Russlands Staats-TV reagiert auf Assads Ende – mit Schuldzuweisungen
VonJekaterina Jalunina
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Putin-Propagandist Wladimir Solowjow äußerte im russischen Staatsfernsehen seine Enttäuschung über den Sturz von Assad. Er macht das syrische Volk für den Sturz verantwortlich.
Moskau – Moskau versucht, die Deutung des Syrienkonflikts zu kontrollieren. Der Kreml bezeichnet das Ende von Assads Herrschaft nicht als Sturz, sondern als freiwilligen Rücktritt. In der russischen Talk-Show „Abend mit Wladimir Solowjow“ im russischen Staatsfernsehen wurde die „Syrienfrage“ diskutiert – besser gesagt der Sturz von Baschar al-Assad.
Der kremlnahe russische Moderator und Propagandist Wladimir Solowjow betonte in seinem Eröffnungsmonolog die Bedeutung dieses Geschehnisses für Russland: „Für Russland ist die Syrienfrage eine schmerzlich heikle Frage.“ Dabei hob er hervor, dass russische Soldaten in Syrien ihr Leben gelassen hatten.
Assads Sturz: Moskau zieht Konsequenzen aus dem Zusammenbruch des Regimes
Solowjow versicherte dem Publikum, dass das russische Personal in der Region in Sicherheit sei. Er reflektierte die Lehre aus dem Zusammenbruch des Regimes: „Wenn die Menschen nicht für ihr Land kämpfen wollen, kann ihnen keine externe Kraft helfen, egal wie viele es sind. Wenn die Menschen Freiheit wollen, wenn sie kämpfen wollen, kann man sie unterstützen. Aber die Verantwortung für das Leben von Menschen zu übernehmen, die keine Verantwortung für sich selbst übernehmen wollen, wäre äußerst seltsam.“
Laut Kreml entschied Baschar al-Assad persönlich und selbständig über seinen Rücktritt
Solowjow zog einen Vergleich zwischen Baschar al-Assad und dessen verstorbenem Vater Hafez al-Assad, der bis zu seinem Tod im Jahr 2000 an der Macht war. Solowjow berichtete, Assad persönlich getroffen und interviewt zu haben, und bezeichnete ihn als „persönlich sehr sympathisch“. Dennoch kritisierte er, dass Baschar al-Assad nicht die gleiche Kontrolle über das Land ausüben könne wie sein Vater. Die Show auf dem Sender Rossija-1 ist bekannt für ihre emotional aufgeladenen Diskussionen und wird oft scharf kritisiert. In seiner Sendung führt Solowjow regelmäßig hitzige Debatten mit einer breiten Palette von Gästen.
Putin nimmt Syriens ehemaligen Machthaber auf: Baschar al-Assad erhält Asyl in Russland
Assad hat nach seinem Sturz in Syrien mit seiner Familie Asyl in Russland erhalten. Kremlchef Wladimir Putin, der sich immer wieder mit Assad traf, habe die Entscheidung getroffen, die Familie in Russland aufzunehmen, hatte Peskow bereits am Montag gesagt. Ein Treffen ist demnach allerdings nicht geplant. Den genauen Aufenthaltsort Assads haben die russischen Behörden nicht bekannt gegeben.
Assad hatte das Land verlassen, nachdem eine von Islamisten angeführte Rebellenallianz am Wochenende in Damaskus eingerückt war. (dpa/jal)