Nach dem Putschversuch

Neuer Mann in Russland? Putins Ex-Leibwächter könnte Schoigu ersetzen

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Aufnahme vom 23. Dezember: Wladimir Putin (r.) mit dem russischen Politiker Alexei Djumin in Tula.
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Wladimir Putins Liste der entlassenen Offiziere im Ukraine-Krieg ist lang. Folgt nun sein Verteidigungsminister und Vertrauter Schoigu? Es wird bereits über seinen Nachfolger spekuliert.

Moskau - Nach dem beendeten Putschversuch der Wagner-Gruppe mitten im Ukraine-Krieg gibt es Spekulationen in Russland. Wird Wladimir Putin personelle Konsequenzen ziehen? Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf den Verteidigungsminister und engen Vertrauten Putins. Russische Telegram-Kanäle, Medien und Kommentatoren mutmaßen, dass Putin Schoigu durch Alexei Djumin, den Gouverneur der Region Tula, ersetzen könnte, berichtet AP News.

Djumin ist ein ehemaliger Sicherheitsagent des Kremls und war bereits als stellvertretender Verteidigungsminister tätig. Nun könnte er Nachfolger des russischen Verteidigungsministers Sergei Schoigu werden: Dessen Absetzung hatte der Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, während seines Putschversuchs am 24. Juni gefordert. Schon länger gibt es Kritik an Schoigus Kriegsführung in der Ukraine.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Potenzieller Nachfolger: Djumin ist ehemaliger Agent

Der in Kursk im Westen Russlands geborene Djumin, 50, ist ein ehemaliger Agent des Federal Guard Service (FSO), und sorgte für die Sicherheit des Präsidenten und anderer Staatsbeamten: Im Februar 2016 wurde er vom russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Gouverneur der Region Tula ernannt. Zuvor war er Schoigus Stellvertreter im russischen Verteidigungsministerium. Sowohl westliche als auch russische Analysten glauben, dass er eine Rückkehr anstrebt.

Auch der kremlfreundliche Politikanalyst Sergej Markow sagte auf seinem Telegram-Kanal, er halte es für „höchstwahrscheinlich, dass Alexei Djumin Verteidigungsminister und General [Sergej] Surowikin Chef des Generalstabs wird. Aber das wird nicht sofort passieren, daher besteht kein Gedanke daran, dass Schoigu und Gerassimow auf Wunsch des Rebellen abgesetzt wurden“, schrieb Markow.

Schoigu und Gerassimow seien „jetzt offensichtlich lahme Enten“

Mit dieser Meinung steht der Politikanalyst nicht alleine da. Die Kritiker häufen sich. Ruslan Puchov, Direktor des in Moskau ansässigen Zentrums für Analyse von Strategien und Technologien, sagte der Financial Times, Schoigu und Gerassimow seien „jetzt offensichtlich lahme Enten“ und würden beide von Putin „entfernt“ werden. Währenddessen fielen wieder einmal ukrainische Zivilisten einem russischen Raketenangriff zum Opfer.

Der russische Verteidigungsminister, Sergej Schoigu mit Präsident Wladimir Putin auf dem Roten Platz (Archivbild).

Dem stimmte Putins langjähriger Redenschreiber Abbas Galjamow zu: „Es scheint, dass Djumin jetzt der Favorit ist“, schrieb Galjamow auf seinem Telegram-Kanal. Bereits während Prigoschins abgebrochenen Putschversuchs kursierten Berichte, dass Djumin an Verhandlungen mit dem Chef der Wagner-Gruppe teilgenommen habe. Diese konnten jedoch nicht bestätigt werden.

Jede Änderung im Verteidigungsministerium würde einen Sieg für Prigoschin bedeuten

Das amerikanische „Institute for the Study of War“ wollte die Spekulationen, dass Djumin Schoigu als Verteidigungsminister ersetzen könnte, allerdings nicht bestätigen. Die Denkfabrik fügte hinzu, dass „jede Änderung in der Führung des Verteidigungsministeriums insbesondere einen bedeutenden Sieg für Prigoschin bedeuten würde“. (Joshua Eibl)

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