Homophobe „Satanismus“-Tirade

„Allahu Akbar“ im russischen Staats-TV: Putins Top-Propagandist mit wirren Aussagen

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Fernseh- und Radiomoderator Wladimir Solowjow spricht während eines Vortrags in Moskau. (Archivfoto)
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Der Tod sei kein Problem, der Westen satanistisch und die Welt nichts ohne Russland – ein Auszug aus dem russischen Staatsfernsehen.

Moskau – Im Osten nichts Neues: Während sich die russische Armee mit allerlei Problemen im Ukraine-Krieg zu kämpfen hat, läuft die Propagandamaschinerie in der Heimat auf Hochtouren. Allen voran Talkshow-Gastgeber Wladimir Solowjow verbreitet weiter Verschwörungstheorien.

Solowjow hat nun versucht, russische Soldaten persönlich aufzumuntern und zum bedingungslosen Kampf aufzurufen – bei einem Besuch vor Ort. „Es gibt keinen Tod, sondern nur den Weg zur Unsterblichkeit“, sagte Solowjow in seiner für das Staatsfernsehen mitgefilmten Ansprache. Einen Clip der Sequenz teilte die US-Journalistin Julia Davis auf Twitter über ihren „Russian Media Monitor“.

Propaganda aus Russland: Homophobie wird großgeschrieben

Bevor Solowjow das Wort ergriff, hielt ein – dem Anschein nach – tschetschenischer Kommandeur eine Rede vor seinen Soldaten. Wie Newsweek berichtet, ist sein Name Magomed Tschitanajew. Seine minutenlange Ansprache triefte vor Homophobie; in was für einer Welt lebe man, in der die Ukraine „Gay-Paraden in Kiew, Charkiw und Odessa“ genehmige, fragte Tschitanajew. Selbst der „römische Papst“ habe inzwischen die gleichgeschlechtliche Ehe und Geschlechtsumwandlungen „legalisiert“, nun habe er „offiziell den Tempel von Satan geöffnet“.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Die Aussagen erinnern – wenig überraschend – an die Propaganda des Tschetschenen-Führers Ramsan Kadyrow. Der Kommandant fuhr fort, dass man einen „Heiligen Krieg“ gegen „Faschisten“ führe. Während man selbst „auf der Seite Gottes“ kämpfe, befinde sich der Westen „auf der Seite Satans“ – ein Narrativ, das Wladimir Putins Top-Propagandist Solowjow im Anschluss noch weitersponn.

Ukraine-Krieg: Russland kämpft gegen „Satanismus“ des Westens

Im Krieg gegen die Ukraine gebe es keinen Schmerz, so Solowjow. „Es gibt nur Bedauern, nicht mehr Feinde ausgeschaltet zu haben“. Der eigene Tod habe nichts zu bedeuten, schließlich „machen wir durch unsere Kinder weiter“. Doch in was für einer Zukunft sollten Kinder aufwachsen, wenn „Männer mit Männern schlafen?“, fragte er die russischen Soldaten.

„50 Länder sind gegen uns, und sie alle sind durch eine Sache vereint: Satanismus“, sagte Solowjow. Egal, wie sehr der Westen versuche, „schöne Worte zu finden“, im Kern sei er gegen Gott. Bevor der Nicht-Moslem Solowjow abschließend ein unbeholfenes „Allahu Akbar“ herausposaunte, schloss er seine Rede mit einem angeblichen Zitat Wladimir Putins ab: „Wenn wir nicht gewinnen, wird nicht Russland, sondern die ganze Welt verschwinden. Wer braucht schon die Welt, wenn es Russland nicht gibt?“ (nak)

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