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel.
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel. © Jürgen Eis/imago-images
Gunda Röstel blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin.
Gunda Röstel (l) blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin. Von 1998 bis 2000 wurde die Partei damit von zwei Frauen an der Spitze geführt. © Sven Simon/imago-images
Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands.
Im Jahr 2000 tauschten die Grünen ihr Führungspersonal komplett aus. Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands. Ihre Amtszeit hielt aber nur ein Jahr bis 2001. © imago stock&people
Fritz Kuhn und Claudia Roth
Aus Bundesprechern wurden bei den Grünen im Jahr 2001 Bundesvorsitzende. Die ersten Beiden, die dieses Amt bekleideten, waren Fritz Kuhn und Claudia Roth. © Sven Simon/imago-images
Reinhard Bütikofer und Angelika Beer
Nur ein Jahr später der nächste Wechsel an der Spitze der Grünen. Reinhard Bütikofer und Angelika Beer rücken auf und bilden den Bundesvorstand der Partei von 2002 bis 2004. © imago-images
Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer
2004 kehrte Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer. Das Duo blieb bis 2008 im Amt. © Sven Simon/imago-images
Claudia Roth und diesmal Cem Özdemir das Führungsduo der Grünen
Claudia Roth blieb insgesamt bis 2013 im Amt. Ab 2008 mit neuem Co-Vorsitzenden: Cem Özdemir. © Jan Huebner/imago-images
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter.
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter. © Rüdiger Wölk/imago-images
nnalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen
Im Jahr 2018 übernahmen Annalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen. Nach dem Einzug der Grünen in die Bundesregierung legten sie ihre Ämter nieder und schlossen sich dem Kabinett von Bundeskanzlern Olaf Scholz an. © Chris Emil Janssen/imago-images
Omid Nouripour und Ricarda Lang
Es folgten Omid Nouripour und Ricarda Lang. Sie übernahmen den Vorsitz des Bundesvorstands der Grünen im Jahr 2022. Zwei Jahre später verkünden beide ihren Rücktritt als Reaktion auf zahlreiche Wahlschlappen ihrer Partei. Wer die Umweltpartei künftig führt, ist noch offen. © dpa

Die Kür des Kanzler- oder Spitzenkandidaten der Grünen ist für Sonntag geplant. Neben Robert Habeck gibt es keine aussichtsreichen Bewerber. Ob dieser als Kanzler- oder Spitzenkandidat nominiert werden soll, wollte Büning nicht verraten. Er selbst hatte in seinem Bewerbungsvideo an die Wählerinnen und Wähler gewandt erklärt: „Ich bin bereit, meine Erfahrung, meine Kraft und meine Verantwortung anzubieten. Wenn Sie wollen, auch als Kanzler.“

Die Grünen bereiten sich nach den Worten Bünings seit dem Sommer auf eine vorgezogene Bundestagswahl vor. Wahlplakate könnten auch schon gedruckt werden, bevor das neue Wahlprogramm beschlossen sei. (jal/dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Soeren Stache

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