Ukraine „erst der Anfang“: Russischer General droht Europa – und wird von Putin befördert
VonLukas Rogalla
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Karsten-Dirk Hinzmann
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Nur ein „Zwischenschritt“? Der russische General Andrej Mordwitschew prophezeit die Ausdehnung des Kriegs gegen die Ukraine – was Putin wohl gefällt.
Update vom 9. September, 22.15 Uhr: Im Interview mit dem Propagandisten Wladimir Solowjow hatte der ranghohe russische General Andrej Mordwitschew gesagt, dass der Krieg gegen die Ukraine lediglich ein „Zwischenschritt“, das Nachbarland „erst der Anfang“ sei. Nun wird bekannt: Präsident Putin hat Mordwitschew offenbar befördert. Das berichtet die US-Denkfabrik „Institute for the Study of War“, die sich täglich mit dem Geschehen auf und neben dem Schlachtfeld auseinandersetzt.
Das ISW schätzt ein, dass die Beförderung eher mit Loyalität und Gehorsam gegenüber dem Kreml und der obersten Militärführung zusammenhänge, als mit Erfolgen im Krieg gegen die Ukraine. Putin hatte Mordwitschew immer wieder öffentlich gelobt. Seine Truppen kämpfen vor allem an der Kupjansk-Front im Nordosten der Ukraine, wo Russland vor wenigen Wochen in die Offensive gegangen ist und Kiews Truppen seitdem unter Druck setzt.
Russischer General: Krieg gegen die Ukraine „erst der Anfang“
Erstmeldung: Moskau – Er wolle das ausdrücklich „betonen“, wie er damals sagte: „Die Ukraine ist für uns nicht einfach ein Nachbarland. Sie ist integraler Bestandteil unserer eigenen Geschichte, unserer Kultur, unseres geistigen Raums.“ Damit begründete Russlands Präsident Wladimir Putin die Invasion der Ukraine in seiner Rede an die Nation im Februar 2022. Jetzt stößt einer seiner obersten Heerführer nach. Als „Zwischenschritt“ bezeichnet Generalleutnant Andrej Mordwitschew den Krieg in der Ukraine; und öffnet Raum für Spekulationen.
Mit seiner Aussage war Mordwitschew kürzlich im staatlichen Fernsehsender Rossija 1 zu sehen; einen Ausschnitt zeigt ein Post auf der Plattform X (vormals Twitter). Das gefilmte Gespräch zwischen ihm und dem russischen Propagandisten Wladimir Solowjow wird mit englischen Passagen untertitelt; danach sei der Ukraine-Krieg nur ein Kapitel einer größeren Operation. Die Ukraine „ist erst der Anfang“, wie er zu Solowjow sagt.
Putin will mit einem Großrussland zurück auf die Weltbühne
Möglicherweise der Anfang eines neuen russischen Reichs in ehemaligen Grenzen – beispielsweise denen zu Zeiten des Zarenreiches. Dazu gehörten neben dem heutigen russischen Gebiet der größte Teil der Ukraine dazu, Belarus, Moldau, Estland, Lettland, Litauen, Finnland, ein großer Teil Polens, Flächen im Nordosten der Türkei, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, inklusive des 1867 an die USA verkauften Alaskas. Oder die russischen Militärs denken wieder in den Grenzen des Warschauer Pakts, dem bis 1991 bestehenden Militärbündnis zwischen der Sowjetunion, Albanien, Bulgarien, Polen, Rumänien, der damaligen Tschechoslowakei sowie Ungarn.
So weit die Füße tragen: Laut einem ranghohen General werden russische Soldaten bald weit über die Grenzen der Ukraine hinaus marschieren (Symbolbild).
In welchen Grenzen auch immer: Putin will mit einem Großrussland zurück auf die Weltbühne. Und sein Herold ist ein militärisches Schwergewicht: Generalleutnant Andrej Mordwitschew kommandiert seit Anfang 2023 den Militärbezirk „Mitte“ und damit zwischen 30.000 und 50.000 Mann. Laut der russischen Nachrichtenplattform RBC führte Mordwitschew die russischen Einheiten bei der Offensive in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol, die nach monatelangem massivem Beschuss und Belagerung des Asow-Stahlwerkes erobert wurde.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Ende 2022 hatte der Historiker Karl Schlögel gegenüber t-online sein Erschrecken geäußert, dass die politischen Akteure in Russland wechseln, aber die aggressive Rhetorik die gleiche Schärfe behält. Er zitierte eine Äußerung des Putin-Vertrauten Dmitri Medwedew: „Wir haben Zeit.“ Schlögel zu t-online: „Diese Worte sind eine ungeheure Drohung. Was auch immer geschehen mag, wie viele westliche Politiker auch immer der Ukraine ihre Unterstützung versichern mögen: Am Ende entscheidet Moskau. Das ist die unmissverständliche Botschaft.“
Diese Drohung hat General Mordwitschew jetzt noch einmal wiederholt: Er sieht die Zeit als mächtigen Verbündeten seiner Armee und seines Auftrags. Mordwitschew zu Rossija 1: „Ich denke, der Krieg wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. ... Natürlich wird es länger dauern.“