Wladimir Putins Liste der entlassenen Offiziere im Ukraine-Krieg ist lang. Folgt nun sein Verteidigungsminister und Vertrauter Schoigu? Es wird bereits über seinen Nachfolger spekuliert.
Moskau - Nach dem beendeten Putschversuch der Wagner-Gruppe mitten im Ukraine-Krieg gibt es Spekulationen in Russland. Wird Wladimir Putin personelle Konsequenzen ziehen? Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf den Verteidigungsminister und engen Vertrauten Putins. Russische Telegram-Kanäle, Medien und Kommentatoren mutmaßen, dass Putin Schoigu durch Alexei Djumin, den Gouverneur der Region Tula, ersetzen könnte, berichtet AP News.
Djumin ist ein ehemaliger Sicherheitsagent des Kremls und war bereits als stellvertretender Verteidigungsminister tätig. Nun könnte er Nachfolger des russischen Verteidigungsministers Sergei Schoigu werden: Dessen Absetzung hatte der Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, während seines Putschversuchs am 24. Juni gefordert. Schon länger gibt es Kritik an Schoigus Kriegsführung in der Ukraine.
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Potenzieller Nachfolger: Djumin ist ehemaliger Agent
Der in Kursk im Westen Russlands geborene Djumin, 50, ist ein ehemaliger Agent des Federal Guard Service (FSO), und sorgte für die Sicherheit des Präsidenten und anderer Staatsbeamten: Im Februar 2016 wurde er vom russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Gouverneur der Region Tula ernannt. Zuvor war er Schoigus Stellvertreter im russischen Verteidigungsministerium. Sowohl westliche als auch russische Analysten glauben, dass er eine Rückkehr anstrebt.
Auch der kremlfreundliche Politikanalyst Sergej Markow sagte auf seinem Telegram-Kanal, er halte es für „höchstwahrscheinlich, dass Alexei Djumin Verteidigungsminister und General [Sergej] Surowikin Chef des Generalstabs wird. Aber das wird nicht sofort passieren, daher besteht kein Gedanke daran, dass Schoigu und Gerassimow auf Wunsch des Rebellen abgesetzt wurden“, schrieb Markow.
Schoigu und Gerassimow seien „jetzt offensichtlich lahme Enten“
Mit dieser Meinung steht der Politikanalyst nicht alleine da. Die Kritiker häufen sich. Ruslan Puchov, Direktor des in Moskau ansässigen Zentrums für Analyse von Strategien und Technologien, sagte der Financial Times, Schoigu und Gerassimow seien „jetzt offensichtlich lahme Enten“ und würden beide von Putin „entfernt“ werden. Währenddessen fielen wieder einmal ukrainische Zivilisten einem russischen Raketenangriff zum Opfer.
Dem stimmte Putins langjähriger Redenschreiber Abbas Galjamow zu: „Es scheint, dass Djumin jetzt der Favorit ist“, schrieb Galjamow auf seinem Telegram-Kanal. Bereits während Prigoschins abgebrochenen Putschversuchs kursierten Berichte, dass Djumin an Verhandlungen mit dem Chef der Wagner-Gruppe teilgenommen habe. Diese konnten jedoch nicht bestätigt werden.
Jede Änderung im Verteidigungsministerium würde einen Sieg für Prigoschin bedeuten
Das amerikanische „Institute for the Study of War“ wollte die Spekulationen, dass Djumin Schoigu als Verteidigungsminister ersetzen könnte, allerdings nicht bestätigen. Die Denkfabrik fügte hinzu, dass „jede Änderung in der Führung des Verteidigungsministeriums insbesondere einen bedeutenden Sieg für Prigoschin bedeuten würde“. (Joshua Eibl)