- VonBettina Menzelschließen
Die Leopard-2 gehören zu den modernsten Kampfpanzern weltweit. Im Falle eines Treffers schützen sie in der Regel die Besatzung. Doch im Ukraine-Krieg sind nur noch wenige Modelle einsatzbereit.
Kiew – Einige Leopard-2-Kampfpanzer warten in einem aus Geheimhaltungsgründen nicht näher bestimmten Waldstück in der Ukraine derzeit auf ihre Abholung. Die Fahrzeuge wurden im Ukraine-Krieg arg mitgenommen, beschädigt und teilweise durchsiebt. Nun müssen sie zur Reparatur, doch ihre Besatzung ist wohlauf. Das liegt an der besonderen Bauweise der modernen Kampfpanzer.
Ukraine-Krieg: Leopard-2-Panzer von Granate getroffen, doch Besatzung wohlauf
Deutsche Leopard-Panzer haben eine eigene Kammer für Munition. Werden sie getroffen, sorgt das in der Regel nicht für einen Totalschaden, was eine Reparatur oftmals möglich macht. Der Fernsehsender ntv berichtete aus der Ukraine von einem sogenannten Serviceplatz, an dem die kaputten Fahrzeuge auf ihre Abholung warten. Die Besatzung eines der beschädigten Kampfpanzer – Kommandant Roman und seine Truppe – war an der Front unter Beschuss geraten. Dabei traf unter anderem eine 120-Millimeter-Granate das Kühlsystem des Leopard-2-Panzers. „Aber wir konnten noch ohne Probleme unsere Stellung erreichen. Die deutsche Panzerung hat uns wirklich gerettet und die Besatzung wurde nicht verletzt“, so der Kommandant zu ntv in dem am Mittwoch (18. Januar) veröffentlichten Beitrag.
Doch jetzt ließe sich der Panzer nur mehr in der Fabrik reparieren. Die allerdings befindet sich in Litauen. Ursprünglich war angedacht gewesen, die beschädigten Fahrzeuge schneller wieder zurück an die Front zu bringen, indem sie in Polen, Rumänien oder in der Ukraine selbst repariert werden. Zuletzt wurden die Panzer aber weiterhin in Litauen instandgesetzt. Bis dorthin ist es ein komplizierter Weg, der viel Zeit in Anspruch nimmt. „Es wäre natürlich viel besser, wenn wir alles hier in der Ukraine reparieren könnten“, so der Kommandeur. „So könnten wir schon allein auf den ganzen Papierkram für die Grenze verzichten“, kommentierte Roman weiter. „Wenn wir alles hier hätten, auch die Ersatzteile, könnten wir nicht nur Tage, sondern Monate sparen“, mahnte der Ukrainer.
Reparatur beschädigter Leopard-2-Panzer in Litauen: Ersatzteile fehlen offenbar
Die Ukraine erhielt seit Beginn des russischen Überfalls über 70 Leopard-2-Panzer aus dem Westen. Wie viele davon noch für den Kampfeinsatz bereit sind, ist nicht öffentlich bekannt. Anfang des Jahres gab es allerdings Meldungen, dass ein Großteil der von Deutschland an Kiew gelieferten Leopard-2A6-Panzer nicht mehr einsatzfähig ist. Die Mehrheit der beschädigten Leopard-Panzer wartete zuletzt in einer litauischen Werkshalle auf die Instandsetzung. Das Problem: Die Ersatzteile fehlen. „Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie sich darum kümmert, dass die Versorgung mit Ersatzteilen deutlich besser wird“, kommentierte Grünen-Politiker Anton Hofreiter dazu kritisch.
In der Einheit des Kommandanten Roman waren zuletzt drei von vier Panzern nicht einsatzfähig, wie die Truppe berichtete. Entweder, weil sie im Kriegseinsatz getroffen wurden oder wegen technischer Probleme. Die ordnungsgemäße Wartung der Panzer ist selbst für die Bundeswehr bereits in Friedenszeiten eine Herausforderung. In Kriegszeiten können die Wartungszyklen kaum eingehalten werden und auch der Betrieb ist nicht immer ordnungsgemäß. Wer vor dem Feind flüchten muss, achtet kaum auf die ideale Drehzahl. Das trägt zur Ausfallquote bei.
Darüber hinaus mangele es auch an der Ausbildung der ukrainischen Techniker, kritisierte der Fachmann für den Verteidigungsetat, Sebastian Schäfer (Grüne) jüngst. Eine Bereitstellung von Anleitungen und eine bessere Schulung könnte hier Abhilfe schaffen, schlug der Experte dazu vor. Kommandant Roman hat seinerseits ebenfalls Verbesserungsvorschläge: „Die Panzerung könnte noch effektiver und moderner sein und wir brauchen neue Verteidigungssysteme. Denn während des Krieges wurden immer neue Anti-Panzer-Waffen entwickelt. Darauf müssen wir einfach reagieren“, so der ukrainische Militär.