Verluste für Russland im Ukraine-Krieg: Putin plaudert Opferzahlen aus
VonLisa Mahnke
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Wladimir Putin versucht, die Verluste Russlands im Ukraine-Krieg kleinzureden. Ein Ausrutscher offenbart echte Zahlen und widerspricht seiner Propaganda.
St. Petersburg – Beim internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg (SPIEF) hat der russische Präsident Wladimir Putin auch über ukrainische Verluste geredet. Beim Versuch, die russischen Verluste geringer darzustellen, verplapperte er sich – und widersprach seiner eigenen Propaganda. Anders als bei sonstigen Angaben zeigen Hochrechnungen eine Annäherung an die durch die USA und Ukraine geschätzten russischen Verluste.
„Nach unseren Berechnungen verliert die ukrainische Armee etwa 50.000 Menschen pro Monat“, erklärte Putin laut der russischen Nachrichtenagentur Tass. Verletzte und Tote würde laut seinen Aussagen ungefähr 50 Prozent ausmachen. Die russischen Verluste seien „natürlich um ein Vielfaches geringer“. So weit nichts Neues. Ins Fettnäpfchen trat Putin jedoch kurz danach mit dieser Aussage: „Was die unwiederbringlichen Verluste betrifft, so ist das Verhältnis eins zu fünf.“
Verlust-Verhältnis von Putin unwahrscheinlich: Gesamtverluste im Ukraine-Krieg laut ISW höher
Das konkrete Verhältnis bietet die Basis für Berechnungen. Bei 50.000 Menschen pro Monat für die Ukraine liegen die gesamten russischen Verluste bei 10.000 Soldaten. Legt man dasselbe Verhältnis von 50/50 an die russischen Verluste, so bedeutet das 5.000 „irreparable Verluste“, also Tote.
Laut dem Institute for the Study of War (ISW) ist das Verhältnis von eins zu eins bei Verlusten und Verletzten unwahrscheinlich, üblich sei eher ein 1:3-Verhältnis. Das bedeute, ausgehend von den Todeszahlen, etwa 15.000 Verwundete pro Monat. Die russischen Gesamtverluste im Ukraine-Krieg würden demnach bei 20.000 Soldaten pro Monat liegen.
Russlands Verlustzahlen im Ukraine-Krieg kommen Schätzungen der Ukraine und der USA nahe
Damit wären die Verluste ziemlich nah an den Schätzungen der Ukraine. Der Befehlshaber der ukrainischen Bodentruppen, Generalleutnant Oleksandr Pawljuk, sprach laut dem ISW Anfang Mai von etwa 25.000 bis 30.000 russischen Verwundeten und Toten. Das ukrainische Militär veranschlagte am Sonntag die „eliminierten“ russischen Soldaten im Ukraine-Krieg auf 518.560. Einer US-amerikanischen Schätzung vom Dezember nach würden sich die Zahlen auf etwa 315.000 Gesamtverluste belaufen, so Newsweek.
Bei einer Hochrechnung nach den ISW-Berechnungen wäre diese Schätzung durchaus realistisch. Aber auch ausgehend von der konservativeren Schätzung von 10.000 Verlusten legen die Verluste im russischen Militär immer noch bei 270.000 Soldaten beziehungsweise bei 135.000 Toten. Eine ganze Menge im Vergleich zu den 5.937 russischen Toten, die der damalige russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu laut der Bild sechs Monate nach Beginn des Krieges nannte. Hochgerechnet auf den gesamten Krieg, der mittlerweile über 27 Monate geht, wären das nur etwa 26.700 Tote.
Offensive bei Charkiw durch Nachwuchs möglich: Putin rekrutiert schnell für Ukraine-Krieg
Zu der Rekrutierungsgeschwindigkeit der Ukraine sagte Putin laut der russischen Nachrichtenseite Expert News bei der SPIEF: „Sie haben 30.000 angesammelt, also letzten Monat, vorletzten Monat, etwa 50.000 bis 55.000, nach unseren Daten. Aber damit ist das Problem nicht gelöst. Wissen Sie, warum? Weil diese ganze Mobilisierung nur die Verluste deckt. Alles dient dazu, die Verluste auszugleichen.“ Da es auch zu den ukrainischen Verlusten und Rekrutierungen keine genauen Zahlen gibt, lassen sich diese Angaben nur schwer prüfen.
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Laut eigenen Angaben sehe das in Russland etwas besser aus. „Jeden Tag kommen mehr als Tausend freiwillig zu den Melde- und Rekrutierungsbüros“, erklärte Putin laut Interfax beim SPIEF. Auch Ruslan Puchow, Leiter des Moskauer Zentrums für die Analyse von Strategien und Technologien, und das russische Verteidigungsministerium sprachen von etwa 30.000 neuen Soldaten pro Monat, so das ISW.
Selbst mit den Hochrechnungen des ISW würden Russland in der Bilanz etwa 10.000 neue Soldaten bleiben und den Aussagen des Instituts nach sei dies auch in dem Erhalt des gesamten Tempos der Offensive sichtbar. Besonders in der Region Charkiw stand die Ukraine zuletzt unter Druck. Unklar sei jedoch, ob diese Rekrutierungsgeschwindigkeit durchgehend gehalten werden könne. (lismah)