Parteien in Deutschland

CSU: Eine Partei zwischen Dominanz und Abwärtstrend

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Die CSU ist die kleinere der beiden Unionsparteien. Sie steht nur in Bayern zur Wahl. Trotzdem macht die Partei deutschlandweit von sich reden.

Berlin - Die Union hat Deutschland von 2005 bis 2021 insgesamt 16 Jahre lang regiert, seit der Gründung der Bundesrepublik 1949 stellten die Christlich-Konservativen insgesamt 52 Jahre den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin. Doch die Union hat eine Besonderheit. Denn eigentlich besteht sie aus formell unabhängigen Schwesterparteien: der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) und der Christlich Sozialen Union in Bayern (CSU).

Partei­vorsitzenderMarkus Söder
General­sekretärMartin Huber
Stell­vertretende VorsitzendeDorothee Bär, Angelika Niebler, Manfred Weber, Melanie Huml, Katrin Albsteiger
Schatz­meisterHans Reichhart, Sebastian Brehm
Haupt­geschäfts­führerTobias Schmid
Ehren­vorsitzendeEdmund Stoiber, Theo Waigel, Horst Seehofer
Gründung13. Oktober 1945

CSU hat das konservative Monopol in Bayern

Entstanden ist diese für die Parteienlandschaft seltsame Formierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits 1945 formierten sich die ersten Elemente der späteren CSU, mit dem Ziel eines konservativen und christlich geprägten Kurses für Bayern. Während sich jedoch in den restlichen Bundesländern die CDU durchsetzte, pochte die bayerische CSU immer wieder auf ihre Unabhängigkeit von der christlichen Schwesterpartei. In der Tradition verstand sich die CSU als Fortführung der Bayerischen Volkspartei aus der Weimarer Zeit.

Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist der Vorsitzende der CSU.

Politisch unterscheiden sich die beiden Unionsparteien auf den ersten Blick wenig. Beide verstehen sich als Vertreter der Christdemokratie, sind in der Tendenz konservativ, für Föderalismus und Soziale Marktwirtschaft. Die CSU ist jedoch die Konservativere der beiden Schwesternparteien, stets mit einem starken Fokus auf das Bundesland Bayern. In der Bundespolitik wurde diese Bevorteilung des Bundeslandes auch immer wieder kritisiert.

In Bayern selbst hat die CSU quasi ein Monopol: Seit 1957 stellt sie in dem süddeutschen Bundesland den Ministerpräsidenten, der meist auch zugleich Parteivorsitzender der CSU ist. Lange Zeit regierte die CSU das Bundesland sogar, ohne auf Koalitionspartner angewiesen zu sein. Derzeitiger CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident ist Markus Söder, der auch als möglicher Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2021 gehandelt wurde. Das Rennen machte allerdings Armin Laschet.

Auch bei der Bundestagswahl 2025 konnte sich Söder nicht durchsetzen. Dieses Mal führte Friedrich Merz die Union in die Wahl und zum Sieg. Im Mai 2025 wurde Merz zum zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt.

CSU ist nicht immer einig mit der CDU

Bundespolitisch setzt die CSU meistens auf Harmonie mit der CDU. Die CSU bleibt in Bayern, die CDU ist in den anderen Bundesländern vertreten. Im Bundestag sitzen beide Parteien in derselben Fraktion, was dazu führt, dass beide Parteien bundespolitisch oft fälschlicherweise als identisch angesehen werden. Die CSU ist auch im Europaparlament vertreten, dort gehören sie wie die Abgeordneten der CDU der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) an.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Einigkeit herrschte jedoch nicht immer: Im Laufe der Geschichte der Parteien gab es immer wieder Momente, die die Zusammenarbeit mit der großen Schwester auf die Probe stellten. So etwa 19796, als die CSU-Landesgruppe im Bundestag beschloss, die Fraktionsgemeinschaft nicht fortzuführen. Grund war, dass die CSU bei der vorhergehenden Bundestagswahl zwar 60 Prozent der Stimmen in Bayern geholt hatte, die Kanzlerschaft jedoch an Helmut Schmidt von der SPD ging.

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Die CSU bekommt Konkurrenz am rechten Rand

Auch später kam es immer wieder zu ähnlichen Vorfällen und Drohungen, zuletzt 2016, als CSU-Parteichef Horst Seehofer Kanzlerin Angela Merkels Kurs in der Flüchtlingspolitik nicht mehr mittragen wollte. Meistens blieb es jedoch bei Drohungen, die die CSU meistens dazu nutzte, den Diskurs zu ihren Gunsten zu verschieben, oder Druck auf die große Schwester CDU aufzubauen. Obwohl die CSU nur im Bundesland Bayern antritt, sieht sie sich als autonomen Akteur im politischen Berlin.

Lange Zeit sah sich die CSU als alleinige Vertretung der Konservativen. So sagte der langjährige Parteivorsitzende und Bundesminister Franz Josef Strauß einmal, dass es rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben dürfe. In den vergangenen Jahren spürt die CSU daher vor allem den Druck der mittlerweile in allen Landesparlamenten und auch im Bundestag vertretenen Alternative für Deutschland (AfD). Eine Koalition mit den Rechtspopulisten lehnt die CSU jedoch strikt ab.

Bei der Bundestagswahl 2021 musste die CSU das schlechteste Ergebnis seit 1949 hinnehmen. Mit nur 6,0 Prozent der Erststimmen, 5,2 Prozent der Zweitstimmen und 31,7 Prozent in Bayern – erlitt die CSU starke Verluste. Besonders in Städten hatte die Partei verloren, während besonders die AfD im ländlichen Raum gewann.

Harte Erkenntnis: Die CSU ist stark in Bayern, aber schwach in Berlin

Zur bayrischen Landtagswahl 2023 schaffte es die CSU sich zumindest vorerst zu stabilisieren, und gewann die Wahl mit 37 Prozent. Auch die freien Wähler konnten zulegen – was Markus Söder durchaus in die Karten spielte, da dieser auf eine Fortführung der Koalition mit der rechtspopulistischen Partei spekuliert hatte. In Summe also eine erfolgreiche Wahl für die CSU, welche ihre Stellung als stärkste bayrische Partei behaupten und die mit dem bewährten Koalitionspartner in eine neue Legislatur starten konnte.

Bei der Europawahl 2024 kam die CSU deutschlandweit auf 6,3 Prozent, in Bayern auf 39,7 Prozent. Damit sanken die Christsozialen erstmals unter die symbolische 40-Prozent-Marke. Die Grünen hatten in Städten gewonnen, die AfD weiter im ländlichen Raum. Dennoch: Die CSU sicherte sich die meisten bayrischen Plätze im Europaparlament.

Auch 2025 – bei der vorgezogenen Bundestagswahl – konnte die CSU den Abwärtstrend nicht vollends stoppen. Zwar konnte sie im Vergleich zur vorherigen Bundestagswahl fünfeinhalb Prozentpunkte zurückgewinnen – doch sie hatte insgesamt nur das zweitschwächste Ergebnis seit 1949 erreicht. Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass die AfD deutlich an Stimmen gewann, und die CDU insgesamt schwächer abschloss als erwartet.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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