Möglicher Präsidentschafts-Kandidat

Ist Ron DeSantis der „klügere und diszipliniertere“ Trump?

+
Floridas Gouverneur Ron DeSantis führt den Gedenktag für „Opfer des Kommunismus“ ein
  • schließen

Der Republikaner Ron DeSantis wurde als Kandidat für die US-Wahl 2024 gehandelt. Aus den Midterms 2022 ging er als Sieger hervor. Doch später zog er sich zurück.

Washington D.C. – Ron DeSantis ist Gouverneur von Florida. In der Republikanischen Partei gilt er jedoch als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des amerikanischen Präsidenten. Insbesondere durch seine langjährige Unterstützung des US-Präsidenten Donald Trump schärfte sich DeSantis politisches Profil. Wofür steht der streng konservative Mann, der bei den Midterm-Wahlen 2022 in den USA erneut antrat und bei der US-Wahl 2024 Präsident werden wollte?

NameRonald Dion „Ron“ DeSantis
Geburtstag14. September 1978
GeburtsortJacksonville, Florida
ParteizugehörigkeitRepublikanische Partei
Familieverheiratet, drei Kinder

Bei den Midterms am 8. November 2022 musste DeSantis sein Amt als Gouverneur von Florida verteidigen. Die US-Bürger entschieden an diesem Tag, welche Abgeordnete in den Senat und das Repräsentantenhaus einziehen. Zudem wurde in insgesamt 36 Bundesstaaten ein neuer Gouverneur gewählt. DeSantis ging als strahlender Sieger aus der Wahl hervor – er wurde mit klaren 59,4 Prozent im Amt bestätigt. Damit stärkt er seine Position als möglicher Präsidentschaftskandidat der Republikaner – und wird zum stärksten Konkurrenten von Donald Trump im Wahlkampfrennen. Längst gilt der deutlich jüngere DeSantis als aufgehender Stern am republikanischen Himmel.

Ron DeSantis‘ Kindheit und Jugend

Ron DeSantis wurde am 14. September 1978 in Jacksonville im US-Bundesstaat Florida geboren. Er entstammt einer Familie italienischer Einwanderer. Alle seine acht Urgroßeltern immigrierten aus Italien, seine Eltern Ronald DeSantis Sr. und Karen Rogers kamen jedoch bereits in Florida zur Welt.

Ron DeSantis genoss eine katholische Erziehung. Er studierte nach seinem College-Abschluss zunächst an der Yale University, später an der Harvard Law School. Er war unter anderem Kapitän seines College-Baseballteams und Mitglied der Studentenverbindung Delta Kappa Epsilon. Sein Studium schloss DeSantis mit „Juris Doctor Cum Laude“ ab.

2004 begann Ron DeSantis als Offiziersanwärter zu arbeiten

Nebenbei begann Ron DeSantis 2004 als Offiziersanwärter bei der Marinegerichtsbarkeit beim Judge Advocate General’s Corps (JAGC) der US Navy zu arbeiten. Ab 2005 war er auf dem Stützpunkt Naval Station Mayport beschäftigt. 2006 wurde er zum Lieutenant befördert. In dieser Zeit arbeitete er unter anderem für den Kommandeur der „Vereinigten Einsatzgruppe Guantanamo“, die für das amerikanische Gefangenenlager auf Kuba zuständig ist. 2007 ging Ron DeSantis für ein Jahr als militärischer Rechtsberater in den Irak. Für seinen Einsatz erhielt er zahlreiche militärische Auszeichnungen.

Umfrage: Glauben Sie, dass Ron DeSantis eine Chance auf das Amt des Präsidenten hat?

Im Anschluss arbeitete Ron DeSantis als Ermittler im Büro des Bundesstaatsanwalts in Florida, unterrichtete zudem Militärrecht an der Florida Coastal School of Law und arbeitete als Militärstrafverteidiger.

Von 2013 bis 2018 saß Ron DeSantis als republikanischer Abgeordneter Floridas im US-Repräsentantenhaus in Washington, D.C. Dort war er trotz mehrfacher Wiederwahl relativ erfolglos: In fünf Jahren im Kongress initiierte Ron DeSantis vier eigene Gesetzesvorlagen – keine davon konnte er durchbringen.

Ron DeSantis als Gouverneur von Florida

Ron DeSantis gehört zum streng konservativen Lager der Republikanischen Partei. So wurde er 2018 zum Gouverneur von Kalifornien gewählt, obwohl er mit rassistischen Äußerungen gegenüber seinen schwarzen Gegenkandidaten Andrew Gillum aufgefallen war. Sein Amt trat er 2019 an.

Ron DeSantis ist Mitbegründer der „Freedom Caucus“-Bewegung. Diese stellt sich gegen jede Reformbestrebung der Demokraten. Er gilt als einer Klimawandel-Skeptiker und ist Unterstützer der Waffen-Lobby. Umstritten sind DeSantis „Don‘t Say Gay“- und „Stop Woke“-Gesetze, die das Erwähnen von Gender-Themen und die Aufklärung über Rassismus an Kindergärten und Grundschulen verbieten. Zudem organisierte DeSantis Wahlkreise in Florida zum Vorteil seiner Partei und zum Nachteil der Demokraten neu.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Präsident DeSantis? Hoffnungen zu den Midterms

Ron DeSantis‘ Ambitionen auf das Präsidentenamt hingen auch mit seinem großen Vorbild Donald Trump zusammen. Seine Hoffnungen speisten sich aus den juristischen Problemen des Ex-Präsidenten und steigender Umfragewerte des jüngeren Gouverneurs. Seitdem wurde immer öfter über eine mögliche Kampfkandidatur DeSantis‘ spekuliert. Die Midterms für Ron DeSantis wurden als eine Art Probelauf für die US-Wahl 2024 betrachtet.

Im August 2023 wusste der potenzielle Präsident zu überraschen: Er erkannte die Wahlniederlage Trumps von 2020 an. Zuvor war er der Frage häufig ausgewichen. Im gleichen Zeitraum kündigte DeSantis auch erste konkrete Pläne für den Fall eines Wahlsieges an: Er werde am ersten Tag „Kehlen aufschlitzen“.

Zum Januar 2024 zog DeSantis überraschend seine Kandidatur zurück und empfahl seinen Anhängern, den Konkurrenten Trump zu wählen. 

Kommentare