„Eigene Wahrheit“

Putins Staats-TV treibt schillernde Blüten – Westen will angeblich einen Atomschlag provozieren

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In Russlands Staatsfernsehen sinniert ein Putin-Propagandist darüber, dass westliche Eliten absichtlich einen Atomangriff provozieren könnten.

Moskau – Drohungen sind nicht nur fester Bestandteil der Reden von Wladimir Putin, sondern auch im Programm der russischen Medien. Erst vor Kurzem sinnierte das Staats-TV in Russland über eine Bombardierung Berlins. Auch den Gedanken an Atomschläge scheuen die Propagandisten in Moskau nicht – und lassen sich dabei immer wieder neue bizarre Narrative einfallen.

In der Sendung „Eigene Wahrheit“ im russischen Staats-TV wurde die These aufgestellt, dass die USA Russland absichtlich zu einem Atomangriff provozieren würden.

Propaganda in Russlands Staats-TV: „Keine andere Wahl als Krieg“

So hieß es jüngst in einer Ausgabe der Sendung „Eigene Wahrheit“, der Westen provoziere Russland absichtlich zu einem nuklearen Angriff. Ausschnitte des De-facto-Staatssender NTW lud die US-Journalistin Julia Davis untertitelt auf dem Youtube-Kanal des „Russian Media Monitorhoch. Ausgangspunkt der Sendung war eine Diskussion über die Ankündigung Großbritanniens, Urangeschosse an die Ukraine zu liefern. Die Teilnehmer der Sendung fabulierten schnell über eine Befreiung der Ukraine. Wladimir Putin nutzt diese Darstellung als Begründung für seine Invasion.

Die RT-Propagandistin Margarita Simonjan, die im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg auf der Sanktionsliste der EU steht, kam dabei zu folgender Feststellung: „Sie planen das Land, von dem sie glauben, dass es ihnen gehört, mit abgereichertem Uran zu beschießen. Ist das nicht ein Eingeständnis, dass dies nicht ihr Land ist?“ Angesichts der Waffenlieferungen habe Russland zudem „keine andere Wahl als Krieg zu führen“.

Drohungen im Ukraine-Krieg: Wilde Spekulation in Russlands Staats-TV

Den propagandistischen Höhepunkt erreichte die Sendung aber als Alexej Gudoschnikow, der mehrere Formate auf dem TV-Sender des russischen Verteidigungsministeriums moderiert, seine Theorie von der westlichen Provokation auspackte. „Was, wenn sie wollen, dass wir einen Angriff durchführen?“, fragte er in die Runde. Sollte Russland eine Atomrakete abschießen, könnten sich westliche Eliten in privaten Bunkern in Sicherheit bringen. „Danach können sie über die furchtbare Grausamkeit Russlands und über den schrecklichen Völkermord sprechen, den es gegeben hat“, sagte Gudoschnikow.

Die Lücken in dieser Theorie bemerkte auch der Moderator der Sendung, der ebenfalls sanktionierte Roman Babajan: „Nehmen wir an, sie haben sich in ihren Fünf-Sterne-Bunkern versteckt. Müssen sie dann später wieder herauskriechen oder haben sie vor, sich in Maulwürfe zu verwandeln?“ Logik ist bei solchen Aussagen letztendlich aber zweitrangig. Die Drohung ist, was zählt.

Zuletzt hatte Putin im Staats-TV aber auch Probleme der russischen Armee eingeräumt. (vbu)

Rubriklistenbild: © Screenshot/NTW

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