Drohnenlieferung

Iran nährt Spekulationen über drohende Eskalation in der Ukraine - weiß Russlands Partner mehr?

  • schließen

Russlands Verbündeter Iran fordert seine Bürger zur dringenden Ausreise aus der Ukraine auf: Deutet das auf eine nahende Eskalation hin?

Teheran - Der Iran hat am Freitag (21. Oktober) seine Bürger dringlich zur Ausreise aus der Ukraine aufgefordert. Kein ungewöhnlicher Vorgang im Ukraine-Krieg – die Warnung aus Teheran ist dennoch eine besondere: Das Regime hat trotz des Angriffskriegs immer wieder den Schulterschluss mit Russland geübt. So stellt sich die Frage, ob der Iran etwas über eine drohende Eskalation in der Ukraine durch Russland wissen könnte.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi (re.) empfängt Wladimir Putin in Teheran. (Archivbild)

Deutschland fordert seine Bürger schon seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zur Ausreise auf. Der Iran hat nun bestehende Reisewarnungen für die Ukraine verschärft und die in der Ukraine lebenden Iranerinnen und Iraner „dringend“ zur Ausreise aufgefordert. Einige Tage zuvor hatte auch China seine Reisewarnungen für die Ukraine verschärft – ein weiterer Staat, der Putins Russland nahe steht. Der Zeitpunkt lässt also aufhorchen.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine: Diese Anzeichen weisen auf eine drohende Eskalation hin

Zuletzt mehrten sich in der Tat die öffentlich sichtbaren Anzeichen, dass Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter eskalieren könnte. Viele Kreml-Äußerungen folgen dem gleichen Muster: Russland unterstellt der Ukraine eine weitere Eskalation - könnte dabei aber selbst Pläne in die gleiche Richtung hegen.

Russland Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte am Sonntag in Telefonaten mit mehreren Amtskollegen aus Nato-Staaten mitgeteilt, er sei besorgt, dass die von Russland angegriffene Ukraine den Einsatz einer „schmutzigen Bombe“ vorbereiten könnte. Zuvor hatte Russland der Ukraine vorgeworfen, einen Damm in der Region Cherson sprengen zu wollen sowie ein Massaker an der eigenen Bevölkerung in der Region Charkiw zu planen.

Desweiteren eskaliert die Lage militärisch: Nach monatelanger Feuerpause waren in der vergangenen Woche auch Kiew oder Lwiw im Westen wieder unter russischen Beschuss geraten, unter anderem durch Angriffe von Drohnen. Am Montag hat es einen Luftalarm für fast die gesamte Ukraine gegeben. Einige Regionen der Ukraine waren am Wochenende teilweise ohne Strom. Der neue russische Oberbefehlshaber in der Ukraine, Sergej Surowikin, soll nach Ansicht westlicher Militärexperten damit gezielt auf eine Demoralisierung des ukrainischen Volkes vor dem Winter abzielen.

Ukraine: Britischer Militärgeheimdienst bestätigt Einsatz von Drohnen aus dem Iran durch Russland

Bereits seit Verkündung der Annexionen dreier ukrainischer Gebiete durch Russland wird eine weitere Eskalation in der Ukraine erwartet. Mit einer Teilmobilmachung hatte der russische Präsident Wladimir Putin auch innenpolitisch den Angriffskrieg auf die Ukraine auf eine neue Ebene gehoben.

Es kann allerdings nur darüber spekuliert werden, inwieweit die politische Führung im Iran in Russlands Kriegspläne eingeweiht ist. Dass es eine Zusammenarbeit mit Russland gibt, kann seit Montag noch etwas mehr als wahrscheinlich gelten: Der Iran liefert wohl Drohnen an Russland. Am Montagmorgen veröffentlichte der britische Militärgeheimdienst ein Statement, wonach Drohnen aus dem Iran in der Ukraine eingesetzt werden. Diese seien allerdings „laut und langsam“ und könnten von der Ukraine bereits in 85 Prozent der Fälle abgefangen werden.

Zudem gibt es eine weitere Spekulationsebene: Wenn Russland und der Iran tatsächlich enger zusammenarbeiten als ohnehin sichtbar, könnte auch Irans Reisewarnung an die iranischen Bürger Teil der russischen Strategie sein - eine weitere rhetorische Eskalation, die in Einklang mit den russischen Warnungen vor Untaten der Ukraine steht. (dpa/kat)

Rubriklistenbild: © -/Iranian Presidency/dpa

Kommentare