Ukraine-Krieg

Russischer Deserteur schildert Hubschrauber-Flucht in die Ukraine – seine Kollegen überlebten nicht

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Einem 28-jährigen russischen Helikopterpiloten gelang es, in die Ukraine überzulaufen. Nun berichtet er von den Ereignissen.

Update von Freitag, 8. September, 12.47 Uhr: Der Stolz auf den russischen Deserteur, der einen Hubschrauber bei seiner Flucht in die Ukraine mitbrachte, ist offenbar groß. Nun sind neue Fotos aufgetaucht. Sie zeigen Wolodymyr Selenskyj, der mit dem ukrainischen Spionagechef Kyrylo Budanow vor einem russischen Mi-8-Hubschrauber posiert. Es scheint sich um den Helikopter zu handeln, den der Pilot in seiner waghalsigen Flucht in die Ukraine geflogen hatte. Der Mi-8-Hubschrauber auf dem Foto, das zum Gedenken an den Tag des militärischen Geheimdienstes der Ukraine aufgenommen wurde, trägt die Nummer „62“, ebenso wie der Hubschrauber auf dem von der Ukraine veröffentlichten Video.

Präsident Wolodymyr Selenskyj posiert mit dem ukrainischen Spionagechef Kyrylo Budanow vor dem russischen Mi-8-Hubschrauber.

Russischer Deserteur schildert Hubschrauber-Flucht in die Ukraine – seine Kollegen überlebten nicht

Erstmeldung von Mittwoch, 6. September: Kiew – Ein russischer Helikopterpilot lief im Ukraine-Krieg auf die ukrainische Seite über und wurde von Kiew reich belohnt: Eine halbe Million US-Dollar (rund 463.000 Euro) erhält der Deserteur, wie auf einer Pressekonferenz am Dienstag bekannt wurde. Doch offenbar hätte alles auch ganz anders ausgehen können, wie ein Bericht über seine spektakuläre Flucht zeigt.

Helikopterpilot gelingt spektakuläre Flucht in die Ukraine: Transponder ausgeschaltet

Der übergelaufene Helikopterpilot Maksim Kuzminow hatte seine Flucht wohl von langer Hand geplant, denn im Vorfeld hatte er seine Familie bereits aus Russland geschmuggelt. Schon Ende vergangenen Jahres hatte sich Kuzminow an den ukrainischen Militärgeheimdienst gewandt, mit dem er im Anschluss über etwa sechs Monate hinweg seinen ausgereiften Fluchtplan erarbeitete. Kommuniziert habe man über einen verschlüsselten Chat in der Applikation Telegram. Wer mit großem Kriegsgerät – etwa einem Hubschrauber – aus Russland desertiert, erhält von Kiew eine Belohnung von 500.000 US-Dollar sowie eine Sicherheitsgarantie.

Entsprechend war der Plan des Deserteurs, sich mit seinem Mi-8-Hubschrauber in die Ukraine abzusetzen und den Helikopter im Anschluss den ukrainischen Streitkräften zu übergeben. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge flog der 28-Jährige auf seiner Flucht in einer Höhe von rund zehn Metern und hatte seinen Transponder ausgeschaltet. Er sei aus unklarer Richtung beschossen worden, als er über die Grenze in die Ukraine flog, beschrieb Kuzminow dem Wall Street Journal zufolge die Gefahr. Im Anschluss gelang es ihm wie geplant auf einem Militärflugplatz in Charkiw im Nordosten der Ukraine zu landen.

Drama im Ukraine-Krieg: Helikopterpilot einziger, der fliegen konnte: „Niemand konnte Widerstand leisten“

Zunächst habe niemand gewusst, was mit ihm los war, erzählte Kuzminow über den Beginn seiner Flucht. „Ich war mit zwei Besatzungsmitgliedern an Bord. Wir hatten keine Waffen, unsere Piloten fliegen ohne Waffen“, erklärte der 28-Jährige. Als der Crew klar wurde, was Kuzminow beabsichtigte, seien die beiden Männer in Panik geraten, erzählte der Deserteur auf einer Pressekonferenz am Dienstag, wie The Daily Beast berichtete. Doch „niemand konnte Widerstand leisten“, denn er sei der einzige gewesen, der wusste wie man den Hubschrauber fliegt, so der Pilot.

Der übergelaufene russische Pilot, der einen Mi-8-Hubschrauber den Streitkräften Kiews übergeben hat, soll eine Prämie von einer halben Million US-Dollar (rund 463.000 Euro) erhalten.

„Ich habe die Jungs beruhigt und ihnen gesagt, dass alles in Ordnung ist, dass hier gute Menschen leben und alles gut sein wird. Aber sie bekamen Angst und verhielten sich etwas aggressiv, und sie rannten aus dem Hubschrauber in Richtung Grenze“, so Kuzminow weiter. Laut dem Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, seien die beiden fliehenden russischen Soldaten „eliminiert“ worden, wie er Radio Free Europe mitteilte. Ukrainischen Angaben zufolge hätten sich die beiden Besatzungsmitglieder geweigert, sich zu ergeben.

Nun will sich der Deserteur einem Bericht von The Daily Beast zufolge offenbar den ukrainischen Streitkräften anschließen und dort in der Luftoperation des Ukraine-Kriegs tätig werden. Seine Landsleute rief er indes dazu auf, seinem Beispiel zu folgen und ebenfalls überzulaufen. „Wenn ihr das tut, was ich getan habe, werdet ihr es überhaupt nicht bereuen. Ihr werdet für den Rest eures Lebens mit allem versorgt sein“, sagte der 28-Jährige in dem Dokumentarfilm „Downed Russian Pilots“. Moskau äußerte sich zunächst nicht zum Überlaufen des Helikopterpiloten aus den eigenen Reihen.

Rubriklistenbild: © Sergei Ilnitsky/dpa

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