Russischer General macht Fehler: Hintergrund-Landkarte enthüllt echte Ukraine-Pläne
VonBabett Gumbrecht
schließen
Putins Generalstabschef beteiligte sich nicht an Verhandlungen zum Ukraine-Krieg, sondern offenbarte wahrscheinlich die echten territorialen Absichten.
Moskau – Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow hat möglicherweise Moskaus wahre territoriale Ambitionen im Ukraine-Krieg preisgegeben. In einem am Samstag (30. August) veröffentlichten Video des russischen Verteidigungsministeriums war hinter dem Generalstabschef während seiner Rede eine Landkarte zu sehen, die auf russische Pläne zur Eroberung der Oblast Odessa und Charkiw hindeutet. Ob das ein peinlicher Fehler war oder pure Absicht, lässt sich nicht klar verifizieren.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Es könnte aber durchaus als eine Provokation Russlands gegen den Westen und die Ukraine gedeutet werden. Denn Gerassimow kündigte während seiner Rede über Russlands Frühjahrs- und Sommerfeldzug, ungeachtet westlicher Forderungen nach Friedensverhandlungen, eine Fortsetzung des russischen Angriffskrieges mit neuen Zielen für den Herbst an.
Kein Ende des Ukraine-Kriegs: Russischer General über Herbstoffensive
Es liefen derzeit unaufhörlich Angriffe entlang der gesamten Frontlinie, sagte Gerassimow zu der seit mehr als dreieinhalb Jahren andauernden Invasion in der Ukraine. „Heute legen wir die Aufgaben fest für die Gruppen der Streitkräfte, die auf die Herbstperiode gerichtet sind“, sagte er. Die Aussagen stehen im Gegensatz zu den Forderungen etwa von US-Präsident Donald Trump, den Krieg rasch zu beenden.
Nach Darstellung von Gerassimow werden im Moment rund 99,7 Prozent des ukrainischen Gebiets Luhansk von den russischen Streitkräften kontrolliert. Im ukrainischen Gebiet Donezk seien es 79 Prozent und in den Gebieten Cherson 76 Prozent und Saporischschja 74 Prozent. Unabhängig überprüfbar sind die Angaben nicht.
Neue Karten enthüllen: Russland will Eroberung von Odessa und Charkiw
Während Russland unter Wladimir Putin öffentlich nur die vollständige Kontrolle über die Oblaste Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja fordert, deutet die Karte auf Pläne hin, die auch Odessa und Charkiw umfassen – Gebiete, die bisher nicht in Moskaus offiziellen Forderungen enthalten waren. Die Eroberung beider Oblaste würde Moskau die Kontrolle über die gesamte ukrainische Schwarzmeerküste, wichtige Verkehrsknotenpunkte und Industriezentren verschaffen, berichtet die Kyiv Post.
Außerdem fordert Russland, dass sich die ukrainischen Streitkräfte etwa aus dem Gebiet Donezk komplett zurückziehen und die Region Moskaus Armee überlassen, um einen Waffenstillstand zu erzielen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnt das ab – auch, weil gerade die dort von der Ukraine gehaltenen Städte Slowjansk und Kramatorsk als wichtige Bastionen der Verteidigung gelten. Russland droht deshalb, die Städte zu erobern.
Das russische Delegationsmitglied bei den bisherigen Verhandlungen, Kirill Dmitrijew, sagte, die Europäer versuchten, den Ukraine-Konflikt durch nicht erfüllbare Forderungen in die Länge zu ziehen. Die USA hätten begonnen, das zu verstehen. „Die EU sollte aufhören, den Friedensprozess zu sabotieren“, sagte er. Russland kritisiert etwa immer wieder, dass die Europäer Truppen in die Ukraine zur Absicherung eines möglichen künftigen Friedens entsenden wollen. Moskau lehnt aber Vertreter aus Nato-Staaten kategorisch ab.
EU wirft Putin Verzögerungstaktik vor: Selenskyj trifft deswegen europäische Spitzenpolitiker in Paris
Die Europäer wiederum werfen Russland eine Verzögerungstaktik vor. Moskau versuche mit der Aussicht auf Verhandlungen und immer neuen Fristen, Zeit zu gewinnen für neue Angriffe, heißt es auch in Kiew. Allein in der vergangenen Woche hatte Russland zwei massive nächtliche Luftangriffe mit Hunderten Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern gegen die Ukraine geflogen.
Vor dem Hintergrund der Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges ist nach Angaben aus europäischen Politikerkreisen für Donnerstag (4. September) ein Treffen Selenskyjs mit europäischen Spitzenpolitikern in Paris angesetzt. Ein solches Treffen sei geplant, um Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu erörtern „und die Diplomatie voranzubringen, weil die Russen die Dinge erneut hinauszögern“, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Montag (1. September) aus europäischen Politikerkreisen. Weiter hieß es, Trump werde „bislang nicht dazu erwartet“.
Ob Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an dem Treffen teilnimmt, stand allerdings zunächst noch nicht fest. Die Planungen seien noch in einem Anfangsstadium, hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Die US-Regierung von Trump setzt seit Monaten auf ein rasches Kriegsende, aktuell auch durch ein direktes Treffen der Präsidenten Russlands und der Ukraine, Putin und Selenskyj. Fortschritte mit Blick auf eine Friedenslösung oder auch nur auf ein solches Treffen sind bislang jedoch nicht erkennbar. (bg/dpa)